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19.09.2006

Von Müttern, Töchtern und Söhnen (III)

selbstverständlich ist es so, daß meine mutter nicht wegen des arztes angeflogen gekommen ist, sondern weil sie keine lust hatte alleine in bayern zu sitzen, bis mein vater zurück ist. selbstverständlich will m.s mutter die anwesentheit ihrer tochter genießen, wenn sie sich alleine fühlt. im grunde ist es ein kompliment an uns beide, da es davon zeugt, daß unsere eltern uns eben gern haben, nur ist in dem falle bei m. und mir der zeitpunkt falsch gewählt, für uns als paar und für m. als tochter. meine mutter weiß genau wie ich denke, unsere ständigen streitereien beziehen sich eh nur auf unwichtigkeiten und das ich ein wandelnder widerspruch bin, weiß sie ebenfalls, mindestens seit meiner kindheit. ich bin halt der typ, der hingeht und das teuerste und größte auto der vermietung nimmt und im anschluß mit erhobenem zeigefinger andere darüber belehrt, wie unsinnig es wäre, einen billigflieger von bayern ins rheinland zu nehmen, wegen eines simplen arztbesuches. verficktes argumentum ad hominem...

donnerstag, 09:15h. wir sind bereits in der innenstadt am ziel angelangt, welches selbstverständlich durch eine baustelle unbefahrbar gemacht wurde, überhaupt sieht die stadt wie löchriger käse aus, es wird eine neue u-bahn strecke gebaut.
ich lasse meine mutter raus, wir einigen uns auf mobile kommunikation und wende quer durch vier spuren, bleibe danach gegenüber in zweiter reihe stehen. viel auswahl bleibt mir nicht, an einen parkplatz ist kaum zu denken. eine zigarette rauchend beobachte ich abwechselnd passanten und rückspiegel, um im falle der bedrohung durch eine politesse rechtzeitig wegfahren zu können. langweilig ist das nicht, ich beobachte gerne menschen, vorallem die weiblichen, mitten im zentrum einer universitätsstadt. sie in klassifizierungen zu unterteilen würde eigene drei beiträge brauchen, ich finde es bloß erstaunlich, daß gerade die langweilig hässlichen ohne ausdruck im gesicht durch die gegend stolzieren, als wären sie supermodels, während die wirklich hübschen sich eben recht unauffällig und unspektakulär präsentieren. beschissene globale einbildung, vermengt mit brechsucht...

meine mutter ist erstaunlich schnell fertig beim arzt, ich warte nur 35 minuten auf sie. auf der rückfahrt passiert dann das ereigniss des tages. eine zweispurige straße, wir links, ganz vorne ein alter grüner kleinwagen, direkt vor uns ein neuer porsche 911 turbo, der so glänzt, als wenn er gerade erst vom band gelaufen wäre. plötzlich macht der grüne kleinwagen eine vollbremsung vor einer grünen ampel, der porsche geht in die bremsen, daß es qualmt, ich ebenfalls. ich bin sicher, wäre ich mit den unter unseren hintern befindlichen mehr als zwei tonnen bewegter masse dort hinten hineingerauscht, wäre vom porsche und grünem kleinwagen nichts übrig geblieben. der porschefahrer hupt wie bescheuert, ich einmal, hinter mir noch ca. fünf weitere fahrzeuge mehrfach. die person am steuer des grünen fahrzeuges scheint verwirrt zu sein und die rote ampel der linksabbieger mit unserer verwechselt zu haben.

als das grüne fahrzeug den fehler bemerkt und endlich wieder losfährt, schießt der porsche auf die rechte spur und ich hinterher. neben dem grünen angekommen, reduziert dieser die geschwindigkeit und gestikuliert wild mit seinem linken arm vom fenster aus, einige meter weiter folgt die nächste linksabbiegerspur, die das kleine grüne auto befährt, der porschefahrer reißt das steuer um und knallt absichtlich und ungebremst in die heckseite des grünen wagens. wir stehen direkt daneben, da die ampel auf rot steht, können unseren augen nicht trauen. aus dem porsche springt ein etwa 50 jähriger mann raus, der den pullover über den schultern hängen hat, gott wie ich das hasse. er wedelt wild mit den armen und redet auf die ältere frau ein, die soeben auch ihrem grünen kleinwagen entstiegen ist, gleichzeitig springt von der beifahrerseite des porsche eine blondine meines alters heraus, die einen so knappen mini trägt, daß ich beinahe ihre geschlechtsteile sehen kann und brüllt ebenfalls durch die gegend. wir starren wie blöde diese bizarre situation an, ich bin innerlich froh meine mutter bei mir zu haben, da sie mir diese geschichte sonst niemals geglaubt hätte. sie hält ganz leicht ihre hand an meinen unterarm und sagt "lasst uns bitte nicht darauf ein, hier als zeugen zu fungieren, das ist eine linke nummer", dem ich nur kopfnickend zustimmen kann.

als ob der besagte gedanken lesen könnte, schaut er sich in dem moment um und erblickt mich, steuert auf uns zu, irgendwas von "zeuge" quaselnd, exakt dann als die ampel auf grün schaltet, wobei ich noch wenige sekunden stehen bleibe, ihm meinen mittelfinger zeige und diesen langsam von unten nach oben mit ausgestreckter zunge ablecke, anschließend losfahre und ihn dabei noch kurz im rückspiegel beobachte, wie er verduzt auf der straße steht...

einige hundert meter herrscht schweigen im wagen, bis meine mutter schlussendlich einen lachkrampf bekommt und cirka zwei minuten dafür benötigt, um ein hektisches "du hast sie nicht alle" zu stottern. sage ich doch, wir verstehen uns...

ende

Kommentarstatus

Wußt ichs doch. Das Leben ist schön.

Veröffentlicht von: Opa | 20.09.2006

Was habe ich Glück, auf dem Dorf zu wohnen. Da gibt es so etwas nicht.

Der Porschefahrer kann von Glück sagen, dass diese Situation nicht in F. stattfand, die Fahrerin des grünen Kleinwagens hätte ihn möglicherweise ohne Vorwarnung per finalem Rettungsschuss erlegt.

Veröffentlicht von: pathologe | 22.09.2006

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