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27.01.2007

Apokalypse - genau!

I have my fears.
But they do not have me.
(P. Gabriel)

Es geht nicht um Rache, sage ich nachdenklich und schaue auf meine Hände, dann wieder auf sie. Nein, um Rache ist es nie gegangen, bitte merk dir das. Rache ist in den allermeisten Fällen billig, oder bestenfalls was für Anfänger. Und ich bin keine Anfängerin. Ich lächle schmal, fasse sie am Kinn und drehe ihr Gesicht zu mir. Sie röchelt und starrt mich aus ihrem halbwegs gesund gebliebenen Auge an. Ich bringe mein Gesicht nah an ihres, eine Geste der Intimität, die nur eine weitere in unserem sehr intimen Kammerspiel hier darstellt, dessen letzter Akt somit begonnen hat, und streiche ihr beiläufig eine Haarsträhne aus der Stirn. Es geht mir darum, daß du das verstehst. Ist mir persönlich wichtig. Es geht mir um einen sauberen Abschluß der Geschichte. Um Nachhaltigkeit. Ich schäme mich ein wenig, weil ich mit letzterem Wort wirklich etwas zu tief in die Kiste der peinlichen Bullshitbingofloskeln gegriffen habe und beeile mich anzufügen: vielleicht hättest du dir einfach einen anderen Beruf suchen sollen.
Ihr Augenlid flattert, das Weiß ihres Augapfels droht hinüberzukippen, und ich gebe ihr rasch ein paar Ohrfeigen. Ich bin noch nicht fertig mit meinem kleinen Vortrag hier, bemerke ich mit fester Stimme. Ihr Blick ist verschleiert, klärt sich aber auf ein vernünftiges Maß. Ihr Atem geht flach. Wie oft du mich gewürgt hast, flüstere ich in ihr zierliches Ohr. Auf leisen Sohlen bist du gekommen, oft hinterhältig und feige, in der Nacht, mit tausend Gesichtern. Hast dich in meine Träume geschlichen und dich in meinen verkrampften Nacken gehockt, mich gebeutelt wie einen Welpen, mich erdrückt, mit langen Fingern in meiner Seele gewühlt und von ihr gegessen. Mich so plötzlich attackiert, daß mir das Herz beinah stehenblieb, mir Lebensfreude und Lebenslust abgezapft, bis ich nur mehr ein grauer Schatten war... Verstehst du, es geht nicht um Rache. Es geht um dein Ende. Du bist nichts als ein gottverdammter Irrtum. In ihrem intakten Auge kann ich einen kurzen Funken ausmachen, der schnell wieder erlöscht.

Du hast, Verzeihung: hattest zugegebenermaßen einen echten Scheißjob, Mädchen. Aber das ist jetzt ja bald vorbei. Ich lächle sie beinahe an, jedenfalls schaue ich heiter auf sie hinunter, oder das, was von ihr übrig ist, dann lege ich meine Hände um ihren Hals und drücke zu, würge sie wie sie einst mich, bis der letzte Rest Leben aus ihr gewichen ist.

Ich habe einen nicht unwesentlichen Sieg errungen, da bin ich mir ganz sicher. Jetzt, nachdem ich mit der Angst fertig bin, richte ich mich lauschend auf und strecke meine schmerzenden Glieder. Die Hölle ist ein weitläufiger, scheißkalter Ort, und ich muß sie alle finden. Den Haß, den Neid, die Mißgunst, die Selbstzweifel, die Eifersucht, das Mißtrauen. Es wird eine verdammt lange, verdammt anstrengende Nacht werden...

[dieJulia für kreativbetrunken]

00:50 Veröffentlicht in dieJulia | Permalink | Kommentarstatus (2) | Per Email verschicken

Kommentarstatus

naa, so lang wird die nacht auch wieder nicht - ich habe sie alle bereits für sie eingfangen, partnerin! :-)

danke!

Veröffentlicht von: Ad | 27.01.2007

Meine mentale Vorbelastung merke ich schon bei den Lesefehlern:
"...die nur eine weitere in unserem sehr intimen Kammerspiel hier darstellt, dessen letzte Axt somit begonnen hat..."

Ansonsten aber gut geschrieben. Viel Erfolg bei der Jagd!

Veröffentlicht von: pathologe | 29.01.2007

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