« A[d]mosphere | HomePage | A Short Diary Post »
09.07.2007
Handlungsmotivation
manchmal sitze ich einfach so da, in meinem haworth chefsessel und starre aus dem fenster. die gedanken die mir dabei durch den kopf schießen, sind so unterschiedlichster natur, wie das warenangebot großer discounter. alles und nichts, fischstäbchen nebst handys, toilettenpapier und rasenmäher, an der kassa vereinte nationen.
nicht ein jeder gedanke dabei ist gleich abfall, viele sind es nicht einmal wert, überhaupt gedacht zu werden, manche geben bloß vor, wichtig zu sein, einige führen zu nichts. ganz selten aber, gibt es diese, die hochwertig und bedeutsam sind, die sich aber selbst kaum in wenigen buchstaben beschreiben lassen, wenn denn überhaupt.
eigentlich meine ich auch nicht bloße gedanken, es sind eher ganze mentalpakete, die aus vielen kleinen einzelteilen bestehen und etwas ganzes bilden, was wohl als der grundriss des handelns und des daseins durchgehen dürfte, eine art technischer zeichnung die aufzeigt, in welche richtungen man treiben sollte, angetrieben durch welchen stoff und gelenkt von welchem gott. zumindest ich persönliche neige dazu, dieses fundament hin und wieder zu vergessen, oder es zumindest geistig mit einer sümpfigen landschaft zu unterwandern. eine selbstvergewaltigung der eigenen kraft, mit einem dildo aus fauliger festgefahrenheit und stacheligen noppen der selbstgefälligkeit.
dabei ist es eigentlich ganz einfach, ein jeder hat seine ideale,
die gekonnt, oder nicht, seiner eigenen zielsetzung entsprechen. dumm nur, wenn man sich darin verirrt und sich selbst die reise zum licht hin, schwieriger gestaltet als nötig, wobei sie sich nun keine sorgen machen sollten, denn mit licht meine ich keineswegs einen fröhlichen wolkentod, sondern die eigene zufriedenheit, über das, was man tut und wie man es lebt.
was ich meine, ist folgendes - mich kotzt einfach das allgemeine rumgekotze und genörgele an, ja, auch mein eigenes. alles ist scheiße, schlecht und kritisch zu beäugen, mist, noch mistiger,
als scheiße je sein könnte, alles nervt und strapaziert das dasein. das internet ist blöd, wird zumindest am meisten von denen behauptet, die es von morgens bis nachts nutzen, ebenso der ganze elektronikschrott, mit dem wir ständig bombardiert werden, gleich nachdem wir die kreditkarten gezuckt haben. der alltag frisst uns auf, mit haut und haaren, ein beinahe jeder wünscht es sich robinson zu sein, sofern freitag ein ipod mit dicken titten, oder wahlweise einem riesigen schwanz sein könnte.
und dann auch noch der berufliche stress, eine endlos schleifende apokalypse der täglichen vierundzwanzig stunden, die die mittelalterliche sklaverei mit einem fingerzucken in kinderkramm verwandeln läßt.
und da wären wir auch schon beim blutroten faden, der sich durch meine gedanken zieht: das berufsleben in der werbebranche. man, wird darüber hergezogen, man, ziehe ich darüber her,
man könnte fast annehmen, es wäre die jenseitige unterwelt, die wir täglich betreten müßten, um unseren lebensunterhalt zu verdienen. mindestens.
dabei hinterfrage ich eine simple tatsache, wie man wohl in diesem suppenkessel landen kann, so, daß die erzählungen darüber, später beinahe so klingen, als wäre man bewußtlos dazu geprügelt worden, um nach einem langen komatösen zustand, plötzlich in dem verhassten schema "'werber" zu erwachen, totalitär willenlos.
also, ich persönlich kann mich nicht daran erinnern, mit peitschen und ketten dazu gezwungen worden zu sein, dies zu werden, was ich nun einmal geworden bin. um ganz ehrlich zu sein, wollte ich das sogar, ohne ein wenn und aber. und wenn ich noch viel tiefer in mich hinein horche, dann muß ich ganz ehrlich zugeben, daß ich das immer noch will, auch wenn ich gerade der typ bin, der sich seine gegenüber in '"meetings", gevierteilt vorstellt...
natürlich ist es manchmal und nach jahren die ins land ziehen nervig, oder zum kotzen, bloß ist es das überall, ganz gleich welchen beruf man genauer unter die lupe nimmt, ganz gleich,
in welcher branche. doch manchmal vergessen wir uns - in unserer situation - und puzzeln uns einen märtyrer auf den leib und merken immer weniger, wie sehr wir uns von dem ursprünglichen gedanken entfernen, der uns irgendwann mal früher neugier auf der zunge zergehen ließ. ich will hier nichts klischeehaft schönreden, aber manchmal muß man eben etwas mehr farbe verwenden, um am ende nicht mental auf einem friedhof des toten enthusiasmus zu graben.
genug gedacht.

22:10 Veröffentlicht in Alltag, Debil, Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (12) | Per Email verschicken


Kommentarstatus
Sehr schön! Genau das, was der Kaiser und ich jetzt gebraucht haben. Ein sehr feiner Text aus Ihrer Feder, bester Herr Ad, und das zur rechten Zeit. Danke, man!
Veröffentlicht von: eloran | 10.07.2007
Ich habe heute übrigens eine Kerze mit ins Büro genommen und angezündet... so halb OT (ich kann bei dem Thema nicht mitreden).
Veröffentlicht von: dieJulia | 10.07.2007
eloran: danke, freut mich.
julia: und was hat es mit der kerze auf sich?
Veröffentlicht von: Ad | 10.07.2007
ähm, quasi verlängertes daumendrücken (MANN! bist du verwirrt, schatz?).
Veröffentlicht von: dieJulia | 10.07.2007
ach, du meinst wegen ähm-cäh, dem 19-ten und dem stammtisch bei fabios... ;-)
pss! morgen, 09:00h, düsseldorf, vorsprache auf dem roten teppich. was soll ich nur anziehen?!
Veröffentlicht von: Ad | 10.07.2007
ja, genau das (oh, ähm, und, räusper, ich hoffe schwer, du wirst "dann" nicht einer von den letztrangigen Lackaffen, die ich nicht ausstehen kann - so ad Fabios und so... sonst ham wir zwei nämlich den vollen Klassenkampf, weißt du?)
Äh, und psss - was, Düsseldorf? Roter Teppich? -Gott, ist das spannend.
PS: solltest Du je damit beginnen, Zigarren zu rauchen, lasse ich mich scheiden. ;)
Veröffentlicht von: dieJulia | 10.07.2007
schatz, ich mache das seit über zehn jahren, ich mutiere jetzt und in meinem alter nicht mehr plötzlich zu irgendwas... :-)
p.s. ich hasse zigarren, pfeifen ebenfalls.
Veröffentlicht von: Ad | 10.07.2007
herr ad, was lese ich da? düsseldorf? bewerb? Geht's jetzt in die poli....? also, weniger verantwortung is ja okay, aber gleich verantwortunglos, herr ad, ob das das richtige ist?
Veröffentlicht von: herr mörlin | 10.07.2007
na, herr mörlin, keine sorge, in die poltik geht es nicht, es geht höchstens *um* firmenpolitik und deswegen auch düsseldorf. es bleibt bei wien und die sache mit weniger verantwortung hat sich erledigt. aber sowas von... :-)
Veröffentlicht von: Ad | 10.07.2007
sehr schön, herr ad, da sind wir beruhigt, obwohl, unsere 137+1 stimmen hätten Sie gehabt.
Veröffentlicht von: herr mörlin | 10.07.2007
*aufzeig*
inwiefern hat sich "weniger verantwortung" erledigt?
Im Sinne von mehr Verantwortung oder noch weniger Verantwortung?
LG from good old Weanastodt.
Veröffentlicht von: martini_ganz | 11.07.2007
martini_ganz: nun, eigentlich mehr verantwortung, aber um ganz ehrlich zu sein, weiß ich im moment nichts, nicht einmal, wo mein kopf liegt...
Veröffentlicht von: Ad | 12.07.2007
Senden Sie einen Kommentar