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29.11.2006

Kommunikation als Motiv

gestern, 17:30h. ich schreibe einen bestimmten gedanken in vielen sätzen auf, verschicke diesen noch gerade, als plötzlich meiner kommunikationsanlage die lampen ausgehen. telefon und datenleitung tot. im nirvana der verkabelung. kein stromausfall, es blinkt bloß, doch leider blinkt "online" nicht. als erstes stupse ich mit einem kugelschreiber das "reset" knöpfchen, die anlage sucht sich selbst neu, findet sich allerdings nicht. dumm, das. dabei kann ich sie doch sehen... als nächstes vom strom trennen. sie sucht erneut, findet erneut nichts. kurz fühle ich mich wie robinson, ohne freitag.

es bleibt die dritte und letzte möglichkeit, nämlich die störungszentrale anzurufen. per mobilfunk...

kreatur: (nach zwanzig minuten warteschleife...) blabla gmbh, was kann ich für sie tun?
ich: (sauer) hömma sie ma! mir ist schon wieder die anlage flöten gegangen, das ist mittlerweile normalität geworden! mindestens einmal pro woche passiert das! was ist bei euch los? das einzige was bei euch richtig funktioniert, ist das abbuchen von rechnungen!
kreatur: kundennummer?
ich: wie immer nicht zu hand, ich sag ihnen mal die adresse...
kreatur: ja, äh... herr ad, es liegt keine störung vor...
ich: hä? haben sie mich nicht verstanden? ich melde ihnen doch gerade eine!
kreatur: ja, aber da kann ich nichts machen...
ich: (völlig verduzt...) wollen sie mich eigentlich veräppeln? ich habe doch gerade die störungszentrale angerufen, oder nicht? soll ich jetzt per rauchzeichen kommunizieren? ich habe extra zu euch gewechselt, inklusive eines bösen kündigungsschreibens an den konzern mit dem magentenen buchstaben im logo und nun habe ich eine traumhafte datenleitung und eine telefonflatrate, die alle zwei tage nicht funktionieren! ich wollte kosten senken und nun gebe ich mehr geld fürs mobilfunk aus, als vorher, bloß um bei euch störungen anzumelden!
kreatur: ja, aber da kann ich trotzdem nichts machen. da muß ein techniker zu ihnen kommen. doch das geht erst morgen...
ich: (mittlerweile mit einer axt am schreibtisch kratzend) hier waren schon zwölf mal techniker!
kreatur: ich kann das hier nur so weiterleiten, jemand kommt morgen zwischen 10:00h und 12:00h...

mein ausgesprochenes "arschloch" wird er sicher noch verstanden haben, bevor ich aufgelegt habe...

den rest des tages werde ich sehr nachdenklich. man ist irgendwie völlig aufgeschmissen ohne diese dinge in der heutigen zeit. plötzlich fallen mir tausend geschichten ein, die ich gerne ins blog stellen würde, plötzlich möchte ich stundenlang telefonieren, plötzlich möchte ich hunderte e-mails verschicken. und handys finde ich blöd...

20:30h, es klingelt an der türe. es ist r., ein kumpel, fragt ob ich lust habe, unten ein bier zu trinken. "was bleibt mir sonst übrig?" denke ich leise und verlasse das haus. r.s geblabber zieht spurlos an mir vorrüber, wie der winter an einem schlafenden bären.
früher waren wir noch dicke kumpels, früher bevor man sich in gegensätzliche richtungen verändert hat. bevor r. ein wohnzimmerhocker in altmodischen hausschuhen und einem fläschchen bier in der hand wurde, der ziemlich jede serie aus der glotze auswendig kennt. bevor er ein schlappschwanz wurde...

sein gesicht ist hohl, ich kann durchgucken, er redet und ich höre nichts, starre nickend durch die gegend, trinke ein frisch gezapftes nach dem anderen, rauche viel zu viel, bis r. irgendwann fragt "was sagst du dazu?" und ich bloß grinsen muß, weil ich mir kurz seinen kopf, mit einem apfel im mund, im backofen vorstellen muß. dummerweise als er vom tod seiner geliebten großmutter gesprochen hat...

um 00:30h falle ich ins bett. unglücklich. sehnsüchtig. sauer. vorallem auf mich selbst, weil ich um 02:57h wieder aufstehen muß.

und jetzt nur abgekürzt zum abschluß, bevor ich wieder einen ersten teile schreibe und anschließend keine lust auf eine fortsetzung habe (deswegen werde ich auch nie ein buch schreiben können...). heute um 10:00h hat sich die anlage plötzlich selbst wieder in betrieb genommen, der techniker war selbstverständlich erst nach 12:00h hier, inklusive eines damenbärtigen lehrlings, installierte einen catv-amplifier, ist mir heftigst auf die nerven gegangen, doch hat eines erreicht - meine übertragungs- und empfangswerte liegen zum ersten mal im idealbereich.

dafür ließ ich ihn am leben...

Kommentarstatus

Ich kann ja noch immer nicht verstehen, wie man mit 2 bis 3 Stunden Schlaf pro Nacht überleben kann, aber wahrscheinlich macht das die Liebe ;-)

Die Vorstellung des Kopfes im Ofen samt Apfel im Mund fand' ich allerdings köstlich. Im übertragenen Sinne, versteht sich.

Veröffentlicht von: annschn | 29.11.2006

Heikles Thema ganz groß umgesetzt! Kenne das, wenn plötzlich mit dem grünen Lämpchen die Freude des Tages erstirbt. Und spätestens ab "Hömma sie ma" war's wieder großartig, und man freute sich, gelesen zu haben!

Veröffentlicht von: eloran | 29.11.2006

Als bekennender Langzeit-diejulia-Leser wurde ich zu ihnen gestubst, und habe mich gar köstlich insbesondere über den Amsterdam-Ausflug der Prä-Euro-Zeitrechnung amüsiert (und die Supermarkt Massaker sind auch eloquent ausformuliert, muss ich sagen).

Das mit den 3 Stunden Schlafpensum geht doch schon länger "als", oder? Und da kommt kein Zusammenbruch alle 2 Wochen mit 24 Stunden Schlafphasen ?

Veröffentlicht von: martini_ganz | 29.11.2006

Ich finde es immer erschreckend festzustellen, wie viele der ehemals super coolen typen zu nichtdenkenden wohnzimmermutanten genormt (wurden) sind.

Veröffentlicht von: Mone | 29.11.2006

annschn: das kann man auch nicht überleben. sie müßten mal meine augenringe sehen...

eloran: danke! hätte trotzdem großartiger werden können, wenn ich nicht so müde gewesen wäre, beim schreiben...

martini_ganz: oha! die a`dam geschichten sind schon lustig, gell? ;-)

mone: ja. und geizig ist er auch noch dazu...

Veröffentlicht von: Ad | 29.11.2006

"sein gesicht ist hohl" ach, Herr Ad. wenn Sie hassen sind Sie großartig.. ( bitte nicht den Umkehrschluß vermuten )

Veröffentlicht von: joppi | 30.11.2006

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