« Gegenbewegung... | HomePage | Geschichten mit Biss (I) »

26.02.2007

The Desert

Every man, woman,
and child alive
should see the desert
one time before they die.

Nothing at all
for miles around,
nothing but sand and rocks
and cactus and blue sky.

Not a soul in sight.

No sirens, no car alarms,
nobody honking at you,
no madman cursing
or pissing on the streets.

You find the silence
out there.

You find the peace.

You can find God.

medium_shoe.jpg


p.s. nur so. zitat aus "25th hour". und was mir noch einfällt: sind wir jetzt oscar?

Kommentarstatus

Januar 1999, irgendwo in der libyschen Sahara.
Wir waren zu zehnt, hatten von A-Z eine Wüstentour auf die Beine gestellt, 6 Wochen, 5000 Kilometer durch Libyen. Ganz zu Beginn der Reise, in der Hamadat, einer Stein- und Geröllwüste, verletzte sich einer der Mitfahrenden bei einem Sturz mit dem Motorrad so schwer, daß der Fahrer des angemieteten Lkw, der zweite "Reiseleiter" und die Frau des Verunglückten mehrere hundert Kilometer in die nächste Stadt mit Krankenhaus fahren mußten (damals wurde ganz kurz das Embargo aufgehoben, um ihn nach Österreich auszufliegen - er hatte sich die Lendenwirbelsäule gebrochen); eine Tour von zweieinhalb Tagen. Der Rest von uns verblieb mit einem Gutteil der Ausrüstung, Wasser und Verpflegung mitten im absoluten Nirgendwo, hunderte Kilometer von jeglicher Zivilisation entfernt. Diese beiden Tage und Nächte, die haben mich mehr über mein Leben gelehrt als alles zuvor.

Es war kein eigentlicher Gefahrenmoment, weil wir fünf Motorräder und genug Treibstoff hatten, um im Notfall (sollten Fahrer und Reiseleiter nicht spätestens vier Tage später zurück sein, lautete die Abmachung - Satellitentelefon hatten wir keins mit damals) besiedeltes Gebiet erreichen zu können, außerdem ein GPS (ein martialisches Kästchen) und Kartenmaterial. Aber diese zwei Tage in der absoluten Einöde, wo nur der Wind über den toten Boden kratzt und man in alle Richtungen dasselbe Bild sieht und es nicht wagen sollte, weiter zu gehen als bis zu dem Punkt, wo man die Zelte noch als kleinen Stecknadelkopf wahrnehmen kann; die beiden Nächte in der Stille einer schalldichten Kabine und unter einem Sternenhimmel, den man jemandem, der ihn noch nicht gesehen hat, unmöglich beschreiben kann, die hatten etwas unglaublich Lehrreiches. Einerseits die Erkenntnis, daß es nur einen Wischer der Natur braucht, und du kleines menschliches Nichts bist weg, andererseits das Gefühl, reduziert zu werden auf meine einfachsten Bedürfnisse und daraus resultierend eine unbändige Lebenslust, das Bewußtsein, daß mein Leben einzigartig, kostbar und unwiederbringlich ist, und daß man jeden einzelnen Tag wertschätzen muß. Es hält bis heute an.

Man sagt, daß die Wüste polarisiert. Die einen fürchten diese lebensfeindliche Umgebung so sehr, daß sie nie wieder auch nur in die Nähe wollen, die anderen zieht es immer wieder hin. Ich gehöre zur zweiten Gruppe.

Abgesehen davon, daß die Sahara einfach atemberaubend schön ist, hat mir diese Reise (und ich bin beileibe keine Selbstfindungsesoterikerin) gezeigt, worauf es ankommt. Nie hat Wasser so gut geschmeckt. Nie war Wasser überhaupt so kostbar. Nie hat Brot so gut geschmeckt. Nie wieder war der Anblick von Grün eine solche Augenweide. Jede Minute war Staunen. Manchmal mache ich mir das immer noch bewußt, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich mich über Nebensächlichkeiten aufrege. Ja, es stimmt. Die Wüste ist eine großartige Lehrmeisterin - und irgendwann einmal dort gewesen zu sein ist irgendwie sehr heilsam.

[So. Und jetzt hab ich mit meiner enthusiastischen Laberei den vermutlich längsten Kommentar meines Lebens geschrieben. Ich muß mich anhören wie eine Erleuchtungstussi... aber es ist einfach wirklich unglaublich beeindruckend, noch immer, und ich konnte nicht anders. Verzeihung. :-) Und danke für die Erinnerung.]

Veröffentlicht von: dieJulia | 26.02.2007

"erleuchtungstussi"?! sie quatschkopf! gerade sie sollten es am besten wissen, daß sie überhaupt der einzige antrieb für mich waren, an eine wüste denken zu müßen. ich habe diesen kommentar quasi aus ihnen rausgekitzelt... :-)

danke!

Veröffentlicht von: Ad | 26.02.2007

Die Wüste hat was, wirklich. Auch, wenn man sie nur mal am Rand angekratzt hat. Sudan 2005.

Veröffentlicht von: pathologe | 27.02.2007

Senden Sie einen Kommentar