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21.05.2006

Apokalyptische Degenerierung

gestern abend, ich sitze alleine bei m. in der wohnung und warte bis sie von der arbeit zurückkommt, schaue auf ihrem tragbaren dvd-player "saw" und kaue bereits die zweite zwiebel, bin dabei höllisch unentspannt, meine augen tränen. ich habe mir mal wieder eingebildet mit dem rauchen aufhören zu müßen, wobei diese prozedur immer gleich bei mir abläuft: am ersten tag bin ich vollkommen entspannt und stolz, am zweiten werde ich leicht ungenießbar bis extrem übellaunig, am dritten kommen hieronymus bosch ähnliche szenarien in meinen kopf hoch, wobei ein film wie "saw" in diesem augenblick für mich einen ähnlichen unterhaltungswert hat, wie eine "telenovela", nämlich keinen, bloß die hölle auf erden könnte mich gerade befrieden, oder eben ein kiosk.

ich beschließe die welt vor der apokalypse zu retten und mir eine schachtel zigaretten zu holen, gerade als ich um die ecke richtung kiosk abbiege, renne ich m. fast um, die laut lachen muß, als ich mit weit aufgerissenen augen sage "ich scheiße auf die gesundheit, ich brauche den blauen dunst!". es stellt sich heraus, daß sie ebenfalls nicht aushalten konnte und gerade eben zigaretten gekauft hat. ein ganzes himalaya übler laune fällt von meinen schultern, ich küße sie und sage "ich liebe dich!".

als erstes haben wir halbbekleidet sex, schließlich muß die erste zigarette irgendwie begründet sein, später überlegen wir c. und seine neue freundin n. anzurufen und spontan etwas trinken zu gehen. die beiden befinden sich bereits in einer bar, die keine fünf minuten fußweg entfernt ist, wohin wir uns umgehend begeben.

m. ist kaputt von der woche, die n. hat schlechte laune wegen einem streit mit ihrer mutter, gegen mitternacht verabscheiden sie sich richtung jeweiliges zuhause, während c. und ich in einem tiefen gespräch über das verhalten von betrunkenen auf industriemessen stecken und uns die wörter gegenseitig um die ohren hauen, wobei er geschätzte hundert mal fragt, warum ich denn nach zwiebel stinken würde. später berichtet er noch von einer wolfsspinne, die ihm in seiner wohnung abgehauen ist und jetzt wohl irgendwo hinter den möbeln wohnt und er seitdem sehr gerne und oft bei n. übernachtet.

um 01:30h cirka, sind wir an unserem berühmten punkt jenseits von gut und böse, schlendern von bar zur bar, befinden einstimmig alle anwesenden als hässlich und langweilig, trinken überall ein whisky und ein bier, was sich summiert, da wir in dem allerersten laden bereits mehr als genug davon hatten.

gegen 03:00h stehe ich plötzlich wie durch raum und zeit gereist an einer straße gegenüber der haupt-polizeiwache und halte mich an einem straßenschild fest. c. ist verschwunden, ich kann mich nicht einmal entsinnen, wo wir zuletzt gewesen sind, winke einem taxi zu, da ich mich etwa 2 km von m.s wohnung entfernt befinde und meine letzten noch funktionierenden gehirnzellen mir geschichten darüber erzählen, daß es kaum genügend möglichkeiten zum festhalten auf dem weg dorthin gibt, als das es auch nur annähernd für mich möglich wäre, in diesem ramponierten zustand je lebend anzukommen.

ich falle auf den rücksitz des taxis, lalle etwas von zwiebelgeruch und anschließend eine adresse und schlafe ein. als ich wieder zu mir komme, sehe ich das licht vorne beim fahrer brennen und höre eine stimme, die sagt "34 euro macht das bitte", worauf mir ein lautes "häääää?" entgleitet, wobei ich in dem moment selbst meinen utopischen mundgeruch wahrnehme. "seschzyn euro pho kilohmehta?" frage ich, was der fahrer mit "wieso pro kilometer? wir sind 17 km gefahren!" beantwortet, das ich wieder mit einem halb würgenden "um n block?" entgegne. in diesem augenblick werfe ich einen kurzen doppelten blick aus dem fenster des wagens und bemerke den fehler im system. mein betrunkenes betriebssystem muß wohl eine mental temporär gespeicherte adresse geblubbert haben, statt bei m. befinde ich mich bei mir, auf dem land...

irgendwas auf zwiebelländisch nörgelnd falle ich aus dem taxi, wobei ich wohl krach veranstallte, dabei licht im nebenhaus angeht und meine 75 jährige nachbarin mich wieder bei einer ausgeprägten S-route beim überqueren der straße beobachten muß, die ich anschließend mit einer kopfbremsung an der haustüre beende.

nach einer kalten kopfdusche, bei der ich in einige erdbebenartige turbulenzen komme und dabei beinahe die badewanne aus ihrem vorbestimmten platz herausreisse, bilde ich mir in meiner betrunkenen birne ein, vollkommen nüchtern zu sein, sogar zu nüchtern, wein muß her. anstatt ins bett zu gehen, nehme ich eine flasche guten chardonney und begebe mich ins arbeitszimmer, schalte einen rechner ein, trinke wein, rauche eine zigarette und versuche beim herrn poodle zu lesen, wobei ich mir allerdings ein auge zuhalten muß, weil ich sonst nichts erkennen kann. der gute muß aber meinen möglichen zustand bedacht haben, da er eine audiodatei hinterlassen hat, was prima ist, da das problem des doppeltsehens nicht das gehör betrifft.

als ich das meisterwerk höre, bekomme ich einen heftigen lachanfall, währenddessen mein magen allerdings eine weitere zusammenarbeit fristlos kündigt und ich mir lachend auf die hose breche, außgerechnet auf die armani, die ich am vortag erst aus der reinigung geholt habe. darüber verärgert, trotzdem immer noch mitten in einem schallendem gelächter, bin ich ins geheim froh, das ich nichts gegessen habe und es sich bei der absonderung nur um eine, nach zwiebel und alkohol riechende, flüßigkeit handelt.

ich werfe die schuhe in die ecke und die hose in die badewanne, begebe mich anschließend auf socken, in unterhose, hemd und krawatte zum putzen, bemerke dabei (immer noch lachend) nicht, daß meine krawatte irgendwie unter dem lappen hängt, während ich hockend den boden wische. erst später wieder im bad stelle ich fest, daß ich mehr mit meinem halsumhang weggewischt habe, als mit dem lappen und dieser nun aussieht wie einer kuh frisch aus dem hintern hevorgezaubert.

als ich später irgendwann halbnackt auf der couch aufwache - da meine lebensfunktionen wohl das holen einer decke nicht mehr zugelassen haben - fühle ich mich wie drei kranke zusammen. beim anblick der zigaretten wird mir schlecht, das badezimmer benötigt mindestens eine putzfrau, ich stinke wie ein mülleimer in einem imbiss.

es dauert geschätzte zwei flaschen gemüsesaft mit viel pfeffer und eine halbe packung zwieback, bis mein gehirn überhaupt in der lage ist m. anzurufen. als ich die geschichte vortrage, lachen wir, allerdings nur bis zu der stelle, an der wir merken, daß das auto bei ihr steht und die schlüssel bei mir sind...

Kommentarstatus

Schöne Darstellung eines typischen Samstag-Abends.
Ein Raucher.

Veröffentlicht von: Karlmarks | 21.05.2006

Gut, dass wir so etwas nicht alles selbst erleben müssen, sondern uns von Ihnen erzählen lassen können. Das ist ja wie im Kino hier!

Veröffentlicht von: Matt | 21.05.2006

Köstlich Ad, köstlich.
Sie haben die bewundernswerte Gabe, die kleinen Dinge im Leben so humorvoll darzustellen das ich immer wieder auf Ihre Seite zurückfinden werde!
Und bei dem was ich über m. so schon gelesen habe scheinen Sie wirklich eine Top Partnerin gefunden zu haben, und keinen Klammeraffen welcher die Seele kaputt macht.
Freuen Sie sich und schenken Sie Ihr bitte eine Rose von mir!

PS: Die Sache mit dem Rauchen, -alles zu seiner Zeit- ist eine beliebte Ausrede von mir!

Viele Grüße sagt die mone

Veröffentlicht von: mone | 21.05.2006

karlmarks, wenn das ein typischer samstag-abend wäre, würde ich längst in einer holzkiste eine wurmbehausung darstellen... ;-)

herr matt, extra für sie, unerschrocken an forderster front der selbstzerstörung! ;-)
p.s. allerdings ist ihr enten-thriller ein noch viel bunteres kino!

mone, danke für die blumen!

Veröffentlicht von: Ad | 22.05.2006

Fan-bloody-tastic Mr. Ad, echt grossartig.... har, har

Veröffentlicht von: Michael | 23.05.2006

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