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23.11.2006

Gegenwart

es ist die merkwürdigste zeit meines lebens. draußen gewittert es, goldene blätter fliegen gegen das fenster, regen plätschert auf das dach, es ist aschgrau, so das ich licht im arbeitszimmer eingeschaltet habe, weil es mir zu dunkel wurde.

die menschen draußen tragen dicke jacken und regenschirme, die autos erzeugen feuchte geräusche beim vorbeifahren,
kaum jemand traut sich mit dem fahrrad zum bäcker.
mit verschlagenen armen rennen sie bloß hektisch zu ihren fahrzeugen, die tüten mit den kleinen runden frühstücksbroten unter der jacke schützend.

ich sitze in meinem chefsessel und starre aus dem fenster.
diese dunkle und trostlose kulisse habe ich bereits sehr oft beobachtet. sie machte mich grundsätzlich traurig.
der blätterfall fungierte grundsätzlich als eine depressive episode meines daseins. ein leises und kurzes sterben, bloß für einen moment.

doch diesmal ist etwas anders, denke ich und kaue eine weitere grüne mandel. meine augenblicklichen emotionen sind alles, bloß nicht von traurigkeit geplagt. vielmehr belustigt mich die wärme, die mich umgibt, obwohl die heizung bloß auf stuffe eins läuft.
ich erzeuge innerlich eine eigene thermodynamik, bloß durch das schlagen meines herzens. mein kopf erlebt eine durchblutung ad maximum.

eine mentale umwandlung ist geschehen und plötzlich weiß ich was ich will. ich bin zum ersten mal fähig, gedanken, emotionen und wahrnehmungen zu vereinen und diese gemeinsam zu erden. eine ankunft.

eine weitere grüne mandel bringt es auf den punkt.
ich besitze die fähigkeit dazu, nicht in der vergangenheit zu leben...

Kommentarstatus

die vergangenheit hat uns beeinflusst und geformt zu dem was wir heute sind, also wird sie auch immer teil unserer zukunft sein.

dies ist auch völlig o.k., so lange mensch nicht irgendwo in ihr (der vergangenheit) stecken bleibt.

sie gehören nicht dazu lieber Ad und das freut mich ganz besonders :)

Veröffentlicht von: Mone | 23.11.2006

Erst wenn man fähig ist, Vergangenheit und Gegenwart zu trennen, können sich alte Gewohnheiten und Perspektiven auflösen. Somit schafft die erfolgreiche Befreiung der Gegenwart von der Vergangenheit erst die Möglichkeit, neue Geschichten über die Vergangenheit zu erzählen.
Wenn man bedenkt, dass die meisten das nur mit Therapeut hinkriegen .. ;-)!

Veröffentlicht von: Frollein Müller-EL. | 23.11.2006

Das nennt man auch Katharsis, glaube ich...
http://de.wikipedia.org/wiki/Katharsis_%28Psychologie%29

Veröffentlicht von: dieJulia | 23.11.2006

ja klar katharsis und hastdunichtgesehen psychomaterial... doch ich meinte bloß, daß ich mit der vergangenheit abgeschlossen habe und verliebt bin... manche gedanken sind sehr einfach.

Veröffentlicht von: Ad | 23.11.2006

aua! tschuldigung!

Veröffentlicht von: dieJulia | 23.11.2006

wieso aua und entschuldigung? hey, bin bloß übermüdet und möchte meine gefühle nicht hinterfragen... :-)

Veröffentlicht von: Ad | 23.11.2006

Naaa, ich wollte doch um Himmels Willen nichts hinterfragen (das ist ja in diesen Belangen nun echt nicht mein Stil, wissen Sie?) - es ist nur so, daß mir ein Freund gerade eine Mail geschrieben hat, in dem der Wiki-Text von der Katharsis vorkam, und daß er sich die wünscht, und da hab ich doch vorher genau Ihre "Gegenwart" gelesen gehabt und irgendwo Parallelen gesehen. Auch grade hinsichtlich des unerwarteten Eintretens.

Scheiß Subtext immer! ;-)

Veröffentlicht von: dieJulia | 23.11.2006

was auch immer, ich habe sie gemeint, alles andere ist egal...

Veröffentlicht von: Ad | 23.11.2006

Ja, lieber Ad, du bist angekommen. Vielleicht bei der wichtigsten Erkenntnis überhaupt.

Veröffentlicht von: Opa | 24.11.2006

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