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08.02.2007

Wartezimmer-Romantik

heute, 08:57h, ich betrete die praxis eines spezialisten, meines beines wegen, habe um 09:00h einen termin. die unbeschreiblich hässliche und unfreundliche arzthelferin verweist mich ins wartezimmer, verdreht dabei meinen nachnamen so sehr, daß ich beinahe glaube eine neue identität angenommen zu haben. ich weiß, es ist nicht gerade ein allerweltsname, aber es sind bloß sechs buchstaben - falls man lesen kann und über ein halbwegs funktionierendes gehirn verfügt, sollte es meiner meinung nach kein problem sein, diesen auszusprechen oder vorzulesen. ist schon paradox, wenn beschränkte einen beruf ausüben, in dem es darum geht schriftlich niedergelegte informationen zu verarbeiten, während sie nicht einmal aneinander gereihte buchstaben entziffern können...

wie ich erfahre, ist diese praxis neu. irgendwie glaube ich das auch, zudem muß der arzt ziemlich gut verdienen, ich befinde mich nämlich nicht in einem typischen wartezimmer, sondern in einem edlen penthouse. riesige glasflächen, keine stühle, sondern richtig bequeme ledersessel, ein brunnen in der mitte. würde mein fuß nicht so stark schmerzen, würde ich mich glatt wohlfühlen. naja, und wäre es nicht ein merkwürdiges gefühl, mit meinen 32,7 zwischen lauter alten und stöhnend gebrächlichen menschen zu sitzen...

trotz eines ausgemachten terminus für 09:00h, muß ich tatsächlich bis nach 11:30h warten. ich lese drei ganze ausgaben cosmopolitan, muß am ende die augen schließen und an meine liebste denken, aus angst spontan schwul zu werden. was es alles so gibt! mit diamanten versetzte hunde-klamotten, handys aus plüsch, kerzen in penisform. fehlt bloß noch ein kondom mit frikadellengeschmack. ich entdecke zudem einen artikel über das bloggen - wir sind alle web 2.0. irgendwie fühle ich mich zwar nicht so (und wie fühlt man sich dann überhaupt?), aber wenn die meinen. journalisten sind halt in vielen fällen sehr intelligente menschen, die sich zudem viel einbilden können. oft zu viel...

der arzt ist recht nett, findet allerdings nichts, erzählt etwas von "rheumatisch, vermutlich". prima, ich hätte mich gleich mit den alten und gebrächlichen menschen vorhin anfreunden sollen, um mit ihnen partys im altersheim feiern zu können, inklusive bingo. zombie karneval ad parkinson.

wieder am empfang spricht die hässliche hexe meinen namen erneut falsch aus und anders als noch vorhin, ich fühle mich tschechisch. kurzerhand nehme ich den kugelschreiber von der theke und steche diesen in ihr linkes auge. sie fällt japsend um und stottert etwas von "warum?".

ich werde sie im krankenhaus besuchen und ihr unterricht im lesen geben. ich hoffe bloß für sie, daß ihr rechtes auge konzentriert arbeitet...

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