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12.06.2006

Das Wandern ist des Müllers Lust

gestern morgen, 10:00h. wir beschliessen beide einstimmig ein wenig zu wandern. wobei "wandern" ein sehr dehnbarer begriff ist. für mich persönlich bedeutet das, sich die rahmengenähten meindl schuhe anzuziehen und unwegsames, meist aufsteigendes gelände zu betreten, entgegen dem "spazieren", wobei man sich meist nur bequem gekleidet in der horizontalen bewegt, nebst hundebesitzern und familienausflüglern. das "nordic walking" möchte ich hier nicht wirklich erwähnen, angefangen beim bescheuertem anglizismus, bis hin zu den stöcken, die ich mir persönlich beim wandern in deutschland höchstens als selbstverteidigungswaffe gegen schafe und bösartige feldhasen vorstellen kann.

dabei gilt es allerdings immer noch zu differenzieren, zwischen langen wanderungen oder kurzen. man kann selbstverständlich auch im himalaya "wandern", oder eben auch nur bis zur kneipe auf dem berg, im rheinländisch sprachigem raum. da ich erfahrungstechnisch weiß, das mir nach 2.800 metern höhe die luft wegbleibt und wir nachmittags auch noch fußball gucken wollten, wurde es heute also die zweite variante.

m. ist die perfekte parnterin für spontane abenteuer und meist sogar die treibende kraft dabei, den schlimmsten weg nach oben zu wählen, den nicht einmal ein in panik versetzter, auf der flucht vor einem geisteskranken braunbären wählen würde. so wurde auch heute wieder mein "toll, jetzt stehen wir vor einer felswand" mit einem schulterzuckendem "na und? sind doch höchstens vier meter!" erwiedert...

jetzt stellen sie sich bitte kurz einen kameraschwenker vor, von oben aus gesehen, wo vier hände nach dem gipfel greifen, welcher sich auf einem wanderpfad befindet. exakt dort, wo wir als zwei völlig verschwitzte und von diversen pflanzen und insekten verschmutzte personen von einer gruppe rentner empfangen werden, die uns großäugig betrachten. unser freundliches "moin" ignorierend...
am liebsten hätte ich die bagage mit den worten "was gibt es hier zu glotzen ihr ärsche?! wollt ihr den abgrund aus der nähe betrachten?!" angebrüllt, doch es fehlte mir an luft für diese anstrengung. ich hasse dumme glotzerei und unbegründete unfreundlichkeit...

in dem oben befindlichen gastronomischen scheißladen, ergatern wir den allerletzten tisch, zwischen scheintoten tortenessern und dem ausflug einer weightwatchers gruppe, werden dabei beäugt als ob wir gerade aus den nachrichten kämen, angesichts unserer dreckigen klamotten und völlig verschwitzten visagen, theoretisch fehlen uns nur noch helme mit taschenlampen auf dem kopf und wildes "virus!" geschrei.
nach jeweils zwei auf ex gekippten wassern mit eis und zitrone, nehmen wir den normalen wanderweg, man mag es kaum glauben, aber runter kann im unwegsamen gelände schwieriger sein als hoch...

cirka exakt in der schlimmsten sonnenphase am auto angekommen, haben wir erst unseren sonnenbrand bemerkt. wir sind zwei menschliche pellkartoffeln, die zu lange gekocht wurden. das mag lustig klingen, durchaus aber auch wehtun. auf der rückfahrt mit erlaubten 100 und gefahrenen 150, entdecken wir doch die liebe zu der neuen single von nelly furtado "maneater", daheim entfernen wir uns gegenseitig je zwei zecken. wenn ich etwas wirklich hasse, dann sind es gemeine holzböcke...

im innenhof und vorallem im schatten, speisen wir salat, begleitet von aufgebackenen brötchen und etwas cidre, m. beschließt kein fußball zu gucken und eben dort endlich mal ein buch zu lesen, ich suche schatten im arbeitszimmer und rufe herrn GP an, da ich das spiel eh verpasst habe, welcher mir von "wäsche machen und seiner liebsten helfen" berichtet, wobei ich darauf bestehe, daß er gefälligst darüber schreiben muß und zwar detailiert: vorgangsweise, waschmittel, technik, falten, ablagern. im gegenzug dazu, bin ich durchaus bereit hier ein kochrezept zu veröffentlichen...

anschließend schlafe ich im arbeitszimmer auf der couch ein, ebenso wie m. auf der bank im innenhof.

zur etwa gleichen zeit erwachen wir beide, vollkommen ausgetrocknet und verwirrt. es dauert eine stunde wassertrinken und schokolade essen, bis etwas in der art eines kreislaufs zu sich kommt, wir sind total verbrannt und unsere mageninhalte gähren wegen der erlebten hitze, nacheinander gehen wir brechen, sie als erste, ich folgend...

21:30h. was ein scheißtag! kein fußball gesehen, magentropfen genommen.

doch die aussicht da oben war ganz nett...*

*eigentlich sollte an dieser stelle ein bild zu sehen sein, doch "blogspirit" meint sich mit mir anlegen zu müßen. dazu komme ich aber später.

Kommentarstatus

Bei der Hitze wäre wohl Schwimmen die bessere Wahl gewesen...

Veröffentlicht von: Mone | 12.06.2006

Der Titel könnte auch lauten: "Wie man sich den Tag verderben kann". Hoffentlich seid Ihr geimpft....

Veröffentlicht von: Michael | 12.06.2006

Der Abstieg ist immer schwieriger als der Aufstieg, wußtest du das nicht? Jedenfalls im Gebirge.

Veröffentlicht von: Hptl-Schmutzige Feder | 13.06.2006

mone: ich kann nicht schwimmen...

michael: ja, das sind wir. ich hatte bereits letztes jahr boreliose...

opa: ich habe das bloß wegen der aufklärung der leser erwähnt, ich selber bin schon genug gewandert und geklettert, um das zu wissen...

Veröffentlicht von: Ad | 13.06.2006

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