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27.02.2007

Geschichten mit Biss (I)

heute, 09:57h. ich betrete eine zahnarztpraxis, oder wie ich sie eher nennen würde "die oral-chirurgische folterkammer des schreckens". ernsthaft, ich bin nicht wirklich ängstlicher natur, doch alleine das wörtchen "dental" läßt mich augenblicklich zu einem nervösen klumpen zitternder panik mutieren. jeder auch so kleine mentale eindruck geht mit mir durch, in meinem gehirn trommelt es, so laut, wie das stampede einer flüchtenden bisonhorde, meine augen zucken.

da hilft es auch nicht, daß sich die praxis in einem ehemaligen penthouse befindet und wahrlich stil- und geschmackvoll eingerichtet ist, nein, graf draculas schloss wäre mir lieber,
zwei löcher im hals durchaus in kauf nehmend, es erscheint mir zumindest harmloser als eine zange im mund.

beim bezahlen der praxisgebühr zittere ich wie ein alkoholiker morgens vor dem schnapsladen, alle freundlichkeit, die mir entgegen gebracht wird, nützt nichts, ich bin angstpatient, das muß wohl so sein. im behandlungsstuhl wartend, versteife ich, presse meine schwitzenden hände auf die oberschenkel, fühle mich wie ein dummie vor dem aufprall mit einer wand, hilflos den launen der natur ausgeliefert, bloß ein einziger gedanke hält mich von der flucht ab, magnetisiert mich förmlich, macht mich sogar ein wenig stolz, exakt und gerade jetzt diese prozedur über mich ergehen zu lassen. ein wirrer eintopf aus angst und entschlossenheit, aus mut und unsicherheit.

der arzt ist nett und freundlich, trotzdem bin ich der festen überzeugung, man müßte eine sadistische ader verinnerlichen, wenn man freiwillig zahnmediziner wird. die betäubung wirkt, macht mich sogar benommen, zumindest bilde ich mir das ein, während ich die lustig blinkende deckenlampe betrachte, die ihren rhytmus aus einem nelly furtado song nimmt, welchen ich ganz leise im hintergrund zu hören glaube. cirka zwanzig minuten knirschen, knacken und blutspucken später, ist die tortur dann endlich beendet, fünf zähne an einem tag, irgendwie bin ich stolz auf meine eiskalte zielstrebigkeit. naja, oder zumindest darauf, das ganze überlebt zu haben...

anschließend versuche ich unwissend sabbernd, durch ein beteubtes gesicht, welches sich anfühlt als würde es garnicht zu meinem kopf dazugehören, mit dem arzt eine unterhaltung zu führen:
er: das hat doch prima geklappt, sie waren sehr tapfer!
ich: dfankä!
er: noch vier termine und wir sind fertig.
ich: oh gropf, grfp, ott!
er: wann mußten sie nochmal fliegen?
ich: nähsstn smittwoch.
er: dann machen wir besser noch vorher einen termin am montag, damit sie am dienstag genesen können und sie auch keine probleme mit dem druck im flugzeug haben.
ich: nuh ei tagf?
er: ja, nur ein tag. das reicht!
manche ärzte leiden an so einem merkwürdigen verharmlosungssyndrom, ich stehe blutend mit einem gefühlten ground zero in der fresse vor ihm und der kommt mir mit einem "nur". das ist als ob ein mechaniker sagen würde das ist NUR ein totalschaden.

daheim mache ich mir sorgen darüber, was passieren wird, wenn die beteubung nachläßt, was auch ziemlich lange auf sich warten läßt. horrorszenarien schiessen durch meinen kopf, über unvollsterbare schmerzen, fieber, selbstmitleid, ambulanz, munchs "schrei" wird zu meinem spiegelbild. allerdings passiert irgendwie nichts. bloß ein leicht blödes gefühl, wenn die zunge diese stelle berührt, doch keine schmerzen, ich ärgere mich beinahe diese turbo-tablette, die mir mitgegeben wurde, nicht ausprobieren zu können. die kommt sicherlich gut, dazu ein bierchen durch einen strohhalm und schon kann die bunte reise beginnen. zahnlos durch die galaxis. oder so.

fortsetzung folgt

Kommentarstatus

4*5 Zähne?
Da bleibt nicht mehr viel über!
Was haben sie denn alle, die Zähne?
Oder waren Sie die letzten zähn (SCNR) Jahre nicht beim Zahnarzt?

Veröffentlicht von: martini_ganz | 27.02.2007

naa, ich war vergangenes jahr noch beim zahnarzt und weiß auch seit dem, daß diese aktion auf mich zukommt. wie soll ich sagen, es gibt nunmal menschen, die von natur aus zähne haben, mit denen sie eine tischplatte durchbeissen könnten und es gibt halt solche mit schwächerem und anfälligerem kauwerkzeug. keiner weiß die genaue ursache, das war bei meinem vater und großvater auch schon so.

p.s. werden sie arg schockiert sein, wenn ich ihnen sage, daß es nicht nur bei den 5 bleiben wird? :-)

Veröffentlicht von: Ad | 27.02.2007

4 mal 5 ergibt zwanzig. Zwanzig Zähne weniger bei einer maximalen Anzahl von 32? Also 12 Restzähne?

Mein Beileid.

Aber Krautsuppe geht damit noch.
;-)

Veröffentlicht von: pathologe | 28.02.2007

Diese scheiß Zähne sind sowieso der schlimmste Fehler der Evolution. Warum hat man die nicht so anlegen können, daß sie auch haltbar sind? Wenn Knochen, Herzen, Lungen und Lebern solche Fehlkonstruktionen wären... der Mensch würde im Durchschnitt keine 20 werden.

Ich leide jedenfalls mit jeder Faser mit. (Und gehe meine Suppenrezepte durch...)

Veröffentlicht von: dieJulia | 28.02.2007

Wow, das geht ja richtig rund. Ich glaube ja, dass Mediziner im Allgemeinen recht ausgeprägte Optimisten sind. Sprüche wie "Das piekt nur ein bisschen", "So schlimm wird es schon nicht werden" oder "ja, nur ein tag. das reicht!" lassen keinen anderen Schluss zu!

Ich drück Dir auf alle Fälle die Daumen, dass die ganze Geschichte schnellstmöglich und so schmerzfrei wie möglich ablaufen wird!

@dieJulia: Hiermit geht eine offizielle Order an Sie raus:

Der Ad braucht:
- Suppe
- eingeweichte Cornflakes
- Suppe
- Pudding (Schoko ist klasse! :) )
- Suppe und
- Suppe!
... damit die aktive Teilnahme am 14.04. gesichert ist.

@Ad: Lass mich nicht hängen, Junge!!! ;)

*Gute Besserung!*

Veröffentlicht von: SirParker | 28.02.2007

Biersuppe erfüllt sogar zwei Vorlieben, Frau Julia. Notfalls auch mit Cornflakes drin.

Veröffentlicht von: pathologe | 28.02.2007

pathologe: naa, 20 sind es nicht, etwas weniger... :-P
und, biersuppe mit cornflakes? mann! da würde ich lieber alte socken kauen...

julia, baby, wir brauchen rezepte nicht durchgehen, wir erfinden einfach neue. zur not wird alles für mich extra pyriert. bei einem steak mit kräuterbutter und baguette dürfte das interessant werden... ;-)

sir: danke für die besserungswünsche und - nein, ich lasse sie schon nicht hängen.

Veröffentlicht von: Ad | 28.02.2007

Frisör ist doch viel schlimmer !

Veröffentlicht von: Opa Kuchenzahn | 28.02.2007

opa, frisör viel schlimmer? hattest du vielleicht skalpieren geordert? ;-)

Veröffentlicht von: Ad | 28.02.2007

Na dann Kopf hoch werter Herr Ad, Ihre Beiträge werden also die nächste Zeit weniger bissig sein ... ;-)

Veröffentlicht von: Phil | 28.02.2007

ja, wohl eher feucht-schmatzig... ;-)

Veröffentlicht von: Ad | 28.02.2007

nachtrag an martini_ganz/pathologe: jetzt verstehe ich erst, wie man auf 20 kommt. seit wann schreibt man bitte 4*5? das heißt 4x5! ich habe das als 4-5 verstanden. verstehen sie?

so.

Veröffentlicht von: Ad | 28.02.2007

>seit wann schreibt man bitte 4*5?
Seit Excel, ich gestehe.
Mit 4x5 sagt das nur 'Hä??'.

Veröffentlicht von: martini_ganz | 28.02.2007

5 Zähne gezogen oder abgefräst? Bei meiner Kronengeschichte waren es mal 5 Abfräsungen. Mit dem Anpassen der Plastikattrappen und allem hat die Geschichte damals glatte 5 Stunden gedauert.
Das wirkt heute noch.

Veröffentlicht von: Stockfisch | 01.03.2007

stockfisch: gezogen, aber richtig. ;-)

Veröffentlicht von: Ad | 01.03.2007

Ohh verflucht. Das tut nicht nur weh sondern wird auch noch richtig teuer.

Veröffentlicht von: Stockfisch | 01.03.2007

Weit davon entfernt, ein Dentalheld zu sein, empfehle ich Ihnen für weitere Sitzungen eine Methode, die ich vor einigen Jahren begonnen habe zu entwickeln. Ich stelle mir vor, eine Art avantgardistische Oper zu besuchen, keinen Zahnarzt. In dieser Oper gibt es nicht nur fräsende, brummende, mahlende und was auch immer für Klänge, nein, der Zuschauer wird sozusagen mit allen Sinnen eingebunden, im Zentrum der Bühen steht er, ausgeleuchtet von grellen Scheinwerfern. Schafft man es, das Ganze rein ästhetisch zu betrachten, wandelt sich die Furcht vor dem, was als Nächstes kommen mag, bald in äußerste Gespanntheit, welche Finessen die Macher des Spektakels sich noch einfallen lassen haben. Gut, es erfordert ein gewisses Abstraktionsvermögen und die Fähigkeit zur Selbstsuggestion, aber mit ein wenig Übung wird diese Symbiose aus Klängen und Schmerzen zum spritzigen Vergnügen.

Veröffentlicht von: poodle | 02.03.2007

werter herr poodle, ich muß zugeben, ihre methode ist ernsthaft merkwürdig, aber das bin ich ja von ihnen gewohnt. ;-)

nur eine frage hätte ich - warum oper? würde sich da die vorstellung eines heavy metal konzertes nicht eher anbieten?

Veröffentlicht von: Ad | 02.03.2007

Tut mir sehr leid, aber meine Leidenschaft gilt nun mal der ernsten Musik. Im Übrigen ist die Heavy-Metal-Branche zur Avantgarde ja vollkommen unfähig, die schmort doch seit jeher nur im eigenen Saft und reproduziert sich selbst.

Veröffentlicht von: poodle | 03.03.2007

stimmt. heavy metal ist wie ein künstlich am leben erhaltener komapatient. eigentlich wäre es besser, er würde sterben, doch er weiß das nicht und ist zudem totalitär apathisch. wie wäre es mit blues?

da gehen sie dahin
die zähne
da gehen sie dahin
die zähne
oh baby

;-)

Veröffentlicht von: Ad | 04.03.2007

Als Sountrack für dentale Erlebnisse eignet sich meiner Ansicht nach Tarantula A.D. ganz gut. Da vereinen sich durchgeknallte Streichinstrumente und kreischende Stromgitarren ganz ohne bombastischen Kitsch.

Oder Kimmu Pohjonen, der diabolisch-düstere Experimental-Akkordeonist, wenn er auf weite Teile von King Crimson trifft.

... Ihr Blues hat es aber auch in sich. ;)

Veröffentlicht von: dieJulia | 04.03.2007

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