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30.07.2006

Zwischenmenschliche Kommunikation

gestern, 15:00h, ich bin bereits in der innenstadt um m. abzuholen, sie macht früher feierabend. jetzt wo die gehälter nur in häppchen ausgezahlt werden und überstunden garnicht, wechselt sie sich mit der zweiten geschäftsleiterin ab. wir spazieren langsam durch die innenstadt, ich bleibe beinahe sabbernd vor dem schaufenster eines schmuckladens stehen, in dem eine lange&söhne langematik ausgestellt ist, im platingehäuse. eine wunderschöne uhr. m. lüstert es nach einem silbernen ring mit einem schwarzen stein darin, ich versuche meinen pessimismus krampfhaft mit positiven gedanken zu unterdrücken, bleibe trotzdem unterschwellig mit den fragezeichen zurück darüber, ob die zeiten je wiederkommen werden, an denen wir uns solche dinge wieder bedenklos leisten können, am ende werde ich schließlich von der vernunft umgehauen, mit dem gedanken an meine angeborene sehnsucht nach überteuertem zubehör, der zum leben nicht unbedingt notwendig ist. kurz überlege ich noch die scheibe zu zertrümmern, lasse aber gleich wieder meine gedanken los, es wäre eh schlecht auf kopfsteinpflaster wegzulaufen, da m. pumps trägt, lenke mich dabei gleichzeitig mit dem gedanken ab, die hübscheste und gleichzeitig bodenständigste intelligente partnerin im schlepptau bei mir zu haben, die man sich nach katastrophalen und gescheiterten beziehungen überhaupt vorstellen kann. ein blick in ihre augen und auf ihr lächeln zaubern den pessimismus weg, noch ein kurzer griff an ihren hintern und die uhr ist vergessen...

wir nehmen zwei stücke pizza bei pizza-hut mit auf den weg zum wagen, wobei wir nicht gerade die großen fanatiker von fast food sind, doch alle paar wochen ist das in ordnung, zudem muß ich wirklich zugeben, daß mir die produkte der besagten kette sehr gut schmecken. der boden macht es aus, letztens habe ich ein paar pizzen beim aldi gekauft, die geschmeckt haben als würde man die verpackung verspeisen. nein, ich glaube ein stück pappe wäre geschmacklich exquisiter...

später am abend meldet sich der bereits hier erwähnte m². an und jetzt wird es leicht kompliziert. das meine liebste m. heißt wissen wir längst, folglich habe ich meinen besten freund m². getauft. allerdings heißt seine liebste ebenfalls m., so werde ich sie nun in folgendem m³. nennen. oh man...

m². und m³. traffen sich eines schönes tages beide einsam mitten im nichts von australien, je einen rucksack mit sich tragend. sie schauten sich in die augen, stellten schnell fest, daß sie beide aus deutschland kommen und verliebten sich sofortig ineinander. danach haben sie es erstmal zwei tage im zelt miteinander getrieben, irgendwo mitten im nichts, im outback. das ist acht jahre her. wenn es wirklich eine art katalogisierung von freundschaften gäbe, so sind die beiden mit abstand unsere allerbesten. niemand außer m. und meinen eltern haust so tief in meinem herzen, wie die beiden. zudem sind sie einfach nur zucker für die augen, im vergleich können die jolie und der pitt einpacken...

m³. ist zu ihren eltern nach tübingen gefahren, m². hat ausnahmsweise ein freies wochenende, was bei ihm eher selten vorkommt, als professioneller musiker. wir gehen runter in den biergarten, trinken bier und jägermeister, kauen essig-chips, lachen über belanglosigkeiten. bis m². irgendwann auf sein persönliches dilemma zu sprechen kommt. augenblicklich ist unser engster und ältester freundeskreis schwanger. von fünf haben vier ihre liebsten befruchtet. hinzu kommt, daß die nachrichten wohl alle gleichzeitig aus den büschen gekrochen sind, in cirka 7,5 monaten werden wir also gleichzeitig viel zum gratulieren und auf den arm zu nehmen haben...

und da sind wir schon beim problem. m³. hat nun lunte gerochen und möchte auch ein baby. m². aber nicht. sein leben hat keine struktur, er ist 85% seiner zeit unterwegs, an den meisten wochenenden nicht da, er liebt zwar kinder, aber er möchte keine eigenen haben. jetzt. doch bei m³. hat die biologische uhr längst angefangen zu ticken, was ich auch wiederrum verstehen kann, sie ist ein jahr älter als ich. nun hat er angst, sie würde ihn verlassen, bzw. ist sich dessen ziemlich sicher.

wir starren ihn an wie zwei depperte karpfen, es will in meinem hirn keinen sinn ergeben, wenn sich dieses traumpaar trennen würde. als gerade in diesem augenblick der dumme kellner mit dem affenartigem "alles gut? ode was bringen?" um die ecke kommt, stelle ich mir dessen entstellten und blutenden körper ohne glieder auf dem boden des biergartens vor, mich selbst blut von einer axt ableckend davor...

ich erinnere mich an die zeiten vor vielen jahren, als m². seine m³. noch nicht kannte und ich noch lange meine m. nicht. wir waren schon versaut. jedes wochenende eine andere die man nicht zurückgerufen hat, jedes wochenende was anderes zum lachen, oder kopfschütteln. einmal haben wir unabhängig voneinander unsere abenteuer vergnügt und fanden uns plötzlich in den selben räumlichkeiten wieder. er hatte sex im wohnzimmer, ich im schlafzimmer, später liefen wir uns im flur über den weg, starrten uns wie dumme schafe an und sprachen gleichzeitig "was machst du denn hier?", um anschließend in einen atemlosen lachanfall zu verfallen. er hatte die cousine meiner liebschaft bearbeitet, während wir beide ebenfalls cousins sind. die beiden damen fanden es ebenfalls belustigend, wir blieben bis nach dem frühstück...

was ich damit sagen will, ist folgendes. ich glaube an die kraft der liebe, glaube allerdings, daß sich diese nur einmal im leben in ihrer geballten form präsentiert. verstehen sie mich nicht falsch, ich habe auch kein rezept dafür und kann nur von uns hier ausgehen. m². ist seiner m³. niemals fremdgegangen, ich weiß es, weil wir oft darüber sprechen und keine geheimnisse voreinander haben. ich bin meiner m. ebenfalls nie fremdgegangen. es würde überhaupt niemals in frage kommen. doch diese beiden frauen bilden eine art zentrales refugium in unserem arschloch-dasein. ich bin mir sicher, würden wir von diesen eigenartigen individuen, die uns beide gezähmt haben, verlassen, würden wir geradewegs durch ein zeitloch in unsere primatenform zurück geschleudert, während große gefühle nur noch durch kapitulierte und sinnlose suche nach befriedigung ersetzt würden.

wir verbalisieren das thema bis zum unerträglichen, merken dabei garnicht wie schnell sich die strichartigen verzierrungen auf unseren bierdeckeln vermehren. gegen 01:00h sind wir drei vollkommen betrunken, schlendern raus, wobei m². sich auf den weg zu seinem wagen macht, was wir gleich versuchen zu verhindern:

ich: hömma, du fuährs mia heut keine vierzisch meter meehr, geschweige vierzisch kilometa!
m²:: isch ahab aba kein bock bei mein elter (schluckauf) n zu pennen...
wir (gleichzeitig): schlaf doch bei uns!
m².: aba isch will doch nich stören!
ich: sachma! wia offt hasse schon in dem jästezimma geppennt? hundertma? wo iss dat probleem?
m².: stimmt... isch hab das jets mit der beha (schluckauf) aausu (schluckauf) ung von o. verweichselt...

wir sitzen trotzdem noch zwei stunden in der küche und trinken eine flasche martini aus. heute morgen ist m². weg, er hinterläßt einen zettel mit "danke!" und der ansage, daß er nun mindestens für vier tage wandern geht und verschollen bleibt, um nachzudenken. wir tun das gegenteil, wir denken heute nicht, bewegen uns ebenso wenig, hocken auf der couch rum und spielen gegeneinander schiffeversenken auf den laptops.

warum auch nicht? wozu sich bekloppt machen? die gravitation zusammen mit der erdbeschleunigung zwingt uns eh dazu hier zu bleiben. so ähnlich ist es in beziehungen, fluchtversuche zwecklos. entweder bleibt man innerhalb der möglichen atmosphäre, oder man verläßt sie. mit ungewissen zukunftsaussichten...

Kommentarstatus

bin vollkommen einverstanden

Veröffentlicht von: rosso | 30.07.2006

Wow... krasse Story. Ich habe auch eine Weile geglaubt, dass es DIE Liebe nur einmal gibt, bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass das nicht sein kann. Sonst könnte ich nicht mit meiner Holden zusammen sein. Wenn Du recht hast, müsste "meine" m. (der Buchstabe hat es echt in sich) vor zwei Jahren etwas mitgenommen haben, was mir keiner wiedergeben kann.

Veröffentlicht von: SirParker | 31.07.2006

ich habe zwar vorhin dazu einen elend-langen kommentar geschrieben, der womöglich noch länger war als der eintrag selbst, diesen dann aber doch gelöscht, weil ich nicht auf den punkt kommen konnte und es mir zudem zu detailiert wurde.

also kurz. ich betone es nochmal, für "die liebe" gibt es keine definition, dazu kommt, daß jeder einzelne mensch anders darüber denkt. ebenso ist das eine sache für sich, mit der bezeichnung "liebe des lebens" umzugehen. meine m. ist keineswegs die erste frau in meinem leben, ich könnte ihnen geschichten erzählen, die würden sie nicht glauben, doch darum geht es mir persönlich schon in dem eintrag. es ist mit ihr anders und erfahrungshalber behaupte ich mal, so war es vorher noch nie, obwohl ich bereits im zarten und naiven alter von 21 glaubte, die "liebe des lebens" gefunden zu haben.

es spiegelt nur meine persönlichen gedanken wieder, vielleicht noch die von m². mit dem ich letztens eine ganze nacht darüber sinniert habe. ich habe soviel beziehungsstress in meinem leben gehabt und mir im laufe der vielen jahre nie die zeit für mich und meinen eigenen kopf genommen, daß ich, angenommen würde mich m. verlassen, keinen bock mehr auf weiteren hätte.

es ist m., die mir ein gefühl gegeben hat, daß ich vorher nie in beziehungen hatte, hätte sie nicht das besondere an sich, wäre ich augenblicklich single.

vielleicht werde ich in ein paar jahren anders darüber denken, aber was wissen wir schon...

Veröffentlicht von: Ad | 31.07.2006

:-) hoffentlich weiß m. wie sehr sie von ihr schwärmen! *seufz*
hach wie schön!

Veröffentlicht von: eyes only | 02.08.2006

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