« Soundcheck für eine Öffentliche Lesung | HomePage | Übergabe des Wortes »
17.04.2007
Herbert - Vorher/Nachher
österreich gehört nicht zu bayern. es ist ist auch keine verlängerung des freistaates. das sei mal klar, nach mehreren tagen in der neuen wahlheimat und geschätzten 150 kilometern spazieren durch wien. das bier in dosen heißt "blech" und sieht verdammt originell aus, als ich fleischwurst an der theke ordere, versucht die verkaufsfrau mir eine frikadelle anzudrehen, denn fleischwurst gibt es nicht, bloß extrawurst. eine lokalität namens "franz" hat das zeug dazu mein stammlokal zu werden, die bedienung ist hyperfreundlich, die biere lecker und kalt, ein gewisser typ namens w. besitzt das potential dazu ein wirklich gerngesehener kumpane zu werden, eine gemeinsame fotosession, festgehalten von der liebsten (o-ton: "zeigt mir eure mittelfinger, bitte!"), hat durchaus das zeug dazu, kultstatus zu erlangen. vor einigen wochen hat es mich fasziniert, diesmal aufgesogen. wien rules.
auch das autofahren hat in österreich eine andere qualität. während in der stadt geheizt wird, wie bei uns auf dem ring, so vorrausschauend wird auf der autobahn gefahren, während bei uns permanent fake-staus entstehen, die eine gebürtige österreicherin durchaus stressen können, wobei man sich selbst wundert, sich in den letzten vielen jahren nicht darüber gewundert zu haben, fließt der verkehr dort einfach. stop and go, ganz germanisch, gänzlich überflüßig, dort nicht existent.
steinheim in hessen bei hanau ist bemerkenswert süß. ebenso so manch einwohner, wie der phil zum beispiel, den man statt im erdbau, in einer art penthouse im dachgeschoss vorfindet. großzügig, charmant, freundlich, zuvorkommend. danke an dieser stelle, für eine art von gastfreundschaft, die man eher selten, bis gar nicht erlebt.
die lesung ist eine sache für sich. die julia ist großartig und es hat nichts damit zu tun, daß sie meine freundin ist. hätte ich sie zum ersten mal im leben gesehen und gehört, würde ich es ebenfalls so empfinden. german psycho ist keine neuigkeit in meinem leben: cool, menschlich (ob man es glaubt, oder nicht), witzig, seine texte denkwürdig, nicht unbedingt der brüller für ein publikum, welches ihn nicht kennt. das war beabsichtigt. trotzdem wunderbar. phil seziert einen hering, sir parker witzelt aus seinem leben, das ist großartig. nessy und das turnschuhmädel erzählen trauriges und lustiges, pointiertes und wirres. alles gut. bloß ich...
...scheitere. das provisorium meiner zukünftiger zähne in meinem mund fühlt sich schrecklich an und läßt mich nicht wirklich sprechen können. mir bleibt die spucke weg, weil ich mir blöderweise einbilde, bier wäre flüßiger als wasser. ich zittere und weiß genau, die bekloppte abmachung, GP würde sich fein anziehen und meine wenigkeit in abgewrackten skaterklamotten auftauchen nur unsinnig dumm wäre. während andere versuchen es mir auszureden, weiß ich selbst gescheitert zu sein. mal sehen, vielleicht wird das bei einer weiteren lesung besser.
es folgt ein weiterer und denkwürdger tag. ein abschied voller hoffnung, eine nachdenkliche fahrt, ein schlechtes gewissen, ein vergessenes filofax, eine entfernte liebe, die eine solche nicht bleiben soll.
das wird sie auch nicht, weil ich eh die liebe fürs wichtigste halte. und der ganze rest? mir egal, früher, oder später zerfallen wir eh zu staub...
00:25 Veröffentlicht in Alltag, Blog, Debil, Gelesen, Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (18) | Per Email verschicken


Kommentarstatus
Ich weiß nicht, ob es gut ist, immer zu denken, andere sagten ausschließlich etwas Positives, um einen aufzumuntern.
Du warst aufgeregt, ich habe die falschen Texte gelesen. Ob einem die Hände zittern, während man stilistisch glänzende und pointierte Texte liest, ist das nicht irgendwie schon fast egal?
(Die Spaziergänger waren beim zweiten Mal, vor Publikum, übrigens noch besser, als beim ersten Mal)
Liebe Grüße von der Bergstraße
Veröffentlicht von: turnschuhromantikerin | 17.04.2007
Mit Verlaub, Herr Ad, hatten Ihre Anekdoten zum Waldspaziergang und Busfahren mit am meisten Anklang gefunden, wenn ich das ganz persönlich sagen darf. Da kann von keinem Versagen die Rede sein, sondern eher von einem durchaus gekonnten Ausgleichen der nachteilhaften Zahnarztsituation. Habe Ihnen sehr gern zugehört, besonders, wenn Sie ein wenig bei Ihren eigenen Geschichten mitlachen mussten - herzlich!
Veröffentlicht von: eloran | 17.04.2007
Das freut mich ja so richtig zu sehen, wenn die Leute gefallen an Österreich gefunden haben. Jaja, da gibt es schon einige Vorteile aufzuzählen, warum man hier wohnen sollte ;). Mit dem Wort "Fleischwurst" outet man sich hier aber sofort. Genauso mit dem Wort "Apfelsaftschorle" - sollte man eher "Apfelsaft g'spritzt" sagen...
Veröffentlicht von: brtn | 17.04.2007
16er Blech, Baby. Es heißt 16er Blech (Ottakringer Brauerei, 16. Bezirk, Dosenbier - einfach geil). Das mit der Fleischwurst fand ich übrigens echt schwerst genial ("A Fleischlaberl wolln'S?"/"Eine Frikadelle wollen Sie?")... und ich für meinen Teil hab mich ja mit meinem "Mineral" ordentlich blamiert. :-)
Aber das kriegen wir schon in den Griff - der W. und ich werden Sie so gut trainieren, daß Sie in ein paar Monaten die indigene Bevölkerung verstehen. ;)
Veröffentlicht von: dieJulia | 17.04.2007
... und was das "Scheitern" betrifft: da lachen doch die Hühner (und ich mit ihnen, mit Verlaub)... :-)
Veröffentlicht von: dieJulia | 17.04.2007
Hoffentlich dauert das mit dem "zu Staub zerfallen" noch eine Weile, denn ein weiteres Treffen zum leckeren kühlen Bier würde mich sehr freuen!
Veröffentlicht von: SirParker | 17.04.2007
herr ad [ich dachte ja immer an adrian^^], sie haben sich aber auch die großartigste und schönste stadt ausgesucht - zum auswandern.
zum scheitern: ich kann nichteinmal vor einer kleinen rotte krimineller elemente /studenten referieren ohne dreist zu stottern. und in der tat, sie haben auch die amüsantesten texte gelesen.
Veröffentlicht von: Die_Heldin | 17.04.2007
Es war bestimmt grossartig - und mir tut's immer noch leid dass ich nicht vorbeikommen konnte.
Veröffentlicht von: Michael | 17.04.2007
Der Spazieränger hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich glaube, man beäugt sich oftmals nur selbst so kritisch. Ich fand Deine Texte jedenfalls sehr unterhaltend.
Alles Gute für die Zähne!
Veröffentlicht von: Nessy | 17.04.2007
Danke für den netten Beitrag; was Ihre Lese betrifft, machen Sie sich keinen Kopp; denn Sie haben auch einen der anwesenden Zeitungsfuzzis wohl begeistert - mehr dazu heute spät am Abend, wenn ich einen weiteren Zeitungsartikel in Kopie bei mir reinstellen werde.
Darin ist vom "Serienspaziergänger" die Rede ... ;-)
Veröffentlicht von: Phil | 18.04.2007
Wer nur am eigenen Anspruch zu scheitern glaubt, ist zu beglückwünschen.
Viel schlimmer sind die Myriaden Mediokritäten ohne jeden Anspruch. Ich nenne sie Kunden.
Veröffentlicht von: Sacchetto | 18.04.2007
turnschuhromantikerin: stimmt! ist irgendwie egal. grüße zurück, in die bergstraße.
herr eloran, sie sind echt eine nummer für sich - geben sich nicht zu erkennen, quatschen buchstäbliches vor sich her, ich schleppe völlig sinnlos ihre CD quer durch europa, bevor ich sie jemand anderen schenke. danke für die blumen, aber das nächste mal geben sie ein bier aus. aber hallo! :-)
brtn: halb so wild, sprachen sind eh mein ding. geben sie mir sechs monate und ich werde für einen "ösi" gehalten... und was ist "brtn" überhaupt für ein name? :-)
16er blech, jawoll baby! indigenous peoples rules! ;-)
sir, ich glaube schon, es würde noch etwas dauern. zumindest hoffe ich das... :-)
heldin: siehe eloran - ein bier ist fällig, des versteckens wegen...
michael: es ist, wie es ist. wir holen das nach. alles gut.
nessy: danke! mehr fällt mir nicht ein... ;-)
phil: coole sache, irgendwie hat das schreiben doch wohl schon einen sinn, auch wenn journalisten einen ziemlich kranken geschmack zu haben scheinen... ;-)
sacchetto: wer sind sie denn? ein bruder im geiste? schreiben sie mehr, wer weiß, vielleicht werden sie dann auch verlinkt... ;-)
Veröffentlicht von: Ad | 19.04.2007
Hönnsemma! Ich war doch ehrlich. Ja, man hat es beim ersten Text gemerkt. Nein, es war nicht schlimm. Immerhin haben Sie - und das wurde ja nun mehrmals bestätigt - die Leute phantastisch unterhalten.
Bei der Auswahl der Geschichte "Trotz guter Laune kein Entkommen" habe ich wohl etwas daneben gegriffen. Obwohl - irgendwie ist es ja auch beabsichtigt, daß die Zuhörer sich fragen, was für ein Irrer da liest ,-)
Veröffentlicht von: German Psycho | 19.04.2007
Ihre Vorträge warren doch gut, Herr Ad. Und auch Ihre Zähne haben Sie behalten, also who cares?
Schade nur, dass wir so wenig Gelegenheit für ein Gespräch fanden, aber das lässt sich ja bestimmt irgendwann wiederholen. Wenn Sie sich an die Zähne gewöhnt haben.
(War ich wirklich der einzige Blogger, der sich zu erkennen gab?)
Veröffentlicht von: Pathologe | 19.04.2007
Verzeihung, hätte mich mit verändertem Pseudonym nochmals vorstellen müssen.
Den narcotisierten Blogauftritt hatte ich mangels Laune eingestellt. Nun ein neuer Versuch in neuen Schuhen.
Mit sedierten Grüßen
Veröffentlicht von: Sacchetto | 19.04.2007
psycho: im nachhinein betrachtet, war das schon alles ok, wie es war. beim nächsten mal werde ich mir bloß den whisky vorher und nicht erst nachher geben... ;-)
vielen dank, werter herr pathologe, ich finde es in der tat schade, daß wir kaum zeit miteinander verbrachten, doch wie sie sagen - das holt man nach. wäre ja gelacht... :-)
sacchetto: habe ich mir doch gedacht! ich finde es großartig, sie wieder dabei zu haben. ernsthaft!
Veröffentlicht von: Ad | 19.04.2007
Na, aber Sie, Herr Ad!
Ich schritt desöfteren ganz strammstehend durch die Scheune, kaisertreuer Glanz auf zwei Meter Körperlänge - das kann Ihnen eigentlich gar nicht entgangen sein! Und der Herr Phil hat es ja ebenso geschafft, meine Liebste und mich aufzuspüren, saßen wir doch todesmutig in der zweiten (oder dritten?) Reihe vorn.
Wie dem auch sei: Beim nächsten Treffen gibt's ein Bier, Herr Ad. Ein Jever Pils, dem friesischen Heimatland zur Ehr'!^^
Veröffentlicht von: eloran | 19.04.2007
Dass Österreich kein verlängerter Wurmfortsatz Bayerns (mehr) ist, stimmt natürlich. Das war aber historisch nicht immer so, erst seit dem Privilegium Minus. Tatsächlich waren unsere Vorfahren in grauer Vorzeit Bayern! Jo mei.
Veröffentlicht von: nömix | 22.04.2007
Senden Sie einen Kommentar