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27.05.2006
Verkehr
nach den heute zurückgelegten 400 kilometern und gefühlten 2.000 und trotz meiner mittlerweile 14 jährigen fahrpraxis, muß ich mich dennoch wieder einmal wundern, über seltsame situationen, merkwürdige verhältnisse und die zahlreichen vehikel, die in vielen fällen ganz klar von flüchtlingen einer irrenanstallt gelenkt werden.
aber kommen wir als erstes zum thema fußball WM. nein, keine sorge, ich werde hier nicht über fußball berichten, ich schaue mir die WM zwar an, berichten werde ich über diese sportart aber kaum, höchstens über hintergründe und so ist diese ein wichtiger punkt meiner horrorfahrt heute, von termin zu termin hetzend, bzw. im stau stehend.
bei meinen heutigen besuchen dreier städte, von denen zwei direkt und eine indirekt etwas mit der veranstalltung zu tun haben, mutierte ich beinahe zu einem amoklaufenden zähnefletschenden monster, das unbeachtet des publikums im zentrum einer großstadt, schreiend und genickbrechend durch die einkaufspassagen rennt.
bevor sie glauben ich würde übertreiben, hier mal eine offizielle zahl und zwar nur aus der stadt die indirekt mit der wm zu tun hat, sprich, sie ist kein austragungsort, bloß benachbart mit einem davon: 40 baustellen quer durch die stadt verteilt!
übrigens selbstverständlich an den stellen, die seit jahren bei der stadt in den aktenordnern schlafkomatös lagern, mit dem stempel als "unfinanzierbar" diagnostiziert. gut, ist doch schön wenn das dann endlich gemacht wird, werden manche denken, aber, doch nicht alle auf einmal! wenn ich die halbe innenstadt sperre, die eh zu massiv befahren wird und dazu aber noch die beiden nächstgelegenen autobahnen mit baggern zustelle, so das von drei fahrbahnen nur eine befahrbar ist, dann frage ich mich ernsthaft ob ein schimpanse mit der planung dieses irrsinns beauftragt wurde, wobei ich damit eigentlich noch eine relativ intelligente tierart beleidige.
leicht angespannt vor einem wichtigen termin 30 minuten auf der stelle stehen, mit einem vor techno bebenden vw golf im rückspiegel und einer tierliebenden ökofachfrau vor sich, deren pro und kontra heckaufkleber sich einem schmerzhaft und immer mehr ins gehirn brennen, kann bisweilen sogar suizidal wirken, der verzweifelte griff zu einer helge schneider cd, läßt einen in solchen momenten gänzlich kalt, ein bonbon aus wurst ist eben auch nur ein bonbon aus wurst...
raus aus der stadt, habe ich irgendwann endlich freie bahn auf einer bundesstraße, doch wie könnte es anders sein, das kleine hässliche grüne auto, welches ich am horizont erblicke, nähert sich meiner einschätzung nach zu schnell meinem blickfeld, bei meinen 130 km/h klebe ich dem mistvieh innerhalb von sekunden auf der stoßstange. unbeeindruck eiert omi weiterhin mit der geschwindigkeit einer gehbehinderten schnecke durch die gegend, mit 35 km/h bei erlaubten 100.
überholen unmöglich, da zu kurvenreich und zuviel gegenverkehr herrscht, bin ich gezwungen dazu, ihr 20 km zu folgen. als sie irgendwann endlich auf eine linksabbiegerspur fährt, schaue ich wütend rüber und erblicke eine mindestens 80 jahre alte person mit tunnelblick, die sich am lenkrad festhält und den eindruck macht, als ob sie gerade mit der schnellsten achterbahn der welt in die tiefe rauschen würde.
gut, diese diskussion hat es hier lokal letztens gegeben, ob menschen über 65 noch fahren dürften, was ich für den größten humbug halte, der je medientechnisch eine woche lang produziert wurde. dieses thema könnte man eh in tausend richtungen ausweiten, z.b. in die richtung der rente, die in zukunft erst mit 67 erlebbar sein soll. dürfen dann diese alten menschen die letzten zwei jahre zu fuß zur arbeit gehen ihr idioten?! nein, ich bin dafür, daß es gewisse tests geben müßte, von mir aus für menschen ab 70. seh- hör- reaktionsvermögen. ich kenne genung ältere leute, die wunderbar fahren, ebenso erlebe ich genügend 20, 30, 40, 50 jährige idioten, denen man eigentlich sofortig den führerschein abnehmen sollte, wie dem einen lehrling in der firma meines vaters, der mir letztens vor die nase gefahren ist, welcher meinen weg heim um etwa 20 minuten verlängert hat, mit handy am ohr, schlangenlinien fahrend bei ähnlicher geschwindigkeit wie die oma. ich ließ ihm todesgrüße ausrichten...
in den tiefgaragen ein ebensolches trauerspektakel. in blöcken zwischen den säulen bietet sich der platz für je fünf fahrzeuge. dieser wird allerdings in den meisten fällen von nur drei genutzt. lustigerweise sind es die kleinwagen, die kaum in diese grenzen passen, während ich an anderen stellen fünf nebeneinander eingeparkte große limousinen sehe. manche verhalten sich mit einem nissan micra, als ob sie einen australischen lkw mit drei anhängern fuhren, schimpfen dabei noch womöglich, daß die garage viel zu eng und undurchdacht sei. beschissenes räumliches denken.
ich könnte das noch seitenlang weiterführen, aber mir geht heute das schreiben nicht wirklich von der hand, m. ist längst im bett und ich bin auch müde. ich habe heute mehr zeit damit verbracht, im auto zu sitzen als mit arbeit, terminen und privatleben.
wenn fortbewegungsmittel einen aufhalten, wird es fraglich.
01:00 Veröffentlicht in Alltag, Kopflastig, Welt | Permalink | Kommentarstatus (3) | Per Email verschicken


Kommentarstatus
In Ihrem letzten Satz bringen Sie das zugrunde liegende Prinzip sehr schön auf den Punkt, lieber Herr Ad. So ist das nämlich schon seit langem, zumindest mit den Fortbewegungsmitteln, die unter »Individualverkehr« laufen. Dass es dennoch mehr als genug Leute gibt, die sich den Quatsch ohne Not täglich antun, ist einigermaßen unverständlich.
Veröffentlicht von: poodle | 28.05.2006
mein lieber herr poodle, "individualverkehr" ist exakt das wort, nach dem ich gesucht habe, irgendwo in meinen mentalen lagerhallen, die allerdings nach einem 19-stunden tag leergeräumt waren. ich habe es bereits mit herrn german psycho diskutiert: ich stehe zwar auf fahrzeuge mit ausdruck und viel ps, doch sollte ich in der innenstadt leben und meinen zukünftigen arbeitsplatz zu fuß erreichen können, würde ein smart ausreichen, oder garkein smart... ;-)
Veröffentlicht von: Ad | 28.05.2006
Hallo, mein Lieber,
da ist viel Wahres dran an dieser Story und auch den dazu gehörigen Gedankengängen.
So bin ich z.B. der Meinung dass jeder spätestens alle 10 Jahre, ab 60 alle 5 Jahre wieder mal eine Fahrprüfung machen sollte. Das ginge sogar ganz praktikabel.
Die dargestellten Irrenhaus-Flüchtigen sind (wie die meisten Insassen derartigere Anstalten) gar nicht selbst schuld. Ich bin nämlich der Meinung nach 40 Jahren Praxis als Fahrlehrer, dass mindestens 50% meiner Berufskollegen für diesen Beruf ungeeignet sind.
Um den geschilderten Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen, schlage ich vor, etwas mehr Zeit für das Terminieren aufzuwenden und zu wirklich wichtigen Terminen am Tag vorher oder mit einem so großen Zeitpuffer zu fahren, dass man selbst die erwähnte Ur-Oma aushält.
Manfredo
Veröffentlicht von: Manfredo | 13.07.2006
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