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16.07.2006

Ein harmloser Eintrag als Kontrast

gestern. das telefon will nicht aufhören zu klingeln. selbstverständlich wie das immer so ist, alle melden sich auf einmal, selbst die menschen von denen man seit monaten nichts gehört hat. wir werden zweimal zum grillen eingeladen, einmal zum essen gehen, auf einen geburtstag und zum kneipenbesuch. klingt nach freizeitstress. doch den machen wir uns nicht, als m. auftaucht und ich von den vielen einladungen berichte, fragt sie ob wir uns nicht besser davon machen und vielleicht wandern gehen, dem ich auch gleich ohne großartig zu überlegen zustimme.

wir packen unsere rucksäcke, fahren 30 km raus an eine uns bekannte stelle, die viel natur und wenig menschen bietet und zudem eine perfekte route darstellt, die alles verinnerlicht, wenn man kurz abschalten will - einen kurzweiligen marsch, einige stellen um ungesehen ein zelt aufzuschlagen nebst einem kleinen lagerfeuer, einen aufstieg mit ordentlicher aussicht und einen abstieg, der schließlich nach einer O-route von 45 km wieder exakt zum auto führt.

nach ca. 20 km finden wir die perfekte stelle zum übernachten, eine kleine lichtung mitten im wald, die kaum über einen trampelpfad erreichbar ist, bauen das zelt auf, machen ein kleines feuer und essen eine provisorische tomatensuppe.
das sind augenblicke, die ich persönlich nur schwer in worte fassen kann, es liegt romantik in der luft, es wird langsam dunkel, man lauscht den geräuschen des waldes und dem knistern des feuers, trinkt rotwein aus edelstahlbechern und lacht über belanglosigkeiten. gut, der romantik folgt dann meist pure pornografie, aber das hat hier nichts verloren...

die nacht vergeht wie im flug, ich glaube kaum eingeschlafen zu sein, schon wurde ich wieder von zwitschernden vögeln geweckt. doch ich habe so gut geschlafen wie seit monaten bereits nicht mehr. frische luft und natur sind halt besser als hausstaubmilben und abgase, ich kann menschen nicht verstehen die sich mit haut und haaren auf das urbane eingestellt haben, sperren sie mich für ein paar wochen in einen betonwohnblock, ohne möglichkeit ein paar bäume in vereinter gruppe sehen zu können und sie kratzen mein gehirn von den wänden, wahlweise eine traumatisierte putzfrau mit mundschutz...

der weitere weg heute gestaltet sich etwas holprig, wir verlassen den schutz der bäume und lassen uns erneut von der sonne anbrennen, mein dritter sonnenbrand innerhalb einer woche, zudem haben wir außer der erwähnten tomatensuppe und merkwürdigen körnersuperriegeln nichts essbares mitgenommen. die dinger schmecken als hätte man ein kornfeld mit patex zusammengepresst. beschissene möchtegern fitnessprodukte, eine gute alte scheibe zwieback rettet auch vor unterzuckerung.

oben auf dem berg befindet sich eine lokalität, wir beschließen dort unbedint etwas zu essen. es ist so ein laden, der zwar einen traumhaften ausblick hat, aber eine speisekarte wie willys frittenbude, mit dem publikum von kaffeefahrten. stellen sie sich ein rockertreffen vor und ersetzen die vielen harleys auf dem parkplatz durch gehhilfen und sie sind angekommen...

m. nimmt jägerschnitzel mit pommes, ich schnitzel natur mit folienkartoffel. eigentlich sind wir nicht die großen fleischesser, zweimal die woche reicht es, doch salate schmecken in solchen läden wie ungewürztes wiesengrün, egal was man nimmt, man macht es verkehrt. nach der hälfte tauschen wir jeweils, damit sich der andere an dem ungeschmack der anderen portion erfreuen kann, verziehen dabei die gesichter wie zirkusaffen, die zwei pils schmecken ebenfalls wie aus dem sonderangebot vom letzten winter.

nach dem abstieg am auto angekommen ist es soweit, ich halte mich an dem schild "verdrisstescheißlokalität 5 km ->" fest und kotze es zehn minuten lang voll, bekomme fast keine luft dabei und m. einen schreck. als es sich beruhigt, lacht sie, doch nur kurz, kaum daheim angekommen, besetzt sie würgend für zehn minuten die toilette...

jetzt schläft sie wie erschlagen auf der couch, während ich im schattigen arbeitszimmer alles abgedunkelt habe. meine haut pellt sich wie bei einer schlange, ich fühle mich wie ein vampir, der zwölf uhr mittags mit mitternacht verwechselt hat und mal eben nach draußen gegangen ist und sich nun in seiner körperlichen existenz auflöst, dabei die sonne anschreiend
"äch! äch! geh wech! ssssssssss!"...

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Kommentarstatus

na dann wünsch ich euch beiden gute besserung!

Veröffentlicht von: Mone | 17.07.2006

Also so wie sich das für mich darstellt, ist die Natur doch kein so gesunder Platz! (Ich weiß, wovon ich spreche. Ich komme vom sogenannten "Land"...)

gute Besserung auch von mir.
Und nicht übertreiben mit der Sonne...

Veröffentlicht von: dieJulia | 17.07.2006

danke für die besserungswünsche, es ist aber nicht so schlimm, wie es vielleicht klingen mag. qualitativ minderwertiges essen in verbindung mit großer hitze und sonnenbrand, fördert nun mal das erbrechen.
das nächste mal besuche ich die lokalität halt mit einer axt im handgepäck und lasse den koch seinen eigen fuß essen...

Veröffentlicht von: Ad | 17.07.2006

...und ich dachte, Sie machen Hackepeter.

(Übrigens, ein Sonnenstich, respektive Hitzschlag, kann sich ebenfalls so äußern. Nicht mit der Axt jetzt, sondern Übelkeit. Obwohl, bei Ihnen, Herr Ad, mit der Axt und Sonnenstich...)

Veröffentlicht von: pathologe | 18.07.2006

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