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17.09.2006
Von Müttern, Töchtern und Söhnen (II)
in der getränkeabteilung sieht es schon anders aus.
mutter: wie steht es um deine heißgeliebte bar?
ich: die ist ziemlich trocken, whisky ist alle, vodka ebenfalls, martini nur noch in resten vorhanden...
mutter: dann pack ein, nutze es aus!
tatsächlich tue ich das auch. dreisterweise schnappe ich mir gleich eine flasche 93er knappogue castle, für beinahe 50 euro, eine jameson und einen zehnjährigen bushmills, zwei flaschen absolut vodka, drei martini, einen billigen rum und zwei jägermeister, während meine mutter mit der brille auf der nasenspitze die eierliköre betrachtet. als sie mit einer flasche davon wiederkommt lacht sie, angesichts der vielen flaschen im wagen. situation perfekt gemeistert, sie besteht bloß darauf nur fünf abteilungen weiter für ihren likör speiseeis zu holen.
es ist 21:45h, als alles verteilt im haus seine ordnung hat, die rinderhüfte portioniert im gefrierschrank verweilt, alles gemüse und alle getränke von mir quer durch das ganze gemäuer verteilt wurden. ich bitte meine mom um etwas ruhe, schleppe mich nach oben ins arbeitszimmer, rauche eine zigarette, trinke einen whisky und rufe kurz m. an, die bloß flüsternd erwähnt, daß sie bis zum umfallen sauer wäre, aber gerade nicht sprechen könnte, weil sie mit ihrer mutter und derer bekannten essen sei. sie würde sich um mitternacht melden. als ich wieder unten bin, bechert meine mutter ihren eisbecher mit eierlikör leer und ich meinen whisky und wir verabschieden uns in die jeweiligen räumlichkeiten, sie zum schlafen, ich nach oben, um den anruf von m. abzuwarten.
als das telefon gegen 00:15h klingelt, bin ich bereits leicht bis mittelschwer angeschlagen, obwohl ich nur vier whisky und ein bier hatte. m. berichtet davon, daß ihre mutter keineswegs den verdacht auf eine schlimme krankheit hätte, sondern bloß einsam wäre, weil ihr mann zum ersten mal ohne sie urlaub machen würde, was allerdings nicht anders möglich war, da das segeln sein langjähriger traum ist, währen sie wasserscheu und seekrank ist. wir reden uns die münder fuselig, ich bin ebenfalls sauer, zum ersten, weil man jemanden nicht vormachen kann eine schlimme krankheit zu haben, bloß weil man gerade nicht alleine sein möchte und zum zweiten, weil wir beide die letzten monate auf so ziemlich alles verzichten, unserer ungewissen zukunft wegen und es uns dabei selbst ein kurzes verreisen entsagen, während m. nun genervt bei ihrer mutter fünf tage verweilt, während ich hier einen wichtigen teil meines lebens vermisse, gleichzeitig zeit totschlagend...
donnerstag, 07:00h. ich falle aus dem bett, dusche und begebe mich mit einer sonnenbrille zum bäcker. meine augenringe sind nicht vorzeigbar. mit der verkäuferin, die mich grinsend empfängt ging ich zur schule. sie kennt mich gut, ich frage mich kurz warum diese liebenswerte person an ein arschloch geraten mußte, welches sie zwillinghaft schwängerte um dann spurlos zu verschwinden, während sie jetzt diesen beschissen schlechtbezahlten job machen muß, der es ihr nicht einmal ermöglicht sich mal kurz einen babysitter zu leisten. ich nehme zwei vollkornbrötchen für meine mutter und ein schokocroisannt für mich, keine lust auf belag. am küchentisch sitzend, frage ich endlich meine mutter, was das denn für ein arzttermin wäre, für den man aus bayern angeflogen käme und verschlucke mich an meinem tomatensaft.
ich: ein fersensporn?!
mutter: ja, ich bin dort seit einem jahr in behandlung und der arzt ist der beste!
ich: (sehr hektisch auf meinem croisannt kauend) das ist doch dieser penner, bei dem ich auch in behandlung bin und der mir bislang kein bisschen geholfen hat! zudem bekommt man bei dem termine und sitzt trotzdem zwei stunden im wartezimmer. wenn man pech hat steht man sogar, weil dort nur acht stühle stehen! ist beinahe ironisch, mit schmerzen in den beinen, bei einem orthopäden wartend stehen zu müßen! und du kommst wegen dieses penners aus bayern angeflogen? sage mir bitte, daß das ein witz ist!
mutter: (leicht irritiert) du kannst den mann doch nicht als penner bezeichnen...
ich: und du kannst mir nicht erzählen, daß es in überhaupt irgendeiner form sinn macht, wegen einem fersensporn mit dem flugzeug zu irgendeinem arzt zu fliegen! in bayern gibt es auch ärzte, womöglich ist jeder einzelne von denen besser, als dieser eingebildete sack mit dem mini-wartezimmer! oder warst du ebenfalls einsam, wie m.s mutter und wolltest mal eben nur mal unterhaltung erleben?
mutter: wie ebenfalls? was ist mit frau k.?
ich: eben nichts, die hatte bloß keine lust alleine rumzuhängen, m. und ich sind stinksauer, wir finden kaum zeit für uns selbst und nun nimmt sie sich notfallurlaub wegen nichts...
darufhin schweigt sie.
fortsetzung folgt...
21:00 Veröffentlicht in Alltag, Kopflastig | Permalink | Kommentarstatus (1) | Per Email verschicken


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Es ist jemanden in der Familie zu haben, der einem in besonderen Situationen unter die Arme greift.
Und: Besser eine Hilfe als fünfzig Ratschläge ;-)
Veröffentlicht von: Phil | 18.09.2006
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