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30.07.2006

Zwischenmenschliche Kommunikation

gestern, 15:00h, ich bin bereits in der innenstadt um m. abzuholen, sie macht früher feierabend. jetzt wo die gehälter nur in häppchen ausgezahlt werden und überstunden garnicht, wechselt sie sich mit der zweiten geschäftsleiterin ab. wir spazieren langsam durch die innenstadt, ich bleibe beinahe sabbernd vor dem schaufenster eines schmuckladens stehen, in dem eine lange&söhne langematik ausgestellt ist, im platingehäuse. eine wunderschöne uhr. m. lüstert es nach einem silbernen ring mit einem schwarzen stein darin, ich versuche meinen pessimismus krampfhaft mit positiven gedanken zu unterdrücken, bleibe trotzdem unterschwellig mit den fragezeichen zurück darüber, ob die zeiten je wiederkommen werden, an denen wir uns solche dinge wieder bedenklos leisten können, am ende werde ich schließlich von der vernunft umgehauen, mit dem gedanken an meine angeborene sehnsucht nach überteuertem zubehör, der zum leben nicht unbedingt notwendig ist. kurz überlege ich noch die scheibe zu zertrümmern, lasse aber gleich wieder meine gedanken los, es wäre eh schlecht auf kopfsteinpflaster wegzulaufen, da m. pumps trägt, lenke mich dabei gleichzeitig mit dem gedanken ab, die hübscheste und gleichzeitig bodenständigste intelligente partnerin im schlepptau bei mir zu haben, die man sich nach katastrophalen und gescheiterten beziehungen überhaupt vorstellen kann. ein blick in ihre augen und auf ihr lächeln zaubern den pessimismus weg, noch ein kurzer griff an ihren hintern und die uhr ist vergessen...

wir nehmen zwei stücke pizza bei pizza-hut mit auf den weg zum wagen, wobei wir nicht gerade die großen fanatiker von fast food sind, doch alle paar wochen ist das in ordnung, zudem muß ich wirklich zugeben, daß mir die produkte der besagten kette sehr gut schmecken. der boden macht es aus, letztens habe ich ein paar pizzen beim aldi gekauft, die geschmeckt haben als würde man die verpackung verspeisen. nein, ich glaube ein stück pappe wäre geschmacklich exquisiter...

später am abend meldet sich der bereits hier erwähnte m². an und jetzt wird es leicht kompliziert. das meine liebste m. heißt wissen wir längst, folglich habe ich meinen besten freund m². getauft. allerdings heißt seine liebste ebenfalls m., so werde ich sie nun in folgendem m³. nennen. oh man...

m². und m³. traffen sich eines schönes tages beide einsam mitten im nichts von australien, je einen rucksack mit sich tragend. sie schauten sich in die augen, stellten schnell fest, daß sie beide aus deutschland kommen und verliebten sich sofortig ineinander. danach haben sie es erstmal zwei tage im zelt miteinander getrieben, irgendwo mitten im nichts, im outback. das ist acht jahre her. wenn es wirklich eine art katalogisierung von freundschaften gäbe, so sind die beiden mit abstand unsere allerbesten. niemand außer m. und meinen eltern haust so tief in meinem herzen, wie die beiden. zudem sind sie einfach nur zucker für die augen, im vergleich können die jolie und der pitt einpacken...

m³. ist zu ihren eltern nach tübingen gefahren, m². hat ausnahmsweise ein freies wochenende, was bei ihm eher selten vorkommt, als professioneller musiker. wir gehen runter in den biergarten, trinken bier und jägermeister, kauen essig-chips, lachen über belanglosigkeiten. bis m². irgendwann auf sein persönliches dilemma zu sprechen kommt. augenblicklich ist unser engster und ältester freundeskreis schwanger. von fünf haben vier ihre liebsten befruchtet. hinzu kommt, daß die nachrichten wohl alle gleichzeitig aus den büschen gekrochen sind, in cirka 7,5 monaten werden wir also gleichzeitig viel zum gratulieren und auf den arm zu nehmen haben...

und da sind wir schon beim problem. m³. hat nun lunte gerochen und möchte auch ein baby. m². aber nicht. sein leben hat keine struktur, er ist 85% seiner zeit unterwegs, an den meisten wochenenden nicht da, er liebt zwar kinder, aber er möchte keine eigenen haben. jetzt. doch bei m³. hat die biologische uhr längst angefangen zu ticken, was ich auch wiederrum verstehen kann, sie ist ein jahr älter als ich. nun hat er angst, sie würde ihn verlassen, bzw. ist sich dessen ziemlich sicher.

wir starren ihn an wie zwei depperte karpfen, es will in meinem hirn keinen sinn ergeben, wenn sich dieses traumpaar trennen würde. als gerade in diesem augenblick der dumme kellner mit dem affenartigem "alles gut? ode was bringen?" um die ecke kommt, stelle ich mir dessen entstellten und blutenden körper ohne glieder auf dem boden des biergartens vor, mich selbst blut von einer axt ableckend davor...

ich erinnere mich an die zeiten vor vielen jahren, als m². seine m³. noch nicht kannte und ich noch lange meine m. nicht. wir waren schon versaut. jedes wochenende eine andere die man nicht zurückgerufen hat, jedes wochenende was anderes zum lachen, oder kopfschütteln. einmal haben wir unabhängig voneinander unsere abenteuer vergnügt und fanden uns plötzlich in den selben räumlichkeiten wieder. er hatte sex im wohnzimmer, ich im schlafzimmer, später liefen wir uns im flur über den weg, starrten uns wie dumme schafe an und sprachen gleichzeitig "was machst du denn hier?", um anschließend in einen atemlosen lachanfall zu verfallen. er hatte die cousine meiner liebschaft bearbeitet, während wir beide ebenfalls cousins sind. die beiden damen fanden es ebenfalls belustigend, wir blieben bis nach dem frühstück...

was ich damit sagen will, ist folgendes. ich glaube an die kraft der liebe, glaube allerdings, daß sich diese nur einmal im leben in ihrer geballten form präsentiert. verstehen sie mich nicht falsch, ich habe auch kein rezept dafür und kann nur von uns hier ausgehen. m². ist seiner m³. niemals fremdgegangen, ich weiß es, weil wir oft darüber sprechen und keine geheimnisse voreinander haben. ich bin meiner m. ebenfalls nie fremdgegangen. es würde überhaupt niemals in frage kommen. doch diese beiden frauen bilden eine art zentrales refugium in unserem arschloch-dasein. ich bin mir sicher, würden wir von diesen eigenartigen individuen, die uns beide gezähmt haben, verlassen, würden wir geradewegs durch ein zeitloch in unsere primatenform zurück geschleudert, während große gefühle nur noch durch kapitulierte und sinnlose suche nach befriedigung ersetzt würden.

wir verbalisieren das thema bis zum unerträglichen, merken dabei garnicht wie schnell sich die strichartigen verzierrungen auf unseren bierdeckeln vermehren. gegen 01:00h sind wir drei vollkommen betrunken, schlendern raus, wobei m². sich auf den weg zu seinem wagen macht, was wir gleich versuchen zu verhindern:

ich: hömma, du fuährs mia heut keine vierzisch meter meehr, geschweige vierzisch kilometa!
m²:: isch ahab aba kein bock bei mein elter (schluckauf) n zu pennen...
wir (gleichzeitig): schlaf doch bei uns!
m².: aba isch will doch nich stören!
ich: sachma! wia offt hasse schon in dem jästezimma geppennt? hundertma? wo iss dat probleem?
m².: stimmt... isch hab das jets mit der beha (schluckauf) aausu (schluckauf) ung von o. verweichselt...

wir sitzen trotzdem noch zwei stunden in der küche und trinken eine flasche martini aus. heute morgen ist m². weg, er hinterläßt einen zettel mit "danke!" und der ansage, daß er nun mindestens für vier tage wandern geht und verschollen bleibt, um nachzudenken. wir tun das gegenteil, wir denken heute nicht, bewegen uns ebenso wenig, hocken auf der couch rum und spielen gegeneinander schiffeversenken auf den laptops.

warum auch nicht? wozu sich bekloppt machen? die gravitation zusammen mit der erdbeschleunigung zwingt uns eh dazu hier zu bleiben. so ähnlich ist es in beziehungen, fluchtversuche zwecklos. entweder bleibt man innerhalb der möglichen atmosphäre, oder man verläßt sie. mit ungewissen zukunftsaussichten...

28.07.2006

Rede und Gegenrede

gestern morgen beim orthopäden. ich habe mein knie durch jahrelanges und als gesund geglaubtes sporttreiben verschlissen, kann kaum noch laufen. termin: 08:45h mitten in der innenstadt, der doktor wurde mir empfohlen, er sei der beste hiess es. ich finde einen parkplatz direkt vor der praxis, es ist 08:35h als ich sie betrete. um 09:35 platz mir der kragen, da ich immer noch im wartezimmer sitze...

ich: hörnsema! wozu bekomme ich eigentlich einen termin für 08:45h, wenn ich immer noch hier rumsitzen muß? die "bunte" und die "frau im spiegel" habe ich durch, jetzt gehen mir nur noch die alten leute dort auf die nerven, die sich seit 40 minuten über bandagen unterhalten, wobei ich langsam beginne zu glauben, ein gefangener von sado-maso zombies zu sein und angst vor einer psychose bekomme!
hässliche arzthelferin: ähm, wir haben leider einen notfall...
ich: wat ein notfall? wir sind doch hier beim orthopäden und nicht im krankenhaus! oder hat sich jemand gerade gegenüber in der bäckerei beim einkaufen von brötchen den arm ausgerenkt? erzählen sie mir sowas, vielleicht glaube ich es!
hässliche arzthelferin: beruhigen sie sich, es ist nur noch ein patient vor ihnen dran...
ich: das ist bestimmt der alte greis, der aussieht wie 105, möchte garnicht wissen wieviele jahre der hier schon darauf wartet, dran zu kommen...

um 09:55h ist es soweit, ich sitze beim doktor. an dieser stelle nenne ich ihn einfach mal kaminski...

dr. kaminski: ihr knie muß operiert werden
ich: hörnsema! ich bin nicht hier um mir diesen quatsch wieder anzuhören, geben sie mir ein paar spritzen und gut is. ich habe keine zeit für operationen...
dr. kaminski: was machen sie beruflich?
ich: ich bin arbeitslos...
dr. kaminski: ???

ich bekomme eine kortisonspritze und darf um 10:30h endlich gehen, anschließend gehe ich zwei straßen weiter m. im laden besuchen. ihr chef ist da, die dumme sau d., auf den ich augenblicklich wegen unbezahlten gehältern von m. leicht gereizt bis allergisch reagiere...

ich: na d., wie geht es dem insolvenzverwalter?
d.: isch find das garnich witzisch...
ich: wieso? kannst doch ein paar deiner sportwagen verkaufen...
d. (sichtlich genervt): das würde die firma auch nicht retten...
ich (unbeindruckt): kann dir deine neue geliebte nicht was leihen?
d: willst du dich mit mir streiten?
ich: warum nicht? ich habe gerade zeit...

er zieht genervt von dannen, ins lager, m. macht pause und wir gehen frühstücken.

m.: lass ihn doch in ruhe, mit dem idioten kommst du eh nicht auf einen nenner...
ich: ich kann es nicht lassen, leider habe ich die axt vergessen...
m.: er hat uns heute morgen eine ganze kiste klamotten geschenkt, die müßtest du gleich ins auto packen, dafür darf er überleben...
ich: was für klamotten?
m.: hauptsächlich armani...
ich: ich verkomme zu einer kleiderstube, ich habe noch die 50 anzüge loszuwerden...
m.: nein, nur deine und meine größen, ich habe alles persönlich ausgesucht. er meint es wäre eine entschuldigung dafür, daß ich zwei monate kein gehalt bekommen habe, die sachen würden im laden zusammen mehrere tausend kosten...
ich: lassen wir ihn vorerst am leben...

wiedermal schleppe ich eine riesige kiste durch die innenstadt, am auto angekommen bin ich ein klatschnasser klumpen, ich schwitze sogar aus den ohren, ein personifizierter salzwasserfall...

daheim, nach einer kalten dusche und verschnaufpause, mache ich mich an die kiste ran. ganz oben finde ich erst die sachen von m., das allererste knappe armanitop aus kaschmir, welches ich rausfische, trägt die preisauzeichnung 299,90 €.
diese angelegenheit steigert sich, ich sehe ein schwarzes kleid für 789,-, tiefer unten finde ich zwei wunderbare anzüge der neuen kollektion für mich, nebst wundervollen hemden und krawatten. als ich alles zusammenrechne komme ich auf knappe sechs tausend, den preisschildern nach...

am abend, spreche ich nur sehr kurz mit m., später kurz mit herrn GP, wobei ich feststelle, daß wir tatsächlich verdummen, oder so...

er so: ich komm grad vom konzert, wat ein timing!
ich so: wat ein konzert?
er so: ja, mit matt so, nettes geklimmper...
ich so: goil!
er so: und sonst?
ich so: muß operiert werden, sonst haben wa super klamotten geschenkt bekomen...
er so: goil!
ich so: und sonst?
er so: müde...
ich so: auch...

ich überlege lange, ob ich diesen eintrag veröffentlichen soll, doch ich finde, es ist eine momentaufnahme eines tages, die einfach mal so dazu gehört. im zweifellsfall verzeihen sie ihn mir bitte...

25.07.2006

Carpe Diem

gestern morgen, 08:00h. ich habe bereits m. zur arbeit gefahren und stehe vor der entscheidung mich nochmal hinzulegen, oder sonstiges. für das hinlegen ist es bereits zu warm, zudem bin ich ausgeschlafen, nur was ist sonstiges? ich entscheide mich für einen milchkaffee und begebe mich ins arbeitszimmer, welches ich aber laut herrn GP als arbeitsloser augenblicklich nicht so nennen darf, so nennen wir es einfach die räumlichkeit mit den rechnern und dem internet...

ich beschäftige mich mit "titan quest", werde zwar andauernd von meinen gegnern getötet, doch die grafik ist großartig.
als ich nach "kurzer" zeit wieder auf die uhr schaue, glaube ich dieser nicht, sie besagt 13:30h. dabei habe ich noch garnicht gefrühstückt...

ich entscheide mich dazu rauszugehen, trage eine ben sherman dreiviertel hose in dunkelgrau, ein knappes schwarzes t-shirt von alprausch, meine gucci sonnenbrille, die reynolds schuhe von emerica ohne socken und keine uhr, damit die weiße stelle am handgelenk auch mal die möglichkeit hat braun zu werden.
mit dem portemonaie und dem schlüsselbund in der hand, schlendere ich langsam richtung marktplatz, vorbei an geschäftigten menschen, die haufenweise getränkekisten aus den märkten tragen, fühle mich beinahe wie lebowski, fehlt nur noch der teppich, den ich durch die gegend trage...

auf dem markplatz gehe ich zum f., den ich hier vor bereits längerer zeit mal erwähnt habe. er ist italiener und besitzt ein kleines und feines restaurant, welches allerdings bereits mittags die pforten öffnet, inklusive der möglichkeit draußen sitzen zu können, gegenüber des weihers und zwischen dem bunten treiben. f. hat was von george clooney, kleidet sich immer großartig, wirkt hier auf die dorfweibchen wie die verbotene frucht. dazu spricht er auch so, wie man sich das nur in dümmlicher comedy vorstellen könnte.

er kommt gleich zu mir, sichtlich erfreut, bringt mir ein weizenglas apfelschorle mit eis, setzt sich dazu und beginnt augenblicklich zu schwadronieren. doch ich bin sauer auf ihn, starre nur abwesend auf seinen 7-er bmw an dem immer noch die blöden flaggen von der WM hängen. während der WM habe ich ihn einmal beobachtet, wie er mit seinem kleinen, 2,5 jahre alten sohn, auf dem schoß auto gefahren ist. die eine hand draußen, die rechte am lenkrad, der kleine davor...

ich: hömma, das kannst du nicht bringen...
f: ach ad, das ware doch nur im dorfe!
ich: das ist doch vollkommen egal wo das war! dir braucht bloß eine katze vor den wagen zu laufen und schon hat dein kleiner ein entstelltes gesicht, oder den airbag gefressen!
f: du habe rechte, ich mache nicht wieder
ich: das will ich hoffen, wenn ich dich nochmal dabei erwische hacke ich dir die arme ab...

er klopft mir auf die schulter und geht lachend in die küche.
ich finde es schade, daß die menschen immer glauben, ich würde bloß scherze machen...

es kommen mehrere gäste hinzu, was ich gut finde, da mich f. sonst totquatschen würde, kaue ein paar pizzabrötchen mit knoblauch dipp, starre ausdruckslos das geschehen auf dem kleinen marktplatz an, überlege ob man die schweren standfüße der sonnenschirme dazu verwenden könnte, sie an diverse personen zu binden, um sie anschließend in unserem kleinen hübschen burgweiher zu versenken...

das essen und die getränke gehen auf f., er besteht darauf, daß m. und ich mal seine frau und ihn besuchen um gemeinsam zu kochen, dem ich zustimme. anschließend schlage ich die entgegengesetzte richtung von zuhause ein und spaziere durch den wald. es ist traumhaft, mitten in der woche, um diese uhrzeit und während der sommerferien ist dort kein mensch. ich gehe meinem hobby nach und fasse ständig und immer wieder kreischend brenesseln an, nebenher erfreue ich mich der frischen luft. die freude vergeht mir allerdings sehr schnell, kaum als ich den wald verlasse und die sogenannte "pferdewiese" betrete, auf der die vielen reiter der umgebung ihre viecher wohnen lassen. augenblicklich werde ich von einer terroristischen zelle amoklaufender bremsen attackiert. gott, wie ich diese viecher hasse! ich bin sicher, es wäre das deppen-video der woche geworden, wenn mich jemand dabei gefilmt hätte, wie ich auf mich selbst einschlagend, fluchend, zappelnd wie ein geisteskranker grobmotoriker unter strom, richtung ortseingang rannte...

wieder zuhause starre ich ungläubig die uhr in der küche an, erst 16:00h. super, was mache ich bloß mit der zeit? als erstes gehe ich onanieren, der gedanke an die vergangene nacht ist zu verlockend, die spaßvolle entleerung hilft mir beim dilemma trotzdem nicht weiter, als ich fertig bin, ist es 16:02h...

wissen sie, ich verstehe menschen nicht, die gerne faul und arbeitslos abhängen, es macht mich persönlich wahnsinnig.
vor lauter langeweile habe ich später kabel sortiert und dabei festgestellt, daß ich ausgestattet bin, wie ein kleiner und gutsortierter elektromarkt. warum ich 45 verschieden lange
usb-kabel besitze, kann ich ihnen dabei leider nicht erklären...

der tag zieht sich weiter so dahin, ich versuche fernsehen zu schauen, doch das programm läßt mich scheitern, als endlich abend ist, telefoniere ich kurz mit m., die fertig ist und ins bett will und kurz mit herrn GP, der mich fragt, ob es normal wäre, daß er verdummt, was ich mit "ja" beantworte. anschließend versuche ich eine dvd zu gucken und schlafe dabei nach einer halben stunde ein.

kaputt von der beschissenen freizeit...

24.07.2006

Väter, Eltern, Söhne, Shopping

meine eltern sind ein fall für sich. sie sind cool, sehen für ihr alter exakt so aus, wie guterhaltene ältere leute aussehen sollten und verhalten sich recht modern. zudem sind sie recht witzig und aufgeschlossen, in den letzten jahren meines erwachsenendaseins, habe ich nach und nach meine ganzen jugendsünden gebeichtet, wobei sie bei den meisten kopfschüttelnd lachen mußten. gut, die ganz schlimmen sachen habe ich ausgelassen, sie müßen aber auch nicht unnötig überfordert werden, sie wissen es eh längst, daß sie in meiner person nicht gerade einen zarten und braven engel in die welt gesetzt haben...

unser verhältniss ist gut bis sehr gut, es mag daran liegen, daß die herrschaften mittlerweile zu 90% in bayern leben und man sich seltener sieht, die freude auf ein wiedersehen ist einfach größer und anders, als wenn man sich jeden zweiten tag über den weg laufen würde. vor wenigen tagen meldete sich also mein vater an, der hier im hauptsitz des konzernes etwas zu tun hatte und frug ob ich am freitag seinen fahrer spielen würde, er würde gerne einen saturn-markt aufsuchen, was ich selbstverständlich bejahe, eltern haben bei solchen gefälligkeiten oft die spendierhosen an, zumindest meine...

theoretisch eine sehr simple situation, die bloß von meiner mutter kompliziert wird, da sie in bayern verbleibt und fünf mal wegen dieser angelegenheit bei mir anruft, um sicher zu gehen, daß ich mich mit meinem vater nicht streite. ich fetze mich schon mein lebenlang mit ihr, ich habe ihr aufbrausendes temperament geerbt, vereint explodieren wir beide alle fünf minuten, das ganze ist mehr oder weniger harmlos und in wenigen minuten vergessen, doch trotzdem stressig auf die dauer. eine shopping tour mit meiner mutter bedeutet permanete geistige anspannung, sie geht mir auf die nerven und ich ihr, später lachen wir darüber...

mein vater hingegen ist das genaue gegenteil von uns beiden, die personifizierte ruhe, eine person die fünf mal nachdenkt bevor sie was sagt, ein mathematikgenie, das ständig im hinterköpfchen die problematischsten strukturen und muster durchrechnet, während er von außen den eindruck macht, er wäre gerade geistig abwesend. ich glaube mich noch nie richtig mit ihm gestritten zu haben, weil das einfach unmöglich ist...

er ist ein computerfreak, allerdings einer anderen sorte als viele andere 60 jährige, er hat tatsächlich ahnung. in seinem privaten besitz befinden sich: ein hochleistungs-pc, den er sich hat von der edv-abteilung bauen lassen, ein vaio-laptop und ein mac-mini. er filmt familien- und firmenfeiern mit seiner mini-dv-kamera, schneidet diese zurecht, unterlegt sie mit musik und das ganze auf einem hohen niveau, nicht so schrottiges wie man es üblicherweise von amatueren gewohnt ist, nein, er hat sogar privat die komplette adobe palette gekauft und kann damit sehr gut umgehen. er sagt, es sei sein hobby und würde ihn entspannen. prima.


freitag, 12:30h. ich empfange den herren am haupteingang des konzerns und werde wie immer von vielen vorbeilaufenden menschen gegrüßt - es ist eigenartig, den sohn scheinen alle zu kennen, obwohl ich mit dem laden sehr wenig zu tun habe. mein vater sieht verdammt gut aus, braungebrannt, macht mich leicht neidisch mit seinem schwarzen ralph lauren polo, da ich gerade vor wenigen tagen erst festgestellt habe, ich hätte zu wenig davon. ich liebe polos. auf der fahrt besprechen wir wichtigkeiten und nichtigkeiten, ergattern direkt vor dem eingang einen parkplatz, drinnen trennen wir uns, der herr möchte eine spezielle grafikkarte und irgendwas dvb-t-tiges und da er die angewohnheit hat jede einzelne packung komplett durchzulesen, ziehe ich davon, um meinem eigenen plötzlichen koma zu entgehen, stattdessen ärgere ich verkäufer mit fragen wie "kann ich kurz die stoßfestigkeit dieses laptops testen?", oder "wie lang ist das kabel dieses handys?".

mein alter herr ist erstaunlich schnell fertig und kommt mit zwei paketen um die ecke, fragt "brauchst du nicht irgendwas?". da ich üblicherweise dazu neige alles zu vergessen, sofern ich es nicht notiert habe, bin ich recht überrascht über mich selbst, als mir gleich einfällt, daß ich eine neue tastatur für meine internetdose wollte. in der dafür vorgesehen abteilung zeigt mein vater auf eine hübsche tastatur, die wie aus edelstahl aussieht, für 79,90 und sagt "bei solchen sachen mußt du immer die gute mitte nehmen", was ich nur mit "ich gebe doch keine 80 euro für eine tastatur aus, wir haben augenblicklich andere geldsorgen!" entgegnen kann, doch der herr macht den eindruck meine aussage garnicht erst verstanden zu haben und zeigt mit dem finger auf ein merkwürdiges ungetüm für 159 und sagt "80 ist aber doch die gute mitte!". ich also wieder "hast du mir nicht zugehört oder mich nicht verstanden?" und er "doch, nur ich zahle an der kasse und nicht du".

gut, das eröffnet einem gleich ganz andere und neue perspektiven. so nehme ich wortlos das 79,90 "schnäpchen" unter den arm und überlege spontan wohin ich ihn wohl noch zerren könnte um eine weitere "gute mitte" mitzunehmen. ein beamer wäre nicht schlecht...

darauf läßt sich der herr allerding leider nicht ein, dafür steuert er die software-abteilung an, während ich dvd-filme beglotze. kurz bevor ich zu sabbern beginne, gehe ich zu meinem vater, der immer noch die verpackungen von merkwürdigen programmen durchliest und frage leicht verunsichert "äh, wie ist das jetzt also mit dem budget?", was er mit "ich habe für dich 400 eingeplannt, nimm wieviel du tragen kannst" beantwortet, um sich gleich wieder dem lesen von verpackungsmaterial zu widmen.

so, ich bin also eine 400 euro chauffeurschlampe. nicht schlecht, für vier stunden meiner zeit und etwas sprit. später bringe ich ihn zum flughafen, wo wir noch unleckere belegte baguettes verspeisen. als er abhhebt bin ich bereits mit cirka 200 km/h richtung zuhause unterwegs. meine ausbeute:

- die besagte tastatur (auf der ich nicht blind schreiben kann...)
- das computerspiel "titan quest" (ich bin eigentlich kein spieler, allerdings habe ich eine super kritik darüber gelesen und dachte, ich könnte mich auch mal ausnahmsweise, in den paar wochen der arbeitslosigkeit mal mit jungs-spielzeug beschäftigen...)
- die "hellboy" dvd (noch nicht gesehen)
- die "house of 1000 corpses" dvd (noch nicht gesehen)
- die "im auftrag des teufels" dvd (da ich sie verliehen und nie wieder bekommen habe...)
- die "fawlty towers" dvd-box (ich sach nur: großartig!)
- die "syriana" dvd (ich mag intelligente thriller...)
- die "insider" dvd (ebenfalls verliehen und nicht wieder bekommen...)
- ein paket hp A3 hochglanz-papier


so, mehr konnte ich nicht tragen. doch chauffeur spiele ich für meinen vater gerne wieder...

20.07.2006

Haushaltiges

die idee entstand vor einigen monaten, als mich der werte herr GP mit der ansage belustigte "ich muß gerade kurz die wäsche machen". was ist daran so besonders, werden sie nun fragen und so versuche ich es kurz zu erläutern. es ist einfach unpassend, ständig textlich menschen zu töten, oder von teuren anzügen zu schreiben, von durchzechten nächten und unkonventionellen gedanken, teurem essen, oder teuren gegenständen und plötzlich "wäsche machen zu müßen". das ist als ob ein serienmörder davon berichten würde, warum feldsalat besser schmeckt als eisbergsalat. wir haben uns sehr darüber beömmelt und beschloßen als kontrast haushaltiges zu schreiben. im grunde ist es auch so, in einem blog sieht man nur eine fassade, doch wie ich es bereits mal erwähnte, selbst eine angelina jolie muß mal kacken gehen...

so führe ich hiermit eine kleine neue nebenkategorie ein und versuche ihnen den normalen alltag eines luxusverwöhnten psychopathen aus gutem hause zu beschreiben, der gegen seinen haushalt kämpft.


gestern. mein haushalt ist wahrlich schwer zu beschreiben, da viel zu groß. es ist jedenfalls immer sauber und aufgeräumt, wofür ich persönlich sorge (da ich mir augenblicklich keine putzfrau leisten kann), manchmal hilft mir m. dabei, wenn sie gerade hier ist. als stauballergiker kann ich in unreinen räumlichkeiten nicht leben, zudem hasse ich unordnung. das heißt nicht, daß jeder gegenstand seinen vorhergesehenen platz einzuhalten hat, nur chaos und schlampigkeit meine ich, menschen die ihre räumlichkeiten in müllkippen verwandeln, verabscheue ich.

ähnlich kompliziert ist es meinen geschmack zu beschreiben.
ich mag es schlicht. dabei aber doch exklusiv. ich akzeptiere holz und edelstahl, weiße teller in schlichter form, gläser ohne muster, gute messer die etwas schwerer in der hand liegen, vernünftige und teure kaffeeautomaten. kaffeefilter, bemusterte teller und jegliche klischeehafte verzierrung kommt mir nicht ins haus, letztens habe ich geschenkte und hässliche weingläser in den kontainer befördert, ich weiß, es gehört sich nicht, aber ich hätte sie nie benutzt und hässliches weiter zu verschenken wäre mir peinlich...

aber kommen wir nun zum eigentlichen thema. so war gestern also wieder der putztag, was folgends aussieht: müll raustragen, staub wischen, auf beiden etagen saugen, alle glatten flächen wischen, das badezimmer putzen, anschließend die gästetoilette. als ich fertig war, war ich fertig. ausgetrocknet bis zum äußeren, wie ein ägyptisches stück dürrfleisch aus einer pyramide...

wenn es eine todesart gibt, vor der ich wirklich angst habe, dann ist das verdursten, alleine wenn ich daran denke durch die wüste zu wandern ohne orientierung und ohne wasser, dann bekomme ich augenblicklich gänsehaut. praktischerweise befinde ich mich aber nicht in der sahara, sondern in meiner küche, in der zwei kühlschränke stehen. eine doppelte kombination fest installiert unter der arbeitsplatte und ein amerikanisches ungetüm von maytag, zwei meter hoch, doppeltürig, aus edelstahl, mit einem eisspender (auch ice server genannt) auf der vorderseite der linken türe, den ich auch gleich ansteuere, da momentan hier nichts ohne eis getrunken wird. doch als ich das gewohnte knöpfchen drücke, passiert schon die katastrophe, der volle behälter entleert sich aus unerfindlichen gründen gänzlich, ich werde mit eiswürfeln beschossen und der küchenboden damit bedeckt. eiszeit im hochsommer...

ich sammele die vielen eisstücke und werfe sie in die spüle, stelle dabei fest, daß meine wischtechnik zu wünschen übrig läßt, oder der lappen. das eis ist voll mit fuseln, dabei habe ich gerade erst geputzt. eine kurze zeit beobachte ich noch den schmelzvorgang, anschließend wische ich den nassen boden mit küchenpapier auf. der eisspender ist nicht kaputt, wie ich feststelle, bloß die box war falsch befästigt. als fazit bleibt einen neuen und fuselfreien lappen zu kaufen.

mit einer durch den vorfall verursachten verspätung von 30 minuten, trinke ich eine kalte flasche wasser auf ex aus. später, bei einem bier, rufe ich kurz herrn GP an, doch der kann nicht, sein jetlag läßt ihn immer noch glauben, er sei noch in amerika, was sich aber trotzdem lohnt, da wir dadurch womöglich den lustigsten dialog der menschheitsgeschichte führen...

17.07.2006

Intermord AG (VII)

der urlaub bringt erholung. was auch immer das bei mir heißen mag. ja, sogar kurze freude. vorallem als ich das kleine dörfchen am mittelmeer zum schluß verbrannte und lachen mußte, als es nach baguette und schwein roch. und fisch...

wieder im büro kehrt der alltag zurück, doch diesmal drogenfrei, ich fühle wieder meine glieder, der bittere geschmack der übermäßigen einnahme von tropanalkaloid hat nachgelassen, meine augen sehen klar und mein gehirn arbeitet auf dem niveau von einstein, alles ist verrückt aber nicht unverwirklichbar.
die drogen hätten mich auf die dauer getötet, ein selbstbewußter schuß in die stirn ebenfalls, doch mir ist nicht danach. ich möchte die weltmacht, habe bereits ein konzept erdacht die mafia aufzukaufen, um daraus mafia 2.0 zu machen. warum auch nicht? ich bin einer der drei gründer dieser AG, es wird eher ein leichtes es an die spitze zu machen. gnade dem, der sich mir in den weg stellen sollte...

doch als erstes widme ich mich dem tagesgeschäft.
ein verärgerter kunde aus den östlichen ländern hat den auftrag erteilt seine neue ex-freundin zu entsorgen, die verärgert über unpassende nudeln sein boot demoliert hat. ich persönlich hätte sie zwar gleich mitsamt anker versenkt, doch diese herren in den weißen kluften machen sich ungerne die finger schmutzig.
ich glaube, ich lasse sie im beton schwimmen.

fortsetzung folgt...

16.07.2006

Ein harmloser Eintrag als Kontrast

gestern. das telefon will nicht aufhören zu klingeln. selbstverständlich wie das immer so ist, alle melden sich auf einmal, selbst die menschen von denen man seit monaten nichts gehört hat. wir werden zweimal zum grillen eingeladen, einmal zum essen gehen, auf einen geburtstag und zum kneipenbesuch. klingt nach freizeitstress. doch den machen wir uns nicht, als m. auftaucht und ich von den vielen einladungen berichte, fragt sie ob wir uns nicht besser davon machen und vielleicht wandern gehen, dem ich auch gleich ohne großartig zu überlegen zustimme.

wir packen unsere rucksäcke, fahren 30 km raus an eine uns bekannte stelle, die viel natur und wenig menschen bietet und zudem eine perfekte route darstellt, die alles verinnerlicht, wenn man kurz abschalten will - einen kurzweiligen marsch, einige stellen um ungesehen ein zelt aufzuschlagen nebst einem kleinen lagerfeuer, einen aufstieg mit ordentlicher aussicht und einen abstieg, der schließlich nach einer O-route von 45 km wieder exakt zum auto führt.

nach ca. 20 km finden wir die perfekte stelle zum übernachten, eine kleine lichtung mitten im wald, die kaum über einen trampelpfad erreichbar ist, bauen das zelt auf, machen ein kleines feuer und essen eine provisorische tomatensuppe.
das sind augenblicke, die ich persönlich nur schwer in worte fassen kann, es liegt romantik in der luft, es wird langsam dunkel, man lauscht den geräuschen des waldes und dem knistern des feuers, trinkt rotwein aus edelstahlbechern und lacht über belanglosigkeiten. gut, der romantik folgt dann meist pure pornografie, aber das hat hier nichts verloren...

die nacht vergeht wie im flug, ich glaube kaum eingeschlafen zu sein, schon wurde ich wieder von zwitschernden vögeln geweckt. doch ich habe so gut geschlafen wie seit monaten bereits nicht mehr. frische luft und natur sind halt besser als hausstaubmilben und abgase, ich kann menschen nicht verstehen die sich mit haut und haaren auf das urbane eingestellt haben, sperren sie mich für ein paar wochen in einen betonwohnblock, ohne möglichkeit ein paar bäume in vereinter gruppe sehen zu können und sie kratzen mein gehirn von den wänden, wahlweise eine traumatisierte putzfrau mit mundschutz...

der weitere weg heute gestaltet sich etwas holprig, wir verlassen den schutz der bäume und lassen uns erneut von der sonne anbrennen, mein dritter sonnenbrand innerhalb einer woche, zudem haben wir außer der erwähnten tomatensuppe und merkwürdigen körnersuperriegeln nichts essbares mitgenommen. die dinger schmecken als hätte man ein kornfeld mit patex zusammengepresst. beschissene möchtegern fitnessprodukte, eine gute alte scheibe zwieback rettet auch vor unterzuckerung.

oben auf dem berg befindet sich eine lokalität, wir beschließen dort unbedint etwas zu essen. es ist so ein laden, der zwar einen traumhaften ausblick hat, aber eine speisekarte wie willys frittenbude, mit dem publikum von kaffeefahrten. stellen sie sich ein rockertreffen vor und ersetzen die vielen harleys auf dem parkplatz durch gehhilfen und sie sind angekommen...

m. nimmt jägerschnitzel mit pommes, ich schnitzel natur mit folienkartoffel. eigentlich sind wir nicht die großen fleischesser, zweimal die woche reicht es, doch salate schmecken in solchen läden wie ungewürztes wiesengrün, egal was man nimmt, man macht es verkehrt. nach der hälfte tauschen wir jeweils, damit sich der andere an dem ungeschmack der anderen portion erfreuen kann, verziehen dabei die gesichter wie zirkusaffen, die zwei pils schmecken ebenfalls wie aus dem sonderangebot vom letzten winter.

nach dem abstieg am auto angekommen ist es soweit, ich halte mich an dem schild "verdrisstescheißlokalität 5 km ->" fest und kotze es zehn minuten lang voll, bekomme fast keine luft dabei und m. einen schreck. als es sich beruhigt, lacht sie, doch nur kurz, kaum daheim angekommen, besetzt sie würgend für zehn minuten die toilette...

jetzt schläft sie wie erschlagen auf der couch, während ich im schattigen arbeitszimmer alles abgedunkelt habe. meine haut pellt sich wie bei einer schlange, ich fühle mich wie ein vampir, der zwölf uhr mittags mit mitternacht verwechselt hat und mal eben nach draußen gegangen ist und sich nun in seiner körperlichen existenz auflöst, dabei die sonne anschreiend
"äch! äch! geh wech! ssssssssss!"...

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15.07.2006

Paradoxe Intervention

gestern, 22:15h, c. kommt vorbei. m. bleibt in der stadt und trifft eine freundin die beziehungsprobleme hat. c. hat ebenfalls welche, vielleicht sollten m. und ich eine praxis eröffnen. nur bezweifle ich gerade der geeignete ansprechpartner zu sein, wie bereits erwähnt habe ich mich derbe sonnenverbrannt, noch vor einer stunde wurde mir in einem harmlosen und lustigen telefongespräch gesagt, ich würde mich "fertig" anhören, wie soll ich da plötzlich bedeutungsschattierungen fremder empfindungen deuten, während ich selbst gerade mental auf dem niveau eines tumben esels auf einer langweiligen wiese grase?

wir gehen runter in den biergarten, ergatern den letzten tisch, genau zwischen den ganzen menschen, die ich noch nie leiden konnte und andersrum gleichfalls. es stinkt nach fett, spontan beschließe ich mein abendessen bloß in flüßiger form zu mir zu nehmen, während c. fritten mit mayo bestellt. ich trinke ein becks.

als er mit dem unheimlich originellem satz "ich weiß nicht was ich machen soll" beginnt, entfleucht mir nur ein "bin mir auch nicht sicher, vielleicht nehme ich ein ouzo", wobei ich gähnen muß. manche menschen neigen dazu, bei jeglicher abweichung eines istzustandes vom optimum, gleich in dramen zu verfallen. dazu gehört c. ebenfalls. dabei verstehe ich ihn einfach nicht. ich kenne ihn seit meiner kindheit, gut früher haben wir ihn immer ein wenig auf den arm genommen, weil er irgendwie kleiner war als alle anderen, doch c. hatte bereits damals soviel eiskaltes selbstbewußtsein, daß ihm das förmlich und praktisch voll am hintern vorbei ging, doch leider nicht beim weiblichen geschlecht. irgendwann schoß er in die höhe und aus der heutigen sicht muß ich sagen, daß er nach dem (letztens hier erwähnten) m²., aus meiner sicht als hetero, der schönste mann ist, den ich persönlich kenne. er ist sportlich, hat ein echtes "sixpack", feine haut und hautfarbe, markantes gesicht, kleidet sich immer perfekt und ist verdammt charismatisch. alleine aus den letzten jahren fallen mir mehrere gutaussehende ladys ein, die sich für ihn sofort nackt machen und "nimm mich!" schreien würden. doch er sucht sich immer die bescheuerten zicken mit eingebautem stressfaktor aus. gut, diese phase hatte ich ebenfalls, doch ich habe sie vor einigen jahren abgelegt und aufgehört mich von vorbelasteten psychowracks, mit hang zum dramatischem terrorismus belästigen zu lassen, personen die einfach nicht die vergangenheit in ruhe lassen können und alle männer entweder für idioten oder für schweine halten, trotzdem aber nicht die finger von ihnen lassen können. da c. nur wenige monate jünger ist als ich, könnte er sich dieser erkenntnis langsam auch beherzigen...

er trinkt mehrere jägermeister, ich mehrere ouzo, dazu ein paar biere, wir umkreisen das thema mit nichtigkeiten, er berichtet von seiner renovierten badewanne, ich von meinem schiefgelaufenen marathon, irgendwann verharrt er, schaut dabei auf den tisch und fragt "was meinst du was ich tun soll?", wobei ich auf solche fragen und solchen entscheidungen dritter, sehr allergisch reagiere:
ich: c.! es ist dein herz, deine liebe, deine entscheidung! bitte ziehe mich da nicht mit rein!
c.: aber deine meinung ist mir sehr wichtig!
ich: c., ihr seid zwei monate zusammen und habt bereits die dritte beziehungskriese, willst du dich auf dauer unglücklich machen?
c.: ich mache morgen schluß.

ich bin leicht erstaunt über diese leichte und flockige antwort, als wenn es darum gegangen wäre zwischen eissorten zu wählen, doch nach weiteren und lustigen 20 minuten gespräch über "sin city", merke ich, daß er tatsächlich irgendwo in seinem inneren ein eiskaltes selbstbewußtsein trägt, welches bloß in falschen momenten an die oberfläche tritt...

gegen 01:00h wackelt er richtung der villa seiner eltern, wo er übernachtet, während ich an meinem hauseingang stolpere und wiedermal mit dem gesicht an der türe bremse. es tut nicht weh, nach zehn ouzo und sechs bier. dafür aber heute...

14.07.2006

Halbtot

wie sie sehen, sehen sie hier nicht viel. das liegt an einer leichten bis riesigen kraftlosigkeit, die in meinem astralkörper herrscht. angefangen hat diese selbstzerstörung letzte woche, als wir uns "mal eben" nach hamburg aufgemacht haben, weil m. spontan ein vorstellungsgespräch hatte. vier stunden autobahn, ein nervenaufreibender termin, zwei steaks und zwei salate und wieder vier stunden autobahn. am nächsten morgen mußte sie wieder arbeiten und ich zum arbeitsamt, weil diese behördenviecher nicht aufhören können irgendwelche unterlagen nachzufordern, ich glaube als nächstes werde ich noch meine geburtsurkunde hinbringen müßen zusammen mit dem sperma meines vaters...

schlaflosigkeit macht sich ebenfalls breit, in den letzten acht tagen konnte ich keine nacht länger als zwei stunden schlafen, tagsüber fühle ich mich wie ein drogensüchtiges eichhörnchen auf entzug, vorgestern habe ich die butter in den müll geworfen und die serviette in den kühlschrank gelegt...

doch die degenerierung kann man selbstverständlich auch selbst fördern, indem man wie ich am sonntag, spontan, ohne großartige vorbereitung, an einem marathonlauf teilnimmt.
na, immerhin für einen guten zweck, doch ich mußte zum ersten mal abbrechen, bei kilometer 37, es ging nicht mehr. ich setzte mich an den wegesrand mit der hoffnung auf einen schnellen herzstillstand. leider kann man sich auf den tod nicht verlassen. m. steuerte den wagen lachend richtung heim, während ich den beifahrersitz in liegeposition nuzte. eine zigarette rauchend...

von dem marathon, habe ich mich bis heute nicht erholt und als wenn das alles nicht genug wäre, schlief ich gestern mittags in der prallen sonne im innenhof ein. das buch war auch scheiße, dank dessen habe ich jetzt eine sehr interessante hautfarbe.
wie ein allergischer brasilianer...

für heute abend hat sich c. angemeldet, ich glaube wenn wir einen trinken gehen, werde ich endlich das zeitliche segnen...

12.07.2006

Ein Insider (bitte nicht beachten!)

eigentlich wollte ich hier gerade "iKill 2.0" veröffentlichen, oder die "Intermord AG VII", vielleicht auch einen bericht über käse und senf, doch ich kann mich kaum vor lachen halten, über ein bild, welches mir gestern abend per mail zugeschickt wurde, mit einem alten und sonnenverbrannten mann neben einer hübschen brünetten frau. sie können es sich einfach nicht vorstellen, wie schmerzhaft stundenlanges lachen sein kann.

nicht das ich mich hier auf kosten anderer amüsieren würde, der "alte" mann (11 monate älter als ich...) liegt mir sehr am herzen, nur das bild, es ist das bild, es ist zum schreien!

neugierig? sie werden es trotzdem nie zu gesicht bekommen...

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