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06.08.2007

Fiebar

hunde machen es ununterbrochen. jede ecke, jeder baum,
die ganze stadt ist mit abertausenden übereinanderliegenden schichten von olifaktorischen marken aus harn gepflastert, welcher terrier, welcher deutsch drahthaar, welcher mops soll da eigentlich noch durchsteigen?
dem hund am nächsten verwandt ist der mensch, auch er ist getrieben davon, seine marken und spuren zu hinterlassen,
überall wird abgelaicht, zugemüllt, rumgemeint, in internetforen, leserbriefen, gästebüchern, vielen scheint es schwerzufallen zuzugeben, dass sie stulle, also ahnungslos sind und dass es besser für sie wäre, wenn sie den schnabel hielten; und sieht diese ganze meinungskakophonie letztlich nicht so aus wie das trottoir vor einem eissalon? ununterbrochen werden kaugummis in münder gestopft, ordentlich durchgekaut und ausgespuckt, und es gibt keinen platz in der stadt, auf dem mehr von diesen armen verlassenen seelen liegen als links und rechts der eingänge der eiswirte - die schnittmenge der kaugummi- und der eisesser scheint ungeheuer groß zu sein; vor mcdonalds, pizzeria oder heeresgeschichtlichem museum z.b. ist weit weniger auswurf zu finden. aus den vormals weißen kautschukklumpen werden in kürzester zeit schwarze plättchen, die vom asphalt zu kratzen sich die straßenreinigungsgeschwader schon gar nicht mehr die mühe machen. zu viele sind es mittlerweile geworden. jedes von ihnen von einem menschlichen individuum, deren einige vielleicht schon tot sind, ein paar gerade verliebt, reiche, kranke, gesunde, arme, arbeitslose, solche mit schlechten hosen, ungezogene, perverse, jedes ein kunstwerk, ein zeugnis des lebens. die tauben hacken - aus respekt? - nicht an ihnen herum, sondern stochern mit großem appetit in nicht minder interessanten menschlichen und sogar noch kreativeren kunstwerken, den kotzesuppen.*


ja, so passiert es schon mal, in den vier bis achtundzwanzig wänden meiner germanischen behausung, daß man sich bei 40°C raumtemperatur in meinem unklimatisierten büro, ein buch und ein kaltes getränk schnappt und sich eine etage tiefer auf die couch begibt, um hitzefrei zu feiern. arbeit kann schließlich warten und nächte sind eben nicht bloß zum schlafen gedacht...

soundtrack: sandra nasic "fever".

*aus "das staubige tier" von tex rubinowitz

18:05 Veröffentlicht in Alltag , Gelesen | Permalink | Kommentarstatus (5) | Per Email verschicken

Kommentarstatus

Hier ist es schön still. Immer noch so warm bei Ihnen? Wir hatten gerade Gewitter.

Veröffentlicht von: Herr Mörlin | 08.08.2007

die stille kann täuschen, werter herr. und was das gewetter angeht: 17°C. nicht gerade augustlichst... :-)

Veröffentlicht von: Ad | 08.08.2007

Etwas kühl. Die Stille hier, Ruhe vor dem Sturm oder das Auge des Tigers?

Veröffentlicht von: Herr Mörlin | 08.08.2007

naja, am ehesten wohl eine allgemeine überforderung. zu viele dinge stehen sich gleichzeitig im weg und die zeit rennt dagegen. mit dem mitternächtlichen feierabend kommt zeitgleich totalitäre müdigkeit...

Veröffentlicht von: Ad | 08.08.2007

Toller Mix - die Sandra kannte ich gar nicht - merci.

Veröffentlicht von: Bazinger | 10.08.2007

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