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23.12.2006
Das Fest der Menschwerdung Gottes und eine unvollendete Facere
heute, 07:07h. ich kann nicht schlafen, trotz eines stundenlangen telefonates mit j. bis tief in die nacht. ich empfinde missmut wegen weihnachten, dieses fest passt mir nicht in den kramm, zudem die tatsache meine eltern hier zu haben. ich möchte ruhe haben und zeit für mich selbst, die zukunft hat viele hürden parat, die es zu überwinden gilt, ich muß nachdenken, ich muß recherchieren, stattdessen habe ich nur tausende stresshäufchen aus unnötigen belanglosigkeiten unter den schuhen kleben. blödes festum aus praktiken einer verblendeten gemeinschaft. rudolph, das rentier, ist eine dumme schwuchtel...
beim gemeinsamen frühstück, streite ich mich cirka siebenmal mit meiner mutter. wegen lächerlichen banalitäten. diese frau kann mich in den wahnsinn treiben, sie spricht dinge aus, bevor sie über diese nachgedacht hat, zudem ist sie leicht paranoid und gleichzeitig sehr temperamentvoll. eine wahrlich schlechte mischung. beispiel gefälligst?
es klingelt an der türe:
mutter: das ist bestimmt die e.! (meine tante e., mit der sie sich vor ein paar jahren verkracht hat...)
ich: wie kommst du darauf, bei mir würde die e. auftauchen? ich habe sie seit jahren nicht gesehen...
mutter: doch, das ist sie bestimmt! die weiß womöglich, wir seien hier...
ich: ihr seid verkracht und redet seit jahren nicht miteinander! selbst wenn sie wüßte, ihr seid bei mir, warum zum teufel sollte sie dich denn sehen wollen? drehst du eigentlich am rad?!
sie schaut selbstverständlich beleidigt, mein vater beschäftigt sich seelenruhig weiterhin mit seinem frühstück, er hält sich grundsätzlich raus, aus unseren schwachsinnigen und unnötigen zwiegesprächen, sie führen zu nichts, sie kosten bloß überflüssig energie. an der türe ist es selbstverständlich nicht meine tante e., sondern der briefträger. würde es eine auszeichnung geben, für eine übertriebene neigung erlebtes zu verdrehen, wäre meine mutter die unangefochtene gewinnerin...
ich soll mit ihr einkaufen fahren. die letzten monate waren für meinen vater sehr stressig, er möchte diese kurze weihnachtszeit zum ausruhen nutzen, zudem bin ich derjenige mit dem kundenausweis vom großmarkt. ich bin darüber ziemlich "begeistert" - meine mutter und ich, beide über jeweils den anderen angesäuert, zu zweit einkaufen, am tag vor heiligabend. das ist als ob man zwei übelgelaunte serienmörder in einem schlachthof selbstständig arbeiten lassen würde...
13:00h, großmarkt. ich bilde mir ein, den allerletzten parkplatz erwischt zu haben. mit dem einkaufswagen verhält es sich tatsächlich so, es ist der allerletzte. meine mutter rennt wie immer vollkommen planlos durch die gegend. anstatt die gänge systematisch zu begutachten, rennt sie als erstes vollkommen geistig abwesend an das ende der riesigen halle, bloß um gleich wieder kehrt zu machen und um etwas vorne am eingang zu suchen, wo wir bereits gewesen sind. ich trapse wie ein blödmann gedankenverloren hinterher, habe längst die lust an verbaler kommunikation verloren. das wären perlen vor die säue geworfen...
fischabteilung. meine mutter gedenkt am heiligabend gefüllte dorade auf mangold zu machen, fragt nach meiner meinung, während ich am aquarium mit kanadischen hummern flüstere.
ich beschließe dieses "fest", ungeachtet anderer auf meine art zu feiern, mache die ansage "esst was ihr wollt, ich möchte hummer!", womit sie merkwürdigerweise sofort und ohne diskussion einverstanden ist. ich taufe die beiden spontan franzl und joachim...
das ist übrigens die feine seite des einkaufes mit muttern - sie zuckt die karte an der kasse, hat zudem nichts dagegen, wenn ich den einkaufswagen mit individuellen dingen vollstopfe, ganz im gegenteil, sie besteht darauf. so nehme ich ein geschenk für j. mit und beschenke mich selbst mit einer doppel-dvd.
"sin city"-recut um genau zu sein. irgendwie muß der stress, der mir zugemutet wird, auch irgendwie entlohnt werden...
jetzt, 21:25h. nach einem ganzen tag putzen und einer mini-pizza, sitze ich an diesem eintrag und kann rückblickend den tag bloß für nervtötend erklären. wissen sie, erst vor wenigen tagen wurde kreativbetrunken ein jahr alt und ich denke darüber nach, ein fazit zu ziehen. doch ich kann nicht. ich habe auf diesem seltsamen kommunikationsweg eine wundervolle frau kennengelernt, ebenso sehr interessante menschen, auf die ich nie mehr verzichten mag. doch ich werde ihnen trotzdem nichts wünschen. wissen sie warum? weil mir dieses fest nichts bedeutet und weil ich froh sein werde, wenn es vorbei ist.
ich danke meinen lesern trotzdem - etwas wünschen, werde ich ihnen im stressigen alltag. da hat man es eh nötiger...
21:45 Veröffentlicht in Alltag, Blog, Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (5) | Per Email verschicken


Kommentarstatus
Wissen Sie was, Herr Ad.. Baby....
Nehmen Sie es wie ein Mann. Stehen Sie gerade. Genießen Sie es ganz entspannt. Go with the flow... Wir müssen da alle durch. Es ist halt Weihnachten, die Mehrheit hat das so beschlossen, und auch wenn wir da nicht mitmachen wollen... das bißchen Tannengrün haben wir noch immer ausgehalten.
Grüßen Sie verrückterweise Ihre sehr geschätzten Erzeuger von mir.
Und die beiden Hummer außerdem auch, bevor Sie sie liebevoll zubereiten.
Lassen Sie es sich gutgehen die Tage. Wir hören uns... :-)
Veröffentlicht von: dieJulia | 24.12.2006
Sin City? Den könnte ich mir heute noch schnell vorm Besinnlichkeits-Kick-Off reinziehen ... ;-)
Veröffentlicht von: Phil | 24.12.2006
julia, baby, ich hasse das tannengrün... :-)
phil: sie sind der geilste! weihnachten wird für mich nie wieder weihnachten heißen, denn besinnllichkeits-kick-off bringt es VIEL besser auf den punkt!
und, was das schauen eines filmes angeht - ich habe eben beschlossen mir vor dem festmahl "seven" anzugucken... oder zumindest etwas mit serienmördern. ich glaube, es wird ein lustiger abend... ho... ho... ;-)
Veröffentlicht von: Ad | 24.12.2006
das ganze familiengetue ist schon belastend, mir steht heut noch ein mittagessen mit nichtssagenden floskeln bevor. treffen punkt zwölf in der kneipe. könnt ich gern drauf verzichten, hab noch kopfschmerzen von gestern abend... aber was tut man nicht alles für den (familien)frieden.
alles liebe von hier :-)
Veröffentlicht von: mone | 25.12.2006
danke, mone! ihnen ebenfalls alles gute. irgendwie werden wir alle das schon überstehen... irgendwie...
Veröffentlicht von: Ad | 25.12.2006
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