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26.06.2007
All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen
heute, irgendwann. draußen ist es grau und kühl, zudem regnet es weiterhin, wie in einem masoretischem text von der sintflut. das tal wird geflutet, der sommer hat ausgangssperre, zementgraue schatten drängen von außen nach drinnen, in einen arbeitsraum, in dem das gegenteil einer ausgelassenen party stattfindet. ein proof verläßt den drucker, eine festplatte jammert irgendwas in recht schrägen tönen, im aschenbecher verqualmt eine weitere dunhill sinnlos, während der vorher noch wohlriechende kaffee, längst in seiner tasse erkaltet ist.
eine person flucht leise "abgefuckter bockmist!" vor sich hin und kratzt sich zwischen den beinen. diese person bin ich.
der chef der kommunikation, die pustel des universums, das sandkorn am strand der einzigartigkeit. ich zünde eine weitere zigarette an und starre auf das proof. eine gänzlich einfallslose vektorgrafik, nebst spanischen buchstabenfolgen, die selbst nach meiner lieblosen übersetzung immer noch nicht kitschiger und schleimiger sein könnten. ich bin unglücklich damit, würde gerne abgetrennte köpfe drucken, oder ein meer aus maden, nebst der überschrift "stark reduziert!", doch ich weiß, die kundschaft würde sich daran abstoßen. womöglich ist das auch der einzige grund, warum ich überhaupt auf solch häßliche gedanken komme.
die stupidität meines beruflichen alltags und die mentalen barrieren der auftraggeber, die jegliche kreativität hinrichten, bevor sich diese überhaupt erst fruchtbaren boden zum keimen suchen könnte, lassen mich immer mehr in der einbildung schweben, gedruckte berge aus gedärmen und zerfetzten organen, könnten hübsch sein.
doch noch während ich mit dem gedanken beschäftigt bin, mich zu fragen, wie sehr, oder ob ich krank sei, werde ich wieder zurück in die scheinrealität des paranoiden geschäftsalltags geholt, durch das schrille klingeln des womöglich flachsten mobiltelefones dieses planeten, verursacht durch das wählen meiner nummer, seitens der marketingabteilung.
ich: übersetzungswurst.
ma: wer ist da?
ich: na, ich.
ma: oh, ich hatte etwas merkwürdiges verstanden...
ich: das war der hund.
ma: du hast einen hund?
ich: nein.
das ist also alles, was mir geblieben ist, von der zwischenmenschlichen kommunikation im berufsleben, die ich für glänzendes gold hielt - debile resignation, am lebenden objekt vertont ausgeführt. wenn ich schon tot wäre, würde ich mich mehrfach im grabe umdrehen.
ma: du verarschst mich!
ich: wie kommst du darauf?
ma: äh... ach, egal - hast du mein fax bekommen?
ich: nein...
ma: ich habe es aber schon vor einer stunde losgeschickt!
ich: vielleicht geht es zu fuß?
ma: du tust es schon wieder!
ich: was?
ma: mich verarschen!
ich: quatsch!
ma: ähm. okay. ich schicke es nochmal, rufst mich an, wenn du es hast?
ich: ja, kann aber einen moment dauern, muß erst noch mit dem hund raus...
ma: ...
eine weitere dunhill produziert abstrakte qualmformationen, mein mund schmeckt nach altem kaffee, meine gedanken entfernen sich um weitere galaxien von der arbeit. das fax ist nicht gekommen, ich habe nicht angerufen, im tiefsten inneren habe ich eh längst gekündigt, was allerdings recht schwierig ist, als selbstständiger. hätte ich doch bloß die idee für "körperwelten" gehabt...
01:30 Veröffentlicht in Alltag , Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (6) | Per Email verschicken
Kommentarstatus
Herr Ad, ich bin schreibfaul in den letzten Tagen und fasse mich deshalb kurz: Ich gratuliere zu diesem Text.
Veröffentlicht von: Schubladerich | 26.06.2007
vorsicht vor den flöhen Ihres niedlichen vierbeiners, verehrter herr ad. auch virtuelle flöhe können heftig beißen.
Veröffentlicht von: The white lake night | 26.06.2007
schubladerich: danke. obwohl da auch sehr viel schreibfaulheit mit im spiel war...
knight: werter herr, würde ich ihren kommentar auch nur ansatzweise verstehen, würde ich ihn auch beantworten, aber da ich es nicht tue, schweige ich einfach. :-)
Veröffentlicht von: Ad | 27.06.2007
sorry, verehrter herr ad, ich war beim schreiben eines beitrages über hunde und flöhe, als ich pausierend bei Ihnen reinschaute.
ich sag bescheid, wenn der beitrag auf meiner seite ist.
Veröffentlicht von: The white lake night | 27.06.2007
beitrag über hunde und flöhe ist gepostet, herr ad.
Veröffentlicht von: The white lake night | 27.06.2007
Auf so was möcht ich auch mal kommen wenn mich wer anruft. Neid, Eifersucht, Pein!
Veröffentlicht von: Anja | 29.06.2007

