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30.03.2007
Die Definitionen des Begriffs "Kommunikation" hängen folglich von den unterschiedlichen Voraussetzungen ab, die dabei gemacht werden...
heute, 07:57h, es klingelt an der türe, was mich aus dem bett fallen läßt. ich weiß es genau, daß ich irgendwas vergessen haben muß, beschimpfe meinen wecker, der nicht geklingelt hat, im hinterkopf wohlwissend, diesen bloß nicht gehört zu haben. die gestern eingesetzten zähne, fühlen sich an, als ob ich ein pferd wäre, der künstliche geschmack nach der behandlung läßt mich immer noch glauben, ich hätte einen eimer klarlack getrunken. ich greife die ersten klamotten, die mir in die hände fallen, eine helle hose, das t-shirt einer band, keine socken, schwarze sneaker und poltere jegliche treppen herunter, immer einen halben schritt kurz davor, herunter zu fallen.
es handelt sich um herrn j., wie konnte ich das bloß verschlafen? man muß wissen, herr j. ist eine art "james bond" der branche, zumindest was sein auftreten betrifft. anfang fünfzig, schlank, gentleman vor dem herren, grundsätzlich im maßanzug, der so gut sitzt, als ob er persönlich die sitzform eines solchen erfunden hätte. geschäftsleiter einer firma mit mehreren hundert angestellten. sein perfekt kontrolliertes lächeln, läßt frauen gleich reihenweise umfallen, wenn er ein gebäude betritt. er ist immer überpünktlich, spontan erinnere ich mich, daß wir uns für "gegen neun" verabredet haben.
ich bitte ihn ins esszimmer, mache ihm einen kaffee und entschuldige mich für wenige minuten ins bad, wo ich erschrocken das exakte gegenteil des herrn j. entdecke. meine haare stehen zum himmel, jeweils in andere richtungen dessen. ich könnte glatt als der sänger von sex pistols durchgehen, wenn rotten nur dunkelhaarig gewesen wäre. ich bin unrasiert, was bei mir nicht wirklich vorteilhaft aussieht. es mag männer geben, denen ein drei tage bart steht, doch ich zähle definitiv nicht dazu. neben meiner nase wuchert ein pickel, der gestern noch nicht da war. das ausdrücken macht es nicht unbedingt ansehnlicher, die stelle ist rot und blutet. eine personifizierte katastrophe ad maximum.
kurz überlege ich herrn j. verschwinden zu lassen, damit er den heutigen empfang bei mir nicht in die welt hinaustragen kann. spontan schaue ich auf die badewanne, die relativ groß ist, im keller müßte sich auch eigentlich noch etwas säure finden lassen, verwerfe diesen gedanken allerdings, weil ich selbst zu gerne bade und mir die möglichkeit dazu, zu ungerne streitig machen lassen würde. außerdem weiß sein sekretariat eh genau, wo er sich gerade befindet und seinen lexus einfach verschwinden zu lassen, dürfte sich ebenfalls als leicht schwierig erweisen.
unser gespräch dauert eine knappe stunde, wir kennen uns seit jahren, plaudern gerne über uns bekannte firmen und erzählen uns hintergründiges, was wo und wie schief laufen würde. doch heute habe ich kein interesse daran, seine worte verlassen meine ohren schneller, als mein gehirn sie aufnehmen kann. er redet luftblasen, welche ich bloß durch ein abwesendes kopfnicken mit meiner nase platzen lasse. ich bin einfach nicht da.
als er weg ist, bleibe ich noch sehr lange in der küche sitzen, in eine plürre starrend, die sich kaffee schimpft, eine zigarette rauchend, die vermengt mit dem geschmack der zahnbehandlung irgendwie nach süßem hirntod schmeckt. trotz meiner typisch automatischen ansage "ich rufe sie an!", weiß ich in meinem inneren, daß ich herrn j. gerade zum letzten mal im leben gesehen habe. ein weiterführender gedanke, der fortgesetzt wird, weil es zu vieles in diesem leben gibt, was ich nicht mehr sehen will, oder erleben mag, wen ich nicht mehr treffen will, oder was ich mir nicht anhören möchte.
als der inhalt der tasse geleert ist, fliegt diese ungebremst gegen die wandfliesen. die waren teuer und sind von guter qualität, halten das problemlos aus. anschließend bewege ich meinen körper ins arbeitszimmer, nicht wirklich wissend, wozu. die viele und vorallem schlecht bezahlte arbeit, läßt mich beinahe brechen, italienisch vermengt sich mit spanisch und englisch, diverse telefone klingeln und lebende objekte, die ich nicht einmal kenne, fragen mich dinge, die ich unmöglich wissen kann. kommunikation ist ein sumpf aus hässlicher und stinkender suppe, die alles, bloß nicht kommunikativ ist. gerade dort, wo fragen beantwortet werden sollten, werden umso mehr gestellt. teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, vereinigen, wichtig machen, nicht verstehen, liegen lassen, vergessen.
wäre ich doch bloß nicht aus dem bett gefallen...
17:00 Veröffentlicht in Alltag , Debil , Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (6) | Per Email verschicken
Kommentarstatus
War's das "Stark!"-Häferl?
Veröffentlicht von: dieJulia | 31.03.2007
ähhh... bitte??
Veröffentlicht von: Ad | 31.03.2007
na die Tasse (Ö = Häferl), die an die Wand flog... :-)
Veröffentlicht von: dieJulia | 31.03.2007
ach - um gottes willen! die steht vor mir, gefüllt mit schwarztee. wo denken sie hin?
Veröffentlicht von: Ad | 31.03.2007
Lieblingsdefinition von Mayer: Kommunikation ist eine Verkettung glücklicher Zufälle.... :-)
Veröffentlicht von: Michael | 06.04.2007
michael: oder unglücklicher...
Veröffentlicht von: Ad | 06.04.2007

