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06.09.2006

Mykologie 1.0

gestern morgen, 06:00h. trotz der tatsache erst um 02:00h ins bett gefallen zu sein, erwache ich, aufgrund der krampfartigen schmerzen im rechten bein, schleppe mich ins bad und stelle fest, mein aussehen höchstens als unterirdisch bezeichnen zu können, alles andere wäre sonst gelogen. nach einer kalten dusche sitze ich in der küche und lese humbug in der tageszeitung, während meine gedanken eher um den grünen tee kreisen, der mir nicht schmecken mag. womöglich projeziere ich aber die negativen gedanken aus meinem hinterstübchen in das flaue getränk, denn es ist eher der augenblickliche lebensabschitt, der mir nicht wirklich mundet...

ich versuche krampfhaft eine beschäftigung zu finden, das haus habe ich bereits am samstag auf hochglanz gebracht, zum aufräumen gibt es nichts, ebensowenig zum einkaufen. rumsitzen und über die eigenen schmerzen klagen ist nicht mein ding, ich fühle mich wie eine alte und vertrocknete jungfrau, die spontan mit dem wort "ficken" konfrontiert wurde. entsetzt enttäuscht...

gegen 10:00h und nachdem ich alles im haus durchgelesen habe, was nach zeitung und buchstaben aussieht und dadurch sogar im bilde über die fünfte kleingärtnerausstellung in irgendeinem kaff bin, entscheide ich mich dazu gegen meinen eigenen körper zu arbeiten. seit drei wochen habe ich kein lauftraining mehr betrieben, was ich laut arzt nicht darf, nur vom wandern hat keiner was gesagt, zudem sind die sündhaft teuren rahmengenähnten meindl stiefel immer noch nicht eingelaufen, stehen stattdessen bewegungslos auf dem dachboden...

von einer idee bis zur verwirklichung braucht es bei mir nicht lange, so stehe ich keine 20 minuten später voll waldkampftauglich am wagen. die besagten meindl treter, die sich so anfühlen, wie sie aussehen, ich bin sicher, wenn ich jemandem damit in die eier treten würde, er würde nicht mehr aufstehen, womöglich würden dieser person die unteren körperorgane bis in den hals rutschen. dazu eine schwarze jack wolfskin hose mit den vielen taschen, in die ich taschentücher und energiezuckerlutschbonbons packte, ein knappes t-shirt, da es übelst schwül ist und ich bereits beim anziehen schwitzen mußte und ein rucksack mit wasser und diversen tüten, da ich vorhabe nach pilzen ausschau zu halten. nicht zu vergessen, mein swiss tool multifunktionswerkzeug, wobei ich, ohne hier werbung betreiben zu wollen, loswerden muß, daß das ding gold wert ist. und kommen sie mir nicht mit leatherman, diesen schrott habe ich mal innerhalb von einem halben jahr verschlissen, ohne es großartig beansprucht zu haben. gut, das swiss tool ist erheblich teurer, der werte leser wird aber hier längst bemerkt haben, daß ich eher auf qualität setze, als auf schnäppchenpreise. ich erinnere mich an einmal, als ich in einer blitzaktion eine wohnung zur übergabe spontan hübsch-renovieren mußte und was ich tatsächlich mangels werkzeug nur mit diesem kleinen helfer geschafft habe, inklusive türschwellen zusägen...

ich parke den wagen bei bekannten, die des pferdezüchterdaseins wegen, weit außerhalb am waldrand leben. diese örtlichkeit hier ist zwar von wäldern umzingelt, ganz gleich in welche richtung sie gehen würden, landeten sie früher oder später im wald, nur gibt es nicht überall pilze. woanders habe ich noch nie welche gefunden. zudem wachsen merkwürdigerweise keine am waldrand, man muß also mindestens drei kilometer ins grüne wandern, um an die mir bekannten stellen zu kommen. und um es ihnen noch unschmackhafter zu machen, jemals auf die idee zu kommen, mit mir wandern oder pilze suchen zu gehen, erzähle ich von meiner vorliebe mich nicht gerade ein paar meter vom weg entfernt aufzuhalten, sondern eher das unwegsame gelände zu betreten, in die kein sonntagsspaziergänger mit einem küchenmesser in der hand je reinlaufen würde.

so betrete ich auch meine favorisierte stelle, nach diversen blutigen markierungen durch dornen und einem gestolperten ganzkörperfall voll auf die fresse und staune. wissen sie, ich war das erste mal pilze sammeln, als ich vielleicht 6-7 jahre alt war, aber sowas habe ich noch nie gesehen. voller sorge überhaupt einen schritt zu tun, ohne auf einen pilz zu treten. und dabei sammle ich bloß nur drei sorten, da mir experimente mit diesen auswüchsen der natur zu ungemütlich erscheinen. es dauert keine 25 minuten, bis ich drei große tüten voll habe, wobei ich nur die schönsten exemplare mitnehme, angebissenes oder ähnliches beachte ich garnicht. dann zurück zum wagen und die ausbeute abladen, zwei körbe mitgenommen und nochmal hin. meine beine zeigen sich zwar undankbar für diese aktionen, doch ich versuche weitestgehend meine schmerzen zu ignorieren.

daheim ziehe ich erst die schuhe aus und bleibe sicherlich zehn minuten auf dem boden im flur sitzen. meine füße fühlen sich an, wie mit einem hammer bearbeitet. anschließend begebe ich mich in die badewanne und schüttele einen ganzen zoo an tierchen aus meiner kleidung, ziehe im anschluß noch vier zecken aus meinem körper, eine aus dem bauchnabel. heute juckt die stelle wie sau. frisch geduscht und frisch bekleidet wiege ich meine ausbeute ab, wobei ich auf 8 kg steinpilze, 5 kg schusterpilze und 2 kg röhlinge komme.

begeistert rufe ich m. an, die ebenfalls begeistert verkündet, abends nach der arbeit mit dem taxi zu mir zu kommen, trotz der tatsache, daß wir uns üblicherweise dienstags nicht sehen. und dann folgt die erkenntniss. diese fünfzehn kilo gesammeltes möchten auch bearbeitet werden. so ein mist...

fünf stunden und drei flaschen bier benötige ich, bis ich alles sauber und kleingeschnitten habe, bis ich entschieden habe, was tiefgefrohren wird, was getrocknet und was später zubereitet. als m. um 21:15h hier ankommt, koche ich gerade. steinpilze in olivenöl mit viel knoblauch angedünstet, viel pfeffer dazu, zum schluß mit weißwein abgelöscht und mit sahne vollendet, dazu spaghetti und auf dem teller angerichtet mit viel frischgehackter petersillie bestreut. wir sind uns einig, nichts schmeckt besser als selbst zubereitetes, m. holt zweimal nachschub, ich bin fertig mit meinen nerven, habe nicht einmal lust auf sex...

später im bett, macht m. die ansage, daß sie am donnerstag frei hätte und wir unbedingt zu zweit nochmal losziehen sollten, was ich selbstverständlich bejahe, da ich nicht nein sagen kann. heute fühle ich mich allerdings, als ob es keinen morgen mehr gäbe. verfickte schwerkraft...

Kommentarstatus

Schwammerl- also Pilzesuchen ist eine so derart geniale Angelegenheit, daß ich mich, glaub ich, angesichts dieses Postings soeben spontan dazu entschlossen habe, am Wochenende zu meinen Eltern rauszufahren und durch die Wälder zu ziehen...

Bloß essen mag ich sie nicht.

PS - was sind Schusterpilze? Und was hältst du von Pfifferlingen (die bei uns Eierschwammerln heißen)?

Veröffentlicht von: dieJulia | 06.09.2006

ja, los, raus in die natur! ganz gleich ob pilze suchen, oder einfach nur die frische luft einatmen!

von pfifferlingen halte ich persönlich nicht viel, es hat keinen besonderen grund, ich finde sie schwerverdaulich und sie schmecken mir einfach nicht. genau wie schweinefleisch... ;-)

p.s. schusterpilze gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schusterpilz

Veröffentlicht von: Ad | 06.09.2006

Luftschnappen, yes, ich werd das definitiv tun, bewaffnet mit geiler Kamera (zum Eierschwammerl, äh, Pfifferlinge jagen) und gut eingelaufenen Bergschuhen.

Das mit den Schusterpilzen find ich übrigens witzig - ich kenne sie nicht, obwohl ich von Kind an ziemlich gut geschult wurde. Bei uns gilt als oft gebrauchtes Synonym zum Hexenröhrling übrigens der (übelst giftige) Satanspilz, der sich ganz gern als Maronenröhrling tarnt; allein die Druckstellen entscheiden über gut oder bös. Ein Überbleibsel der Inquisition? Überhaupt ist aber seit Tschernobyl eh alles verstrahlt im Salzkammergut (= da, wo ich her komme), aber ich eß die Dinger ja nicht.

Hach, wir Ösis, wir...

Veröffentlicht von: dieJulia | 07.09.2006

liebe julia, sie können es sich garnicht vorstellen, wie leid ich diese satananspilzus gespräche leid bin (also jetzt nicht mit ihnen!). mein lebenlang werde ich darauf angesprochen, vorallem gerade von den leuten die keine ahnung von pilzen haben und die keinen unterschied zwischen einem echten wiener schnitzel und einem schweineschnitzel kennen. "also ich hätte da angst" ist die häufigste aussage. das lustige daran ist, daß das mal von jemanden als ÄHNLICH bezeichnet wurde, weil diese pilze nunmal aus der selben familie stammen, wo die verwechslungsgefahr allerdings sein soll, ist mir nicht ganz klar, denn, sie sind sich eben nicht ähnlich. also ich brauche mich nicht einmal bücken um zu sehen welcher es ist. außerdem und sowieso, sollte man wirklich unerfahrenerweise einen satansrühling mit nach hause schleppen, so würde man es gleich beim ersten biss merken, weil er angeblich nur bitter schmeckt. also ich zumindest habe mich in den letzten 25 jahren des pilzesammelns noch nicht vertan.

was das kennen oder nicht kennen angeht, so kann das gut sein, denn es ist eher ein sehr seltener pilz. hier gibt es auch nur eine stelle, an der er wächst, dummerweise ist es außgerechnet die, wo die wildschweine wohnen. aber sie kennen mich ja, unerschrockenerweise klaue ich sie denen... ;-)

Veröffentlicht von: Ad | 07.09.2006

ogott. beim überfliegen dieses textes dachte ich es ginge um leergut sammeln und war schon sehr entsetzt. gut, daß es sich nur um pilze handelt.

Veröffentlicht von: murkel | 08.09.2006

Und wo bleibt das Stöckchen vom Murmeltier? Interessiert mich nämlich auch.

Veröffentlicht von: Opa | 08.09.2006

Bevor du noch an einer Pilsvergiftung ... man kennt das ja.

Veröffentlicht von: Opa | 08.09.2006

Für Sie, Herr Ad (aus dem Fundus & quasi als kleiner Teaser):

http://tinyurl.com/pjmz7

Veröffentlicht von: dieJulia | 08.09.2006

.... vielleicht hat Herr Ad nach jahrerlanger Pilzsammellotterie ja zum ersten Mal einen Fehlgriff getan ? Wir wollen es nicht hoffen ;-)

Veröffentlicht von: Phil | 09.09.2006

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