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24.03.2006
Fremdeintrag der Gewinnerin aus Quiz (I)
wie im ersten hier veröffentlichtem quiz von mir vorgeschlagen wurde, hier nun der erste feine fremdeintrag von der gewinnerin mone! (die ürigens heute geburtstag hat! herzlichen glückwunsch!)
...
Ich habe die Ehre bei kreativ betrunken einen betrunkenen Beitrag einzureichen!
Nach etlichen Litern Rotwein nehme ich jetzt den Mut zusammen und liefere meinen Text dem Gedeih oder Verderben aus.
Eure Mone.
Der Ort der Handlung ist eine stinknormale Mittelstandswohnung in Deutschland!
Melanie, die vierzehnjährige Tochter sitz am Küchentisch und schaut ihrer Mutter zu, welche das Abendbrot zubereitet. Der Fernseher läuft im Wohnzimmer...
„Yvonnchen, meine Gute! Bring mir doch bitte mal ein Bier rüber, hier kommt grad so was interessantes, da will ich ne weg!“ ertönt die Stimme ihres Vaters.
Melanies Mutter seufzt, wäscht sich die Hände und geht zur Vorratskammer, um ihrem Mann ein Bier zu bringen.
Unbeteiligt schaut Melanie ihr zu und denkt bei sich, wie bescheuert ihre Mutter doch ist den alten fetten Sack so zu bedienen. Sie bekommt Wut. So etwas sollte es nicht geben. Schließlich arbeitet ihre Mutter im Büro mehr Stunden in der Woche als ihr Vater am Band, macht noch den kompletten Haushalt, bekocht den alten Säufer auch noch und hat am Ende ihr ganzes Leben lang nur für andere gedient!
Ihre Mutter kommt aus dem Wohnzimmer zurück und stellt sich wieder an den Herd.
„Du Mutti?“ fragt Melanie.
„Ja Süße?“ kommt die Antwort.
„Warum bedienst du den Vater eigentlich immer? Ich mein, der kann sich doch sein Bier während der Werbung holen oder was, warum verlangt er, das du es ihm bringst?“
„Nun ja,“ sagt die Mutter, „das verstehst du noch nicht so richtig. Er hat es halt gern, wenn ich es ihm bringe.“
„Aber warum? Er hat selber zwei gesunde Beine, arbeitet weniger Stunden in der Woche und läßt dich hier alles alleine machen. Ich denke, das ist nicht fair dir gegenüber.“
Die Mutter lächelt. „Ach Schatz, das verstehst du noch nicht. Das ist halt so wenn man schon so lange verheiratet ist wie wir beiden.“
Melanie schaut sie ungläubig an. In ihrem Inneren verspricht sie sich, nie so eine Beziehung zu akzeptieren und sich nie in so einer Situation selbst zu demütigen. In so einer Beziehung würde sie aufrecht stehen und dem Mann sagen, er solle sich gefälligst sein fucking Bier selbst holen, wenn er es denn auch saufen will! Oder am besten, den Typ gleich rausschmeißen und sich einen anderen suchen.
Zeitspanne zwanzig Jahre später.
Melanie steht in der Küche beim Abwasch.
Aus dem Wohnzimmer dringt die Stimme ihres Mannes, „Du Melanie? Bring mir doch bitte mal ein Bier, meine Gute, das ist hier gerade hochineressant, das will ich nicht verpassen!“
Sie seufzt...
11:07 Veröffentlicht in Quiz | Permalink | Kommentarstatus (11) | Per Email verschicken
Kommentarstatus
Liebe frau m.
ganz herzlichen glückwunsch zum geburztag. Ich werde gleich mit einem astra und einem bessen genever auf ihr wohl anstossen !
ich hatte im fraglichen zeitraum weder eine mone noch eine melanie zur verfügung sondern eine emmi. die hat mir nicht einmal ein bier ans bett gebracht, wenn ich sterbenskrank niederkam. auch meine zigaretten musste ich mir selbst holen bis ich eines tags nicht wiederkam.
leidvolle grüße
opa edi
Veröffentlicht von: Opaedi | 24.03.2006
Ich mußte gerade ein wenig über die Wortwahl "sterbenskrank niederkam" schmunzeln.
"Niederkommen" ist ein Synonym für "gebären". Aber wahrscheinlich meine der Herr "darniederliegen"?
Veröffentlicht von: trillian | 24.03.2006
Durchaus nicht, Verehrteste, ich leide an chronischer Scheinschwangerschaft:
http://cdhd.twoday.net/stories/1699947/
Veröffentlicht von: Opaedi | 24.03.2006
Dann nehme ich alles zurück und behaupte das absolute Gegenteil!
Veröffentlicht von: trillian | 26.03.2006
Vielen Dank für die Geburtstagsgrüße lieber Opi!!
Veröffentlicht von: mone | 26.03.2006
Ein wenig zu klischeehaft, meinen Sie nicht? Der alte Säufer, dem die arme, hart arbeitende Frau ein Bier bringt? Nicht schlecht geschrieben, bitte verstehen Sie mich nicht falsch!
Aber die Pointe ist berechenbar. Wäre es nicht lustig, wenn die Tochter vorm Fernseher säße und ihren Mann Bier (oder Prosecco, hahaha!) holen lässt!
Veröffentlicht von: German Psycho | 28.03.2006
Alle Klischees stimmen. Wahrscheinlich stinken sogar usw...
(Urs Widmer)
Veröffentlicht von: Opaedi | 28.03.2006
ach, heute haben sich die klischees doch eh verschoben, wie seinerzeit die kontinente. es herrscht emanzipation und untreue, bei all der neuen freiheit holt sich jeder sein bier selbst, unabhängig vom geschlecht... ;-)
Veröffentlicht von: Ad | 28.03.2006
@GermanPsycho - wär in der Tat lustiger gewesen, nur der richtige Moment fehlte zu der Idee
@Opaedi - Ich hasse klischees...
@Ad - Bier wird selbst geholt - Richtig!! (Außer Mann/Frau sagt ganz lieb bitte)
Veröffentlicht von: Mone | 28.03.2006
Mit den Klischees ist es wie mit der Wahrheit.
(Opaedi)
Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.
(Lichtenberg)
Veröffentlicht von: Opaedi | 28.03.2006
so spielt das leben. realistischer als man gemeinhin denken will. die verschiebung der perspektive macht aus jedem revolutionär alsbald einen konservativen und aus jedem affen einen bär.
ich wundere mich schon seit 40 jahren, warum die menschen sich gesellschaftlich kaum weiter entwickeln, in mancher hinsicht sogar zurück - z.b. was materialismus und oberflächlichkeit angeht - ein schritt vor, zwei zurück. die heutige und die folgenden generationen kann ich nur bedauern, dass sie moralisch/ethisch nicht mehr lehren aus der vergangenheit ziehen. scheinbar gibt es lehren, für die ein menschenleben einfach zu kurz ist. ausser wissensanhäufung nichts gewesen ...
auf den text bezogen: so spielt das leben: nach der pubertät muss man erst erwachsen werden. wir brauchen unser ganzes leben, um erwachsen (bzw. weise) zu werden. viele ruhen sich auf ihrem status aus und kommen niemals als erwachsene in ihrem leben an. mit "erwachsene" meine ich aufgeklärte und selbstständig denkende subjekte einer gesellschaft.
gruß
bon.
Veröffentlicht von: bon. | 22.05.2008

