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18.02.2007

Karnevaleske Strukturen des Mas(sa)k(r)ierens

der fernseher bleibt ausgeschaltet, nachrichten interessieren mich heute nicht, selbst die geschriebenen nicht, die dicke wochenendausgabe dieser großpackung schwarzer buchstaben liegt unten im flur, unweit der kiste für altpapier. wie ich es aus dem fenster vernehmen kann, dreht sich die welt noch, das reicht mir heute als aktualität meines wissens. kein atompilz am horizont, keine apokalyptischen reiter am himmel, bloß karnevalistische zombies auf der straße, gegen die ich jedoch immun bin. das rezept ist einfach, fenster zu, vorhäge zuziehen, das panasonic-baby aufdrehen, die datenbank krachen lassen, möglichst mit ordentlich mehr dezibel, als es die dümmlich bemalten und verkleideten besoffenen draußen, je für möglich halten würden, trotz der lauten krawalle, die sie zwecks kopfschmerzen und möglicher sexuell übertragbarer erkrankungen am folgetag, aus für mich unerfindlichen gründen, jedes jahr aufs neue veranstalten. karneval ist in meinen augen so überflüssig, wie die obduktion einer eintagsfliege.

als erstes bringt mich "ceylon" von madita so richtig in stimmung, ein kleines und sehr feines stück groove, das mich rhytmisch mit dem kopf wackeln läßt und mich irgendwie heftigst anmacht, gefolgt von res und ihrem "they say vision". ich weiß, zweitere blieb ohne erwähnenswerte erfolge, doch irgendwie macht mich dieses stück ebenfalls an, selbst nach einigen jahren noch. danach muß ein wenig gesungen werden und das kann ich meist am besten bei ruhigeren stücken, wie beispielsweise dem großartigen "black lodge" von anthrax, oder "the down town" von days of the new. gut, ich gebe zu, "disarm" von den smashing pumpkins fehlt zudem eher selten während meiner kleinen privat-sessions.

später, während sich draußen die kehlen immer mehr mit billigem ekelfusel aus kleinen fläschchen füllen, erhöht sich hier höchstens die lautstärke. "here comes the pain" von den farmerboys, "break the circle" von corrosion of conformity, "hostile" von pantera bringen mein blut in wallung, gänzlich in schwarz bilde ich mir beinahe ein, henker zu sei. der coolste henker.

als der karnevalszug an meinen fenstern schließlich vorbeizieht, wird es musikalisch derbe, sowohl draußen, wie auch drinnen. dort, wo die bunten irren ihre mangelnde intelligenz unter beweis stellen, indem sie sich den kopf mit abfallprodukten der getränkeindustrie wegschiessen, sich dabei mit bonbons bewerfen lassen und sich auch noch darüber freuen, wird geschunkelt zu diversen ausgelatschten und stinkenden abfällen der musikindustrie. drinnen dann passend als kontrast der auftakt mit "beat the bastards" von the exploited, gefolgt von "chop suey" von system of the down und schließlich dem kongenialen "out of hand" von entombed, welches mich spontan dazu animiert aufs dach zu klettern und die menge mit heißem öl zu begiessen. rheinland fuck!


und was soll dieser eintrag? eine hübsche wunschvorstellung, denn so geil mein panasonic-baby auch sein mag, übertönen kann man den degenerierten haufen von brüllaffen ja doch nicht. was bleibt? wegziehen. und sonst? vielleicht eine einkaufsliste für einen cd-laden...

20:30 Veröffentlicht in Alltag , Debil , Gehört , Kopflastig , Träume | Permalink | Kommentarstatus (7) | Per Email verschicken

Kommentarstatus

"karneval ist in meinen augen so überfüßig, wie die obduktion einer eintagsfliege."

Manchmal bin ich so stolz auf meinen Freund und seine Metaphern, daß ich glatt aus der Haut fahren könnte. :-)

Veröffentlicht von: dieJulia | 19.02.2007

Wenn er jetzt noch das „ß“ durch ein „ss“ ersetzte, wäre der Satz wirklich perfekt ;-p

Ad: Was halten Sie eigentlich von Kopfhörern? Es gibt da ganz phantastische Modelle, bspw. von Bose - die können Sie sogar ohne Musik benutzen, einfach, um den gesamten Umgebungslärm auszublenden. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht von: German Psycho | 19.02.2007

Herr Psycho, jetzt seien Sie nicht gar so borniert - Tippfehler können einem guten Text genauso wenig anhaben wie ein Eichhörnchen einem Elefanten.

Veröffentlicht von: dieJulia | 19.02.2007

julia, baby, wo herr GP recht hat, hat er recht - sie wissen doch selbst wie oft ich mich vertippe, oder vertue und mich darüber ärgere. eh ein ding für sich, daß ausgerechnet ich - der buchstäbliche müllhaufen - mit einer lektorin zusammen ist. :-)

p.s. ich habs mal korrigiert, war mir eh gestern abend schon aufgefallen, bloß ich konnte ja nicht online...

GP: ich halte viel von kopfhörern. ich halte auch viel von qualität, was solche dinge angeht, bloß kann ich mir diese augenblicklich nicht leisten, wie sie wissen und meine guten alten habe ich kaputt gemacht, als ich besoffen draufgetreten bin...

Veröffentlicht von: Ad | 19.02.2007

In Köln kenn ich einen schicken Bang&Olufsen-Laden, wo man sicher passendes Equipment bekommt! :)

Veröffentlicht von: SirParker | 19.02.2007

jetzt kommt der mir hier mit bang&olufsen, obwohl ich noch einen satz vorher gechrieben habe, daß ich mir das momentan nicht leisten kann. mensch, sir, unaufmerksam heute? was meinen sie, worauf ich getreten bin... :-)

Veröffentlicht von: Ad | 19.02.2007

Also wegen der Tippfehler: sollten Sie sich noch einmal als "buchstäblicher Müllhaufen" bezeichnen, setzt es was, Baby.

Und wissen Sie - ich hab das eh schon einmal erläutert: Natürlich sind fehlerfreie Texte schön. Aber in Blogs ist es sogar mir wurscht, ob jemand ein paar Böcke fabriziert. Wer läßt schon die Rechtschreibprüfung drüberlaufen, bevor er einen Eintrag online stellt? Nicht einmal ich. Und wenn wer schreiben kann, ist das bissl Fliegenschiß (Verzeihung) sowas von wurscht, dasses auf keine Kuhhaut geht. ;)

Ich habe gesprochen.
Hugh.

PS - Sie müssen unbedingt mal meinen Sennheiser (http://tinyurl.com/22yzju) ausprobieren... ;)

Veröffentlicht von: dieJulia | 19.02.2007

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