« Ich bin enttäuscht | HomePage | These red shoes do, a kind of voodoo... »

20.06.2007

Ad interim (I)

die ordnung des auftretens von ereignissen, kann vom menschlichen bewusstsein durchaus zur einer chaotischen suppe aus wahrgenommenen verschmelzen, vorallem wenn vieles passiert, an verschiedenen schauplätzen und ich darin die hauptrolle schwimme. schwimmen sie mit, wenn sie wollen...

es gibt kein entkommen. das leben lebt, der planet dreht sich um irgendwas und der türke am schwedenplatz macht nunmal einen verdammt guten kebab. er mag nicht der freundlichste, oder hübscheste sein, zudem schwitzt er kräftig, auch seine produkte müßen nicht gleich den stempel "best of" bekommen, doch eine gewisse atraktivität kann ich seinen befüllten broten wahrlich nicht absprechen: knackig, lecker, wohl sortiert und gewürzt,
für zwei neunzig durchaus als sättigende mahlzeit annehmbar.

der schwedenplatz ist übrigens der, den ich fälschlicherweise erst immer südbahnhof genannt habe, weil mein gehirn zwar gerade noch fähig dazu ist, ein klein wenig orientierung zu verarbeiten, mit den dazugehörigen namen wird es dann aber schon komplizierter. erst wird der anfangsbuchstabe *s* gespeichert, dann der rest dazugedichtet, oder ein teil des namens, wie zum beispiel *dom*, oder *brunn*. ob ich dann in wirklichkeit einen petersdom gesehen habe und die gärten von schloss heilbrunn besuchte, dürfen sie nun glauben oder nicht, tatsache ist, daß die räumliche ausdehnung meiner wenigkeit, solchen, oder zumindest ähnlich benannten sehenswürdigkeiten ein freundliches "hallo" entgegenbrachte.

doch sehenswürdigkeiten müßen nicht gleich auch automatisch namen haben, oder zumindest fallen mir keine ein, zu begebenheiten, die ich von meinem aussichtspunkt aus beobachten konnte, wie zum beispiel den besoffenen typen, der sich mitten auf die kreuzung stellte, seine hose und unterhose runterließ, um anschließend freihängend vorbeifahrenden taxis zuzuwinken. ob er nun damit ausdrücken wollte, daß er in den puff möchte, oder ob er bloß heftigst einen an der klatsche hatte, werde ich wohl tatsächlich nie erfahren und um ehrlich zu sein, möchte ich das auch nicht.

und wo wir schon beim klatschen sind, muß ich an dieser stelle gestehen, tatsächlich ein hip-hop konzert besucht und dieses auch für gut befunden zu haben. selbstverständlich kam dabei die initiative von meiner liebsten, da ich ja immer noch zu oft als verbohrter und wenig offener musik-handwerker agiere, doch ich wurde positiv überrascht, wahrscheinlich auch in erster linie deswegen, weil es sich um keinen hip-hop aus der dose handelte, sondern ein konzert mit richtiger liveband, die, mit verlaub, eine wucht war. zeug aus dosen ist halt meistens nichts, außer thunfisch.

was mich wieder auf essbares bringt und zwar nachspeisiges, und um genau zu sein, eis. ich weiß nun, daß eis essen, nicht einfach so, als eis essen definierbar ist. oder anders - bällchen sind nicht gleich bällchen, zumindest dann, wenn sie mit einer schaufel auf die waffel platziert werden. so geschehen und mich blamiert, nicht nur vor dem fußvolk, sondern auch vor meiner wertesten, die ein hilfloses mich ertragen mußte, welches schlimmer als ein kleines baby, mit klebriger und tropfender pistazien- und kokosmasse an einem taschentuch klebte, dabei lamentierend durch die gassen der innenstadt zog und über eine gefrorene zunge klagte. es gibt schon einen guten grund dafür, warum ich eis eigentlich nicht mag und dieses auch eher selten bis nie zu mir nehme. ich weiß ihn wieder...

fortsetzung folgt

19:55 Veröffentlicht in Alltag , Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (15) | Per Email verschicken

Kommentarstatus

Was hier aus völlig unerfindlichen Gründen keine Erwähnung fand, ist die Tatsache, daß der Werteste meine Wohnung von einem bösen Fluch befreite, indem er die jahrelang dort spukenden und völlig verstaubten Altglasbestände (und der Altglasfluch war nicht eben klein, wie ich geneigten Hauptes eingestehen muß) verbannte. Eine ausführliche Laudatio für diesen - noch dazu aus freien Stücken in meiner Abwesenheit durchgeführten - Exorzismus steht noch aus...

Veröffentlicht von: dieJulia | 20.06.2007

Eine der schöne dinge an imbissbuden ist doch, dass man inhaber und einrichtung nicht mitessen muss. Und was das pistazieneis betrifft, herr ad, wir sind begeistert, dass Sie sich an eine derartige delikatesse herangewagt haben. Beim nächsten mal nicht im laufen, da ist unsereiner auch völlig unfähig und wird nur unflätig, sondern brav das eis im sitzen löffeln, die leckeren kugeln im schelchen. Dann bleiben auch hose und jübchen sauber. Vielleicht.

Veröffentlicht von: The white lake night | 21.06.2007

julia: ich weiß nicht, ob das aus unerfindlichen gründen passierte, meine damaligen 240 leeren weinflaschen wären vielleicht erwähnbar gewesen, aber doch nicht die drei tüten... höchstens die aktion, mit dem öffnen der container, aber auch nicht wirklich, ich glaube, das wäre nur witzig, wenn das einer mit der versteckten kamera gefilmt hätte. oder so.

the knight: danke für den ratschlag, ich werde ihn beherzigen und das nächste mal sitzend das pistazieneis zu mir nehmen. mit einem löffel...

Veröffentlicht von: Ad | 21.06.2007

Zwohundertsiebzig. Das ist fürwahr kein Lercherlschaß (Lerchenfürzchen)!

Und das mit den "Bällchen"... ich will ja nix sagen, aber... siehst du, Baby, da war's schon wieder, das verniedlichende Süßspeisenanhängsel "-chen". Hierzulande heißt es schlicht "Kugel"... ;-)

Veröffentlicht von: dieJulia | 21.06.2007

da hammas, ihr seid sentimentalitätslose speisenberserker. kein "chen", ts...

;-)

Veröffentlicht von: Ad | 21.06.2007

harhar, ja, wir grobianischen schluchtenscheißer! ;)
schau, baby, es ist halt so - der österreicher ist einfach hart und schonungslos, zumindest was süßspeisen angeht. vom lautmalerischen her dürfte bei "topfengolatschen", "bunkel", "striezel" und "zwetschgenfleck" ja alles klar sein. das ist kein putziges "-chen", das nicht dick macht. das ist brachiale mehlspeisenattacke.

aber bei den fleischlichen genüssen, da wird der österreicher zärtlich. die frikadelle nennt er schmeichelnd fleischpflanzerl, das federvieh verspeist er als backhenderl, und kalbsnusserln gehören sowieso zur langen tradition der von der donaumonarchie so glücklich bedingten slow-food-philosophie der heimischen küche, so sie noch bekannt ist... :-)

Veröffentlicht von: dieJulia | 21.06.2007

In Begleitung einer netten, jungen Dame sollte es allerdings Möglichkeiten geben, die erfrorene Zunge wieder aufzutauen...

Das mit dem auf-die-Kreuzung-*stellen* muss ich mir merken.

Veröffentlicht von: pathologe | 22.06.2007

Was sind denn dann die Schweizer, wenn die Österreicher jetzt auch noch die "Schluchtenscheißer" für sich beanspruchen???

Oder ist das jetzt zu Off-Topic?

Nein, die Antwort ist nicht "Lölis"!

Veröffentlicht von: eigenart | 22.06.2007

Was, die Schweizer auch?
Also ich dachte bislang immer, das gilt nur für die "Ösis" (wobei mir "Schluchtenscheißer" immer noch lieber ist als "Ösi", um mich da einmal zu outen). ;)

Veröffentlicht von: dieJulia | 22.06.2007

"Ösi" ist schon deswegen schlecht, weil man es so leicht mit dem "Ossi" verwechselt... vor allem, wenn man diesen mit nem leichten Össi-Dötsch (ossidt. f. "Ossi-Touch") ausspricht.

Und ich weiß nicht warum, aber bei "Piefke" muss ich immer an Filme aus den 50ern denken... an Heinz Erhardt und so... jetzt (nach einer kurzen Google-Suche) weiß ich auch weshalb (!) Es ist dieser Film mit Harald Juhnke "Piefke, der Schrecken der Kompanie"... oh Mann!

Veröffentlicht von: eigenart | 22.06.2007

Voriges Wochenende war ich seit Jahren wieder mal per Rad in Laxenburg Eis essen, mit der ganzen Brut.

Die haben sadistische Becher, die haben so wenig Randhöhe, dass das Eis beim blossen Weichwerden durch das in den Becher sinken am Rand rundherum überquillt. Auch im Sitzen ist so ein patzfreies Eisessen kaum möglich.

...alle 5 Esser, von 7 bis 42, waren mehr oder weniger angetropft.

Vierteilen könnte man solche genialen Erfinder...

Veröffentlicht von: martini_ganz | 23.06.2007

julia/eigenart: diese debatte überlasse ich gänzlich euch, denn um ehrlich zu sein, kannte ich bis vor einem jahr die ausdrücke "ösi" und "schluchtenscheißer" noch garnicht... :-)

martini_ganz: danke. danke, daß sie mir die angst genommen haben, der einzige zu sein, der die technik des turboeisleckens nicht beherrscht... ;-)

Veröffentlicht von: Ad | 23.06.2007

Randbemerkung zum Eis: es ist ganz einfach, wenn man die tropfgefährdeten Passagen umrundend von unten kommend abträgt. In der Praxis funktioniert das jedenfalls ganz ausgezeichnet.

"Ossi", lieber Herr e!genart, ist sowieso so eine Sache. Das _klingt_ allein schon unangenehm. Genauso wie "Siggi". Ich konnte einmal ein Buch nicht weiterlesen, weil einer der Protagonisten darin "Siggi" hieß. Echt jetz.
"Piefke" (danke für den Schlenker zu Harald Juhnke - war das vielleicht ein Film über die Schlacht von Königgrätz?) ist in Ö. übrigens eher wenig gebräuchlich. Im Westen, wo alles vom Tourismus lebt, sind die Ressentiments oft ausgeprägter. Dafür sagen die Tiroler, so patriotisch sie auch sind, zum Beispiel "Sahne" zum Obers und merken gar nicht, daß sie sich da sprachlich total von denjenigen assimilieren ließen, die sie hinterrücks "Piefke" oder noch schlimmer "Preißn" nennen.
Äh ja. So ist das. Mitterers bitterböse "Piefke-Saga", falls Sie sie noch nicht kennen, kann ich in diesem Zusammenhang übrigens wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht von: dieJulia | 23.06.2007

>Randbemerkung zum Eis: es ist ganz einfach, wenn man die >tropfgefährdeten Passagen umrundend von unten kommend >abträgt. In der Praxis funktioniert das jedenfalls ganz >ausgezeichnet.

Wenn ihr 'mal in Wien seid, und es nicht zu heiss ist, treffen wir einander beim Eissalon in Laxenburg zum Feldversuch vor Ort!
Ich spendiere die verd****** Becher, denn die sind so nieder, dass das Eis rundherum herausquillt, nicht einfach von oben herunterrinnt.

So wie ein Capuccino mit zuviel Schalkobers obendrauf, dass den Kaffee aus der Tasse drückt beim Schmelzen ;).

Veröffentlicht von: martini_ganz | 26.06.2007

martini_ganz: abgemachte sache.

Veröffentlicht von: Ad | 27.06.2007

Senden Sie einen Kommentar